Samstag, 16. Oktober 2021

[Bilderbuch] "Unsere Grube" von Emma AdBåge

Es gibt keinen schöneren Platz zum Spielen als die große Grube. Da kann man alles spielen: Bärenmama, Einkaufen, Fangen, Verstecken - alles. Doch die Erwachsenen finden die Grube "gefährlich" und lassen sie zuschütten. Die Kinder sind stinksauer. Sie haben ihre eigenen Vorstellungen, was ihnen Spaß macht. Wie ernst es ihnen ist, sich ihren Spielplatz zurückzuerobern, ist einfach großartig. (Text- und Coverrechte: Beltz & Gelberg)


Das Spielen im Freien, im Wald, auf dem Feld, oder auch in einer Erdgrube, gehört wohl zu den schönsten Erlebnissen von Kindern. Und für mich zu den allerbesten Erinnerungen meiner Kindheit. Darum stach mir "Unsere Grube" auch sofort ins Auge. Die Geschichte, das Thema - ich kann es einfach so gut nachvollziehen. Da wäre zuerst die Sache des freien Spiels und die genialen Illustrationen dazu. Ganz wunderbar. Und dann noch die Tatsache, dass Erwartungen von Erwachsenen oftmals nicht sehr bedürfnisorientiert sind, wenn es um die Erfahrungen der Kinder geht. Das Bilderbuch ist nicht nur humorvoll-realistisch und zeigt die Bedürfnisse von Kindern damit ganz klar, es übt auch Kritik am Verhalten von Erwachsenen oder Eltern ... und stimmt damit sehr nachdenklich.

Hinter den Schulgebäuden, in einem kleinem Wäldchen, befindet sich eine Grube. Die Kinder nennen sie "unsere Grube" und spielen dort, wann immer es ihnen möglich ist. Sie können dort alles machen, alles sein, und es wird nie langweilig. Die Grube ist der Lieblingsspielort, das Highlight der Kinder. Leider mögen die Lehrer und Lehrerinnen die Grube nicht. Sie finden sie zu gefährlich, versuchen die Kinder sogar zu alternativen Spielen zu bewegen - erfolglos. Bis die Lehrerschaft beschließt, ein Grubenverbot auszusprechen und diese schlussendlich sogar zuzuschütten. Die Kinder sind traurig und entsetzt. Aber Kinder wären nicht Kinder, wenn sie nicht das Beste aus der Situation machen würden.

Beim ersten Vorlesen von "Unsere Grube" ging mir sofort das Herz auf. Es hat für mich die Anmutung eines Klassikers. Auch die 6-jährige Tochter, die seit kurzem zur Schule geht, ist völlig fasziniert und hört bei jedem Lesen gespannt zu. Das liegt wahrscheinlich am Handlungsort, einer Spielgrube hinter einem Schulhof (was kann es schöneres geben?!), und daran, dass die Situation der Kinder im Buch so gut nachvollziehbar ist. Die Geschichte setzt sich stark für die Bedürfnisse und Gefühle von Kindern ein. Das spürt die Zielgruppe sofort.

Die Geschichte ist toll erzählt, aus der Sicht eines Kindes, darum fühlen sich junge Zuhörer*innen auch sofort an die Hand genommen. Sie ist einfach, spannend und gut verständlich, es geht ja im Prinzip "nur" um die Erlebnisse in einer geniale Spielgrube und das Missfallen der Erwachsenen. Reduziert und charmant sind die Illustrationen, ganz eigen und besonders, sie passen perfekt zur Geschichte. Trotz des feinen, nicht überladenen Stils gibt es viel zu entdecken, Gefühle werden sehr deutlich transportiert. Wir sind von Anfang bis Ende glücklich mit diesem Bilderbuch.

Damaris' Fazit ...
Nordischer Charme und die Anmutung eines Klassikers - diese Definition für "Unsere Grube" ist zwar richtig, aber nicht ausreichend. Denn das Bilderbuch kann mehr. Es steht mit seiner Geschichte deutlich für die Bedürfnisse und Gefühle von Kindern ein, macht sich für sie stark. Es schildert Erlebnisse, die jedes Kind sofort nachvollziehen kann, ist perfekt erzählt und wunderschön-besonders illustriert. Für uns ein Bilderbuchschatz, der im Regal bleibt.


"Unsere Grube", Beltz & Gelberg 2021 - Hardcover, 34 Seiten - 14,00 € [D] - Format 22 x 28 cm - Text und Illustrationen Emma AdBåge - Übersetzt von Friederike Buchinger - ab 4 Jahren