Samstag, 14. März 2020

[Kinderbuch] "Liebe Schwester: Briefe an meine kleine Nervensäge" von Alison McGhee

Große Geschwister kennen das Problem: Die Kleinen wollen überall dabei sein! Was macht man also, wenn man eine schrecklich nervige kleine Schwester hat? Ganz klar: Man lässt sie schriftlich wissen, wie furchtbar sie ist! New York Times Bestsellerautorin Alison McGhee hat diese wunderbare Hassliebe humorvoll und warmherzig in Szene gesetzt. Durch die Briefe des großen Bruders an seine kleine Schwester begleiten wir die beiden über die Jahre durch Höhen und Tiefen, kleine und große Abenteuer - den ersten Schultag, die feste Zahnspange oder den Umzug des besten Freundes. Und was mit der absoluten Ablehnung der kleinen Schwester beginnt, wandelt sich bis zum Auszug des großen Bruders in tiefe Zuneigung. Eine humorvolle Liebeserklärung an diese ganz besondere Beziehung, die Geschwister zueinander haben. (Text- und Coverrechte: Knesebeck Verlag)


"Liebe Schwester: Briefe an meine kleine Nervensäge" hat zuerst meine Tochter (10) gelesen. Es war ihr erster Briefroman, und sie kam mehrfach zu mir, um mir Stellen zu zeigen, die sie lustig fand und über die sie herzlich lachen musste. Viel zu schnell hatte sie es ausgelesen. Sie war überrascht, dass nur anhand von Briefen eine Geschichte erhält werden kann. Danach war ich dran. In Erwartung eines humorvollen und kurzweiligen Kinderbuches habe ich es aufgeschlagen. Das Thema des Buches ist das Band zwischen Geschwisters, an dem Liebe und Zuneigung ebenso entlangfließen, wie Streit und nervenzehrende Auseinandersetzungen. Diese Situationen kennen Kinder und Eltern. Und weil das so gut nachvollziehbar ist, ist das Buch praktisch für alle Altersgruppen geeignet, auch wenn es wahrscheinlich mit unterschiedlicher Gewichtung gelesen wird (gut so!). Und ja, es ist lustig und ein bisschen selbstironisch. Ich hatte aber keine Ahnung, welche warmherzige und liebevolle Geschichte sich in diesem Briefroman verbirgt.

Ein Junge, wir kennen seinen Namen nicht, schreibt Briefe und kleine Notizen an seine jüngere Schwester, die hier ebenfalls namenlos ist. Die Briefe beginnen mit "Liebe Schwester" und enden mit "Von Bruder". Schließlich ist sich der Junge mit acht Jahren noch nicht sicher, ob er diese schreiende Nervensäge überhaupt lieb hat. (Ich darf hier vorwegnehmen, dass sich das im Laufe des Buches langsam und auf sehr rührend-fesselnde Art und Weise ändern wird.) Über mehrere Jahre geht das so, ab Geburt der Schwester, bis zum Auszug des Bruders. Dem Jungen geht viel im Kopf herum. Oftmals ist er genervt oder fühlt sich zurückgesetzt, und manchmal ist er auch überrascht, wie sich Gegebenheiten und Gefühle ändern können. Und vielleicht schreibt er am Ende ja wirklich an eine Schwester, die er aus vollem Herzen lieb hat.

Aus den Briefen, Bildern und Textschnipseln, die der Junge an seine Schwester schreibt, entsteht eine Geschichte, die eine Zeitspanne von zehn Jahren umfasst. Natürlich nur grob umrissen, aber doch so akzentuiert, dass Leser*innen hautnah mitbekommen, wie sich die Beziehung zwischen Bruder und Schwester verändert. Vieles ist dann dem Alter/Reife zuzuschreiben, anderes Erfahrungen und Erlebnissen. Ich hätte es nicht gedacht, aber das ist so herzbewegend und berührend erzählt, vor allem auch am Ende, dass ich das Buch mit einem dicken Klos im Hals zugeklappt habe. Die Illustrationen zu den Texten sind witzig und gefühlvoll zugleich. Sie passen perfekt zum Thema und Ausdruck des Buches, und ich könnte mir keine besseren dafür vorstellen.

Damaris' Fazit ...
Viele Kinderbücher berühren mein Herz. "Liebe Schwester: Briefe an meine kleine Nervensäge" ist das in besonderem Maße gelungen. Das Thema, die Verbindung zwischen Geschwistern, wird in Form eines Briefromans wiedergegeben und ist für große und kleine Leser*innen nachvollziehbar. Meine Tochter empfand das Buch als herrlich lustig und niedlich, auch aufgrund der idealen Illustrationen. Mir erging es ebenso, und zusätzlich war ich überrascht, wie liebevoll und herzergreifend gefühlvoll es umgesetzt wurde. Am Ende ganz besonders stark. Eine große Empfehlung dafür von uns!


"Liebe Schwester: Briefe an meine kleine Nervensäge", Knesebeck Verlag 2020 - Hardcover, 192 Seiten - 14,00 € [D] - Text von Alison McGhee - Illustrationen von Joe Bluhm - Übersetzt von Kathrin Köller - ab 8 Jahren