Donnerstag, 15. Oktober 2020

[Kinderbuch] "Malamander: Die Geheimnisse von Eerie-on-Sea" von Thomas Taylor

Wenn du zum ersten Mal nach Eerie-on-Sea kommst, siehst du nichts als einen verschlafenen Badeort. Doch der Schein trügt. Vor der Küste treibt der Malamander sein Unwesen. Jeder hier ist dem legendären Seeungeheuer auf der Spur, aber jeder aus einem anderen Grund. Es gibt Mrs Hanniver von der Bücher-Apotheke, die für jedes Unglück die richtige Lektüre zur Hand hat. Es gibt Hakenhand, vor dem du dich besser in Acht nimmst. Vor allem aber gibt es Herbie Lemon, den 12-jährigen Sachenfinder aus dem Grand Nautilus Hotel, der jedes Fundstück zurück in die richtigen Hände bringt. Eines Tages findet er ein Mädchen: Violet ist wild entschlossen, den Malamander aufzuspüren - er ist die letzte Verbindung zu ihren verschollenen Eltern. (Text-, Cover- und Zitatrechte: Carl Hanser Verlag)


Schon der Name ist ungewöhnlich, oder besser, die Namen. Malamander, Eerie-on-Sea ... was soll denn das sein? Nicht nur dieser Umstand, sondern eine tolle Buchbeschreibung und ein sehr lustig-inspirierendes erstes Kapitel sorgten dafür, dass ich dieses Buch lesen wollte. So richtig abschätzen konnte ich allerdings nicht, mit welcher Art von Geschichte ich es hier zu tun bekommen würde. Meinem 13-jährigen Sohn erging es ähnlich; er betrachtete "Malamander: Die Geheimnisse von Eerie-on-Sea" zunächst mit Skepsis. Zum Glück ließ er sich jedoch zum Lesen des Buches überreden. Er hat es vor mir verschlungen und wolle nicht mehr damit aufhören. Ich musste mich also etwas gedulden. Es hat sich gelohnt! Hier haben wir mal wieder ein Kinderbuch, das die Zielgruppe, sowie erwachsene Leser*innen gleichermaßen begeistert.

Schließlich beginnt der Koffer selbst auseinanderzufallen. Der Mann reißt ihn mit seiner gesunden Hand auf, und zum Vorschein kommt ...
... nichts!
Na ja, nicht ganz nichts. In dem Trümmerhaufen sitzt eine sehr überrascht aussehende Spinne. Und eine Wollpudelmütze liegt da. Als die Spinne davonhuscht, würde ich ihr am liebsten hinterherlaufen. Nun bleibt uns nur noch die Mütze zum Anstarren. Es ist sehr eindeutig die leuchtend bunte Mütze des Mädchens. Vor ihr selbst fehlt allerdings jede Spur. - S. 15

Eerie-on-Sea ist ein Küstenstädtchen, augenscheinlich ein etwas verschlafener Badeort. Doch jetzt, im Winter, zeigt dich Eerie-on-Sea von seiner rauen und düsteren Seite. Hakenhand geht man besser aus dem Weg. Und es gibt die Legende, dass hier der Malamander sein Unwesen treibt. Eine Art Seeungeheuer, das die Menschen zwar ängstigt, dem der eine oder andere aber auch auf der Spur ist. Und hier in Eerie-on-Sea lebt der 12-jährige Herbie Lemon. Er ist der Sachenfinder des ansässigen Hotels. Eines Tages "findet" Herbie ein Mädchen. Violet ist auf der Suche nach ihren verschollenen Eltern und auf der Flucht vor dem berüchtigten Hakenhand. Herbie möchte ihr helfen. Und was hat die ganze Sache mit dem Malamander zu tun?

Ich liebe Kinderbücher! Ja, wirklich. Jedoch ist es oft so, vor allem bei Büchern für ca. 10-jährige Leser*innen, dass mich deren Themen nun mal altersbedingt nicht mehr ganz so brennend interessieren. Das Leseerlebnis mag zwar der Zielgruppe gefallen, verlangt mir jedoch einiges an Durchhaltevermögen ab. Bei "Malamander: Die Geheimnisse von Eerie-on-Sea" war das anders. Das Buch ist genial! Ich hatte von vorne bis hinten großartige, lustige, phantastische und wunderlich-spannende Lesestunden. Ob die Geschichte im Hier und Jetzt spielt, weiß man gar nicht so genau. Einiges deutet darauf hin. Auf der anderen Seite wirkt sie sehr eigen und wie aus der Zeit gefallen; etwas altertümlich und mit einer gehörigen Portion Grusel-Fantasy. Ein Weglegen des Buches ist wirklich kaum möglich. Ich habe viel geschmunzelt und gelacht, war gerührt und habe vor Spannung an den Nägeln gekaut.

Die Geschichte kann man abgeschlossen lesen, sie wird am Ende aufgelöst. Jedoch bleiben noch einige lose Fäden bestehen. Zum Schluss hat man Herbie und Violet so stark ins Herz geschlossen, dass man auf eine Fortsetzung hofft und dafür brennt. Mein Sohn fragt mich jetzt schon danach.

Damaris' Fazit ...
"Malamander: Die Geheimnisse von Eerie-on-Sea" ist eines der Kinderbücher, die so geheimnisvoll, lustig-mysteriös und spannend klingen, dass man sie lesen möchte, obwohl man vielleicht nicht direkt einschätzen kann, welches Leseerlebnis auf einen zukommt. Ich bin von der Geschichte begeistert! Der 13-jährige Sohn ebenfalls! Sie ist sehr eigen und wunderlich, hat viel Herz und lädt zum ständigen Schmunzeln ein. Alleine darum kann man das Buch kaum aus der Hand legen. Außerdem ist das Spannungslevel so hoch, dass man unweigerlich mitgerissen wird (und sich manchmal sogar etwas gruseln darf). Einfach toll!


"Malamander: Die Geheimnisse von Eerie-on-Sea", Carl Hanser Verlag 2020 - Band 1 - Hardcover, 288 Seiten - 17,00 € [D] - Text und Illustrationen von Thomas Taylor - Übersetzt von Claudia Max - ab 10 Jahren