Montag, 20. April 2020

[Bilderbuch] "Wolfskinder" von Svenja Herrmann

Vier kleine Wölfe wagen sich zum ersten Mal allein aus ihrem Bau, allen voran die mutige Anführerin. Die Nacht ist dunkel, aber voller neuer Düfte und Versprechungen. Im Laufe eines Tages erleben die Geschwister viele Abenteuer: Sie machen mit einem Igel Bekanntschaft, treffen auf ihr eigenes Spiegelbild und schlagen einen Jäger in die Flucht. Trotzdem sind sie am Ende glücklich und erleichtert, als die Mutter ihre Rufe beantwortet und sie in die Sicherheit ihres Baus zurückkehren können. (Text- und Coverrechte: NordSüd Verlag)


Anfang des Jahres, zumeist im Frühjahr, werden viele Tierkinder geboren. Manchmal alleine, manchmal in Gruppen, so wie das bei kleinen Wölfen der Fall ist. Gemeinsam lässt sich viel erleben, manchmal sogar ein Abenteuer, Erfahrungen sammeln und voneinander lernen. Und dann ist da noch die Wolfsmutter, die für ihre Kinder sorgt und ihnen Sicherheit gibt. Genau davon handelt "Wolfskinder". Es ist ein poetisches Bilderbuch über den Lauf der Natur, über das Wachsen und den Mut, der dafür benötigt wird.

In einer sternklaren Nacht erwacht die kleine Wölfin in ihrer Höhle, weil sie die Frühlingsluft in die Nase sticht. Sie fiept leise und weckt damit ihre Geschwister auf. Die Mutter ist auf der Jagd. Und so trauen sich die vier Wölfchen zum ersten Mal bis zur Öffnung der Höhle ... und sogar noch weiter, denn es geht für die Wolfskinder auf Entdeckungstour durch den Wald. Mut und Abenteuerlust sind geweckt. Aus der Nacht wird Tag. Was es hier alles zu sehen gibt! Nach einer Begegnung mit dem eigenen Spiegelbild im See, machen die Wölfchen die Bekanntschaft mit einem stacheligen Igel, der nicht zum Fressen taugt. Langsam meldet sich nämlich der Hunger. Nach einer kurzen und schreckhaften Begegnung mit dem Jäger, erwartet die vier die Sicherheit ihrer Höhle und ihre Mutter, bei der sich die kleinen Wölfe geborgen wissen und sich ausruhen können.

"Wolfskinder" ist ein sehr poetisch erzähltes Bilderbuch. Der Text von Svenja Herrmann wirkt gelassen und ruhig, der Tenor der Geschichte ist unaufgeregt, obwohl die kleinen Wölfe auf ihrer Entdeckungstour durch den Wald viel Spannendes und Aufregendes erleben. Während des Vorlesens stellt sich bei uns immer eine interessierte, jedoch sanfte oder geruhsame Stimmung ein, die nur kurzzeitig, beim Auftauchen des Jägers, mit einem Überraschungsmoment unterbrochen wird. Meine 5-jährige Tochter, und sogar die älter Schwester (10), mögen das Buch sehr gerne.

Józef Wilkońs Illustrationen sind kunstvoll, die verwendeten Farben erdig. Bei jedem Bild legt er die Gewichtung anders. Mal sind die kleinen Wolfskinder nur grob umrissen oder nur angedeutet, mal zeichnet er sie akzentuiert und fast schon lebensecht. Das fällt sogar den Kindern während des Vorlesens und Betrachtens auf. Das Bilderbuch erhält dadurch eine ganz eigene ästhetische Atmosphäre, die perfekt mit dem zugänglichen Text harmoniert.

Damaris' Fazit ...
"Wolfskinder" ist ein atmosphärisches und ansprechendes Bilderbuch, das uns besonders gut aufgrund der Kombination eines aparten Illustrationsstils mit einem literarischen Text gefällt. Hier trifft Kunst auf eine poetische Geschichte, was eine besondere Vorlesestimmung zur Folge hat. Es ist aber auch ein Buch über das Entdecken, Wachsen und über Mut. Die Geborgenheit, die eine Familie vermittelt, schließt "Wolfskinder" wunderschön ab. Eine sehr ausgesuchte Empfehlung!


"Wolfskinder", NordSüd Verlag 2020 - Hardcover, 40 Seiten - 15,00 € [D] - Format 25 x 25 cm - Text von Svenja Herrmann - Illustrationen von Józef Wilkoń - ab 4 Jahren