Samstag, 25. April 2020

[Kinderbuch] "Die Zuckermeister: Der magische Pakt" von Tanja Voosen

An Magie und echte Wunder glauben?
Für die Bewohner der Kleinstadt Belony selbstverständlich, nur Elina hält das alles für Unsinn. Bis ihrer nervigen Nachbarin Charlie eine Schokolade in die Hände fällt, die eine seltsame Wirkung hat. Plötzlich ist Elina sich sicher: Charlie wurde verzaubert! Hilfe bekommen die Mädchen ausgerechnet vom verschlossenen Robin. Er gehört zu einer Familie aus Süßigkeitenwerkern - Menschen mit der Fähigkeit, magische Süßigkeiten herzustellen, um anderen damit zu helfen. Und deshalb weiß er: Nur die geheimnisvollen Zuckermeister können Charlies Fluch umkehren. Mit einem Koffer voller magischer Süßigkeiten begeben sich die drei auf eine gefährliche Suche. Denn nicht jeder hält sich an den Pakt, die magischen Süßigkeiten nur zum Guten einzusetzen ... (Text-, Zitat- und Coverrechte: Arena Verlag)


Meine 10-jährige Tochter verschlingt ein Buch nach dem anderen. Das ist wunderbar! Ich konnte beobachten, dass sie gerne zu Büchern greift, die optisch besonders ansprechend sind. Das ist ja auch absolut legitim, besonders bei Kinderbüchern ist ein hübsches Äußeres also ein eindeutiger Vorteil. "Die Zuckermeister: Der magische Pakt" gehört zu den am schönsten gestalteten Kinderbüchern mit gold  und bunt glitzernden Details auf dem Einband und wunderschönen Illustrationen im Innenteil. Eindeutig wunderhübsch. Und nicht nur darum hatte Tanja Voosens neuestes Kinderbuch, ein Reihenstart, meine sofortige Aufmerksamkeit. Die Geschichte klang, ungeachtet des passenden Wortspiels, einfach zuckersüß und äußerst kreativ. Und das ist sie auch. "Der magische Pakt" ist ein echtes Lesevergnügen mit Charme und Humor, dazu spannend und liebevoll ausgeführt.

Ihr Opa überließ es Piet und Elina, die Kiste zu öffnen. Darin befanden sich ein zerlesenes Buch, mehrere vergilbte Fotos, einige Edelsteine und anderer Krimskrams.
"Die Sachen sehen echt alt aus", meinte Elina.
"Sind die besonders?" fragte Piet.
"An jeder davon hängen kostbare Erinnerungen. Für mich sind sie besonders und sogar magischer als alle Zaubertricks der Welt. Denn man trägt sie immer im Herzen."
- S. 9

Elina wohnt in Belony, einer Kleinstadt, in der schon immer die alte Legende über einen ganz besonderen Süßigkeitenladen erzählt wird. Ein Besuch dort wirkte wahre Wunder und Besucher wurden vom Geschmack der selbst hergestellten Schokolade regelrecht verzaubert. Doch den Laden gibt es schon lange nicht mehr, und so recht glaubt Elina nicht an die alten Geschichten. Stattdessen hätte sie gerne eine echte Freundin, denn in ihrem Alltag fühlt sich Elina oftmals ausgegrenzt. Diese Freundin findet sie ausgerechnet in Charlie, mit der sie bisher wirklich nicht viel am Hut hatte. Als Charlie dann eine seltsame Schokolade isst, die sie verflucht, scheint sich die Legende der Stadt doch zu bewahrheiten. Die Mädchen wollen dem Geheimnis auf die Spur kommen. Und Robin, ein etwas mürrischer, zurückgezogener Junge, weiss mehr darüber.

Die Idee, ein Buch über verzauberte Süssigkeiten zu schreiben, Süssigkeiten, die magische Fähigkeiten verleihen oder bei anderen bewirken, finde ich klasse. Und irgendwie stellte ich mir die Geschichte auch ganz einfach vor. Das ist sie aber bei weitem nicht, sondern ziemlich differenziert und recht komplex für ein Kinderbuch. Mir gefiel das gut, denn die Autorin gibt ihren Leser*innen Zeit, in die Story zu finden, weitet sie dann aber zu einem anspruchsvollen Unterfangen aus. Ich persönlich hätte mir noch mehr Informationen über die magischen Süssigkeiten gewünscht. Ein "Dabeisein" bei der Herstellung. Wie genau funktionieren sie? Denn es gibt Süssigkeiten, die wirken bei Personen, die sie selbst konsumieren, andere haben Auswirkungen auf umstehende Personen, auch wenn sie nicht von diesen gegessen werden. Vielleicht denken Kinder hier weniger kompliziert, ich selbst wäre der Sache gerne näher auf den Grund gegangen.

Die Handlung ist auf ein Ziel ausgelegt, eine Art Quest, die die Freunde Elina, Charlie und Robin bestreiten müssen. Und das ist wirklich aufregend und ganz schön spannend. Unterlegt ist das Ganze mit Humor und lustigen Szenen, viel Kreativität ... und mit Herzlichkeit. Vor allem Elina und Charlie sind total glücklich, dass sie sich als Freundinnen gefunden haben. Wie Elina so schön bemerkt: "Unser Talent ist Freundschaft." Das hat mich beim Lesen wirklich berührt. Hier geht es nicht um Konkurrenzdenken unter Kindern, sondern um eine wertschätzende Freundschaft mit Hilfsbereitschaft und auch Mut.
"Der magische Pakt" lässt sich als Einzelband lesen, weil dieses Abenteuer hier abgeschlossen wurde. Jedoch gibt es noch genug offene Türen, die die Geschichte fortführen können. Und das wird sie auch, schon bald. Ich bin gespannt auf weitere Die Zuckermeister-Abenteuer.

Damaris' Fazit ...
Nicht nur optisch ist "Die Zuckermeister: Der magische Pakt" bunt, glitzernd und zum Verschlingen schön. Genau so liest sich das Buch auch. Zwischen den Buchdeckeln können Kinder eine spannende, humorvolle und kreative Geschichte erleben. Neben vielen Rätseln und aufregenden Entdeckungen gibt es hier auch echte Freundschaft, deren Ausführung mir so gut gefiel, dass sie zu einem Markenzeichen der Buchreihe werden könnte. Genau wie die prächtigen Illustrationen. Bitte schnell einen zuckrigen Nachschlag, von allem!


"Die Zuckermeister: Der magische Pakt", Arena Verlag 2020 - Band 1 - Hardcover, 272 Seiten - 14,00 € [D] - Text von Tanja Voosen - Illustrationen von Viktoria Gavrilenko - ab 9 Jahren