Samstag, 18. April 2020

[Bilderbuch] "Die kleine Motte, die davon träumte, anders zu sein" von Dully&Dax

Die staubige, kleine Motte hat nur einen einzigen Wunsch: sie möchte ein Schmetterling sein! Dafür erscheint ihr keine Anstrengung zu groß. Sie bemalt ihre Flügel mit bunten Mustern, saugt ekligen Blütennektar und trainiert hart für einen eleganten Flugstil. Ja, sie verzichtet sogar auf die nächtlichen Ausflüge, wie sie Motten so lieben, um tagsüber fit wie ein Schmetterling zu sein! Auf Dauer ist das ganz schön anstrengend. Erst als all ihre Versuche scheitern, und sie - zutiefst deprimiert - eine Fledermaus trifft, gerät sie ins Grübeln: denn die Fledermaus wäre nichts lieber als eine Blaumeise ... (Text- und Coverrechte: Knesebeck Verlag)


Das Bedürfnis nach Veränderung steckt in vielen Menschen, auch in Kindern. Unbewusst suchen wir uns Vorbilder, für die wir Bewunderung aufbringen und denen wir nacheifern. Und bereits in vielen Kindern reift der Wunsch, anders sein zu wollen. So wie jemand, den sie bewundern oder sehr schätzen. Das ist meiner Meinung nach auch nicht verwerflich, sondern völlig legitim. Jedoch ist jeder Mensch wertvoll, genau so, wie er ist. Keiner muss sich verbiegen oder anders sein wollen. Mit dieser Aussage machen wir Kinder stark und selbstbewusst. Und genau diese Nachricht vermittelt das Bilderbuch "Die kleine Motte, die davon träumte, anders zu sein" auf ganz reizende und niedliche Art und Weise.

Die kleine Motte wäre so gerne ein Schmetterling! Sie möchte ein buntes Kleid, statt ein graues. Und sie würde auch viel lieber leckeren Blütennektar trinken, anstatt alte muffig Wollsocken anzuknabbern (obwohl sie diese eigentlich besonders gerne mag). Und darum macht die kleine Motte alles, um dazuzugehören, obwohl ihr Flugstil flatterhaft ist und sie den Nektar mit einem Röhrchen trinken muss und ihr davon übel wird. Da begegnet der kleinen Motte eines Tages eine Fledermaus, die gerne eine Blaumeise sein möchte. Gemeinsam entdecken die beiden, dass es total blöd ist, Dinge vorzugeben, die gar nicht so sind. Und sie verstehen, dass es gut und richtig ist, eine kleine Motte und eine Fledermaus zu sein.

Ich habe noch nie ein Bilderbuch über eine Motte in der Hand gehabt, geschweige denn gesehen. Ich meine, eine Motte! Das sind doch die ungeliebten grauen Falter, die einem im Schrank winzige Löcher in die Pullis beißen. Mit diesem Umstand wird in "Die kleine Motte, die davon träumte, anders zu sein" auch liebevoll gespielt, und aus der Motte wird eine niedliche und liebenswerte kleine Heldin (oder auch ein Held), mit der sich Kinder gut identifizieren können.
Der Text ist auf manchen Seiten umfangreich für ein Bilderbuch, und ich empfand ihn als recht anspruchsvoll, zwecks einigen Ausdrücken und Wortspielen. Darum würde ich das Buch etwa ab 5 Jahren, bzw. für ältere Kindergartenkinder empfehlen. Die Aussage der Geschichte - Sei du selbst! Du bist gut, so wie du bist! - ist wunderbar und wird durch die allerliebsten, bunten Illustrationen sehr gut verdeutlicht. Man muss die kleine Motte einfach liebhaben.

Damaris' Fazit ...
Vorbilder zu haben ist gut und richtig. Jedoch muss sich niemand verbiegen, etwas vorgeben oder darstellen, das man eigentlich gar nicht ist. Das ist die Aussage von "Die kleine Motte, die davon träumte, anders zu sein". Du bist gut, so wie du bist! Diese Geschichte kann Kinder stärken und ihnen Selbstvertrauen geben, ist nebenbei aber auch pfiffig und lustig zu lesen. Dazu sind die Bilder, vor allem die kleine Motte, herzlich und wunderschön-niedlich anzuschauen. Ein Bilderbuch mit dieser kleinen Motte ist genau richtig.


"Die kleine Motte, die davon träumte, anders zu sein", Knesebeck Verlag 2020 - Hardcover, 32 Seiten - 13,00 € [D] - Format 20 x 25 cm - Text von Eva Dax - Illustrationen von Sabine Dully - ab 4 Jahren