Mittwoch, 13. Mai 2020

[Kinderbuch] "Ein Mädchen namens Willow" von Sabine Bohlmann

Was soll Willow denn mit einem Wald anfangen? Den hat sie nämlich von ihrer Tante Alwina geerbt. Und nicht nur den - ihre Tante hat Willow auch noch ein kleines windschiefes Häuschen hinterlassen und vor allem: ihre Hexenkraft. Doch ob Willow dieses Erbe, mit allem was dazu gehört, wirklich annehmen möchte? Und dann soll sie auch noch drei Mädchen finden, die die Gabe des Hexens ebenfalls in sich tragen. Nur wo? Und vor allem, wie? Zum Glück ist Willow nicht allein, denn Rufus, der Fuchs, weicht nicht mehr von ihrer Seite. (Text- und Coverrechte: Planet!)


Hat "Ein Mädchen namens Willow" nicht ein ganz zauberhaftes Cover? Diese Stimmung, diese Farben, ein Mädchen auf einer Waldlichtung mit einem Fuchs. Ich muss gestehen, bei einem ersten Blick war ich verliebt ... und nach einem weiteren auf das Thema gleich noch ein bisschen mehr. Damit war klar, hier steckt eine sehr schöne und stimmungsvolle Geschichte für Kinder drin, über Freundschaft, Natur und ein bisschen Magie. Und doch war die Ausführung dann spannender und komplexer als gedacht.

Weil Willow von ihrer verstorbenen Tante Alwina einen Wald geerbt hat, zu dem auch ein Haus gehört, zieht sie mit ihrem Vater mal wieder um. Obwohl sie Umzüge zur Genüge kennt, ist für Willow schnell klar, dass sie hier für immer bleiben möchte. Denn sie entdeckt bald, dass sie von Alwina nicht nur den Wald, sondern auch deren Hexenkraft geerbt hat. Doch um ihre Gabe vollständig annehmen zu können, und um auch den Wald zu beschützen, muss Willow noch drei andere Mädchen finden, die ebenfalls die Gabe des Hexens haben. Gar nicht so leicht, denn wo soll sie anfangen zu suchen? Bald tauchen zwielichtige Immobilienmakler auf, die den Wald kaufen und dort ein Einkaufszentrum errichten wollen. Willow benötigt jetzt ganz dringend die Hilfe und den Zusammenhalt ihrer Hexenfreundinnen.

Bereits die ersten Seiten von "Ein Mädchen namens Willow" sorgten dafür, dass ich ein Lächeln im Gesicht hatte. Sabine Bohlman beginnt ihre Geschichte mit viel Herz und allerliebsten Charakteren. Willow ist eine aufgeweckte 11-Jährige, die Beziehung zu ihrem Vater sehr innig. Der Schauplatz bleibt übersichtlich, Willow ist anfangs, bis auf den Besuch in der neuen Schule, oft alleine in der im Wald und entdeckt ihre Hexenkraft. Dieser Part, mit seiner wunderschönen Atmosphäre, den neuen Erfahrungen von Willow und ihre Liebe zur Natur, gefiel mir am besten. Die vielen Illustrationen im Buch könnten nicht besser gewählt sein. Wunderschön! Später kommt viel Spannung auf, und mit der Suche weiterer Hexenmädchen entsteht eine pfiffige Freundschaftsgeschichte. Das Buch hat Charme und sehr lustige Einlagen, mit denen das Lesen Spaß macht.

Etwas überrascht war ich von den vielen Themen und Szenen, die im Buch angeschnitten werden, dann aber teilweise einfach abbrechen. Ein deutlicherer roter Faden hätte mir besser gefallen. Ich kann mir jedoch vorstellen, dass junge Leser*innen durch die vielen Themenwechsel ans Buch gefesselt werden sollen.
Die Hexenkraft der Mädchen, das Hexen an sich, drückt sich weniger in Naturverbundenheit oder magischen Beiwerken aus. Es geht hier schon richtig deutlich und ausgeprägt zur Sache und ist nicht nur spielerisch umgesetzt. Hexensprüche, Rituale, Bannzauber, ein Hexenbuch - alles orientiert sich an alter Hexenmythologie. Für meinen Geschmack ging das manchmal sogar zu sehr ins Detail, bzw. wurden Fragen aufgeworfen (Mondphasen und -energie, Wiedererweckung), die ich in einem Kinderbuch nicht erwartet hätte.
Am Ende triumphieren Freundschaft und Zusammenhalt über die Gefahr. Willow und ihre Freundinnen sind sich einig, dass es das schönste Geschenk war, dass sie sich gefunden haben. Die Geschichte ist abgeschlossen, weitere Abenteuer der vier Hexenmädchen wären aber denkbar.

Damaris' Fazit ...
"Ein Mädchen namens Willow" bezaubert (oder verhext) alleine mit einem Blick auf und in das Buch. Wunderschöne Illustrationen passen hervorragend und könnten nicht besser umgesetzt sein. Die Gestaltung ist wirklich eine Augenweide. Die Geschichte ist sehr charmant-herzlich und voller humorvoller Besonderheiten. Außerdem spielt Freundschaft eine große Rolle. Sie ist jedoch, was das Thema des Hexens anbelangt, weniger spielerisch, dafür mehr ins Detail gehend. Junge Leser*innen werden das Buch kaum zur Seite legen können.


"Ein Mädchen namens Willow", Planet! 2020 - Hardcover, 256 Seiten - 13,00 € [D] - Text von Sabine Bohlmann - Illustrationen von Simona Ceccarelli - ab 10 Jahren