Donnerstag, 23. April 2020

[Bilderbuch] "Albert will lesen" von Isabelle Arsenault

Bei Albert zu Hause ist es zu laut. Da kann er nicht in Ruhe lesen. Er flüchtet nach draußen und sucht sich ein gemütliches Plätzchen. Doch es trudelt ein Freund nach dem anderen ein und möchte mit Albert spielen. Irgendwann reißt Albert der Geduldsfaden, und er jagt alle weg. Doch die Freunde kommen langsam wieder zurück. Jeder mit einem Buch in der Hand. (Text- und Coverrechte: NordSüd Verlag)


Lesefans kennen die Situation: Da hat man sich gerade ein Buch geschnappt und es sich damit so richtig schön gemütlich gemacht ... und schon wird man gestört. Ein Familienmitglied will etwas wissen, haben oder tun. Irgendwo ist die Musik zu laut, und dann klingelt auch noch das Telefon. Schon jungen Kindern wird oftmals die Ruhe des Lesens vereitelt, erwachsene Leser*innen, zumindest mich, frustriert es ganz schön, wenn das Lesestündchen andauernd unterbrochen wird. "Albert will lesen" verdeutlicht genau dieses Situation - oftmals zum Schmunzeln und mit einem Augenzwinkern, jedoch auch nachfühlbar realistisch. Und das ist auch der Grund, warum mir dieses Bilderbuch sofort ans Herz gewachsen ist.

Weil Albert im Haus nicht lesen kann, es ist einfach zu laut, geht er mit seinem Buch nach draußen. Dort sucht er sich ein stilles Plätzchen hinter dem Gartenzaun, macht es sich gemütlich und stellt sich vor, er wäre ganz alleine und in völliger Leseruhe am Strand. Doch es dauert nicht lange und Albert wird gestört. Andere Kinder und Erwachsene kommen vorbei, fragen ihn, ob er mit ihnen gärtnert, stellen einen Kinderwagen - samt Kind und Katze - bei ihm ab oder beginnen in seiner Nähe Ball zu spielen. Albert will einfach nur lesen! Ihm wird es zu bunt, er klappt sein Buch zu und brüllt los. Damit jagt er alle davon. Endlich ist Ruhe, jedoch tut es Albert auch leid, seine Freunde weggeschickt zu haben. Plötzlich kehren sie alle zu ihm zurück ... jeder mit einem eigenen Buch in der Hand.

"Albert will lesen" ist im Stil eines Comics gestaltet. Bei den Farben überwiegen Schwarz- und Grautöne, die durch orange- und türkisfarbene Details ergänzt werden. Daraus resultiert ein ganz einzigartiger Stil, der wunderschön anzuschauen ist und anhand dessen man gut nachvollziehen kann, was gerade in der Geschichte passiert. Allerdings eignet sich das Bilderbuch durch die Comic-Aufmachung (Schlüsselszenen sind durch einen kurzen Text in Sprechblasen hervorgehoben) weniger zum Vorlesen. Mit meiner 5-jährigen Tochter schaue ich "Albert will lesen" an, lese ihr die Gedanken der Protagonisten vor, und ansonsten erzählen wir uns gegenseitig die Geschichte und das, was wir auf den Bildern sehen. Das funktioniert gut und meiner Tochter gefällt es.
Bei allem Frust von Albert, der nicht in Ruhe lesen kann, wird das Buch zu einem sehr schönen Ende gebracht, bei dem sich alle Freunde zum gemeinsamen Lesen versammeln. Das ist humorvoll und herzlich gelöst und schließt die Geschichte perfekt ab.

Damaris' Fazit ...
Viele große und kleine Leser*innen kennen die Situation, beim Lesen nicht ungestört zu sein, bzw. dieses andauernd unterbrechen zu müssen. Genau so geht es Albert, der eigentlich nur seinem liebsten Hobby frönen will, dabei aber ständig gestört wird. "Albert will lesen" ist ein vereinnahmendes Bilderbuch im Comicstil, dessen Stil und Gestaltung herausragen. Es ist humorvoll-augenzwinkernd, aber gleichzeitig auch sehr nachvollziehbar und realistisch umgesetzt. Außerdem handelt es von einer der schönsten Beschäftigung der Welt - dem Lesen. Für Lese- und Buchbegeisterte könnte es nicht besser passen.


"Albert will lesen", NordSüd Verlag 2020 - Hardcover, 48 Seiten - 15,00 € [D] - Format 22 x 28 cm - Text und Illustrationen von Isabelle Arsenault - Übersetzt von Anna Schaub - ab 4 Jahren