Donnerstag, 11. Februar 2021

[Kinderbuch] "Roboter träumen nicht" von Lee Bacon

Vor dreißig Jahren sind die Menschen ausgestorben. Jetzt wird die Welt von Maschinen beherrscht. Der Roboter XR_935 findet das genau richtig so. Denn ohne die Menschen gibt es keinen Krieg, keine Umweltverschmutzung, keine Verbrechen. In der Robotergesellschaft läuft alles reibungslos und effizient - bis zu dem Tag, an dem XR etwas Unmögliches entdeckt: einen Menschen. Ein Mädchen, das seine Hilfe braucht ... (Text-, Cover- und Zitatrechte: Loewe Verlag


"Roboter träumen nicht", das neue Kinderbuch von Lee Bacon, gehört zu den Titeln, die mich sofort ansprachen. Das lag zum einen am tollen Cover, das zugleich berührt und polarisiert, vor allem aber neugierig macht. Zum anderen ist das Thema spannend und aktuell: Eine Welt, die von Robotern und Maschinen beherrscht wird, in der die Existenz von Menschen nicht vorgesehen und erwünscht ist. Vor dem Lesen hatte ich also gewisse Vorstellungen von der Geschichte. Diese wurden erfüllt, und ich bekam noch mehr. "Roboter träumen nicht" ist weitaus gefühlvoller als gedacht, dazu sehr unterhaltsam. Und das Buch enthält einige tiefgreifende Fragen und Gedanken zur Menschheit und unserer Rolle auf dem Planeten Erde. Fand ich super!

Vor mir lag eine Landschaft aus verlassenen Gebäuden. "Warum steht all das noch?", fragte ich. "Warum wurden diese Bauten nicht eingeebnet? Sie erfüllen keinen Zweck."
"An diesem Punkt irrst du dich", antwortete Elternteil_1. "Sie erfüllen einen sehr wichtigen Zweck. Sie dienen dazu, das Andenken aufrechtzuerhalten."
"Welches Andenken?"
"Das Andenken an die Schwächen der Menschheit", erläuterte Elternteil_2. - S. 25

Menschen erfanden Roboter und machen sich diese zunutze, bis sie unentbehrlich wurden. Doch die Menschen machten Fehler, die Roboter nicht. Irgendwann entschieden die Roboter, dass es genug sei ... und sie löschten alle Menschen aus. Seitdem ist die Welt eine bessere, und alles läuft reibungslos und effizient. So hat es Roboter XR gelernt. So ist es gut und richtig. Täglich erledigt XR mit seinen Kollegen Ceeron und SkD die gleichen Arbeiten, nichts wird hinterfragt. Das ändert sich, als den dreien Emma begegnet, ein Menschenmädchen, und ihre Hilfe benötigt.

Dieses Buch ist ein besonders Kinderbuch! Das beginnt schon mit dem einzigartigen Schriftbild, die Kapitelnummern sind zum Beispiel im Binärcode dargestellt, und auch der Text enthält Wörter in eigener Schreibweise, und hört bei den schönen Illustrationen noch lange nicht auf. Das passt so gut zu dem, was man liest, das man die Geschichte regelrecht spürt. Die Diskrepanz zwischen der Art, wie Roboter denken (sollen) und den Gefühlen/Gewissen, die sich (scheinbar) entwickeln, ist klug und perfekt dargestellt, vor allem, weil das Buch aus der Sicht des Roboters XR erzählt wird.

Und dann ist die Handlung noch abwechslungsreich und spannend, manchmal richtig aufregend. Die Charaktere, egal ob Roboter oder Mensch, gewinnt man lieb. Somit ist das Lesegefühl zwar futuristisch und totalitär, hat aber nicht die beklemmende oder angstmachende Anmutung von postapokalyptischen oder dystopischen Romanen für ein älteres Zielpublikum. Für Kinder ab 10 Jahren perfekt! Egal ob zum Genießen oder um sich darüber auszutauschen.

Damaris' Fazit ...
Ein Kinderbuch, das meine Erwartungen übertroffen hat, ist "Roboter träumen nicht". Man bekommt hier nicht nur eine spannende und aktuell-futuristische Geschichte zum Mitfiebern, der Roman besitzt viel Gefühl und animiert zum Nachdenken über Verantwortung, Zukunft und Toleranz. Der Schreibstil passt perfekt und überzeugt durch viele Besonderheiten. Die Charaktere, inklusive ihrer Eigenheiten, wachsen ans Herz. Am Ende ist man mit dem Buch sehr glücklich. Soll soll das sein!


"Roboter träumen nicht", Loewe Verlag 2021 - Hardcover, 336 Seiten - 14,95 € [D] - Text von Lee Bacon - Übersetzt von Ulrich Thiele - Illustrationen von Nathalie Kranich - ab 10 Jahren