Donnerstag, 5. März 2020

[Bilderbuch] "Zitronenkind" von Nele Brönner

Die Zitronen am Baum sind reif und alle bester Laune. Nur das eine Zitronenkind Toni bleibt grün. Es hat seinen eigenen Kopf. Die Sicht vom Zitronenbaum aus genügt Toni. Wer will schon in die Welt hinaus? Aber dann hängt er ganz allein am Baum. Wird Toni den Sprung wagen? Ja, er tut es, und sein Mut wird belohnt.
Nele Brönner erzählt mit viel Humor eine Geschichte über das Wachsen und Reifen. Mit prägnantem Strich verleiht sie dem Zitronenkind seinen besonderen Charme. (Text- und Coverrechte: NordSüd Verlag)


"Zitronenkind" gehört zu den nicht alltäglichen Bilderbüchern, den besonderen. Thematisch nicht mal unbedingt, Kinderbücher übers Anderssein und Mut gibt es einige, dafür aber in Gestaltung und Ausführung. Ich habe bisher noch kein Kinderbuch in der Hand gehalten, in dem eine (grüne) Zitrone die Hauptrolle spielt. Und das ist wirklich spritzig-erfreulich.
Anders zu sein oder anders sein zu wollen ist legitim und verdient Respekt und Toleranz. Es gehört nämlich ganz schön viel Mut dazu, auch mal gegen der Strom zu schwimmen, den eigenen Weg zu gehen. Genau das erlebt Zitronenkind Toni. Und er erfährt, dass er für seine Entscheidungen einstehen kann, dass es für ihn einen Platz im Leben gibt.

In diesem Jahr trägt der Zitronenbaum besonders viele Früchte. Das macht ihn sehr stolz. Die Stimmung unter den kleinen Zitronen ist gut, denn sobald die Sonne scheint, werden sie nicht nur reif, sie freuen sich richtig auf das Gelbwerden und das Leben, das damit einhergeht. Sie möchten vom Baum hüpfen oder fallen, um von den Menschen eingesammelt und gebraucht zu werden. Nur Zitronenkind Toni ist genervt und eher sauer. Er möchte genau so bleiben wie er ist, nämlich grün und seidig. Als alle seine Geschwister vom Baum gehüpft sind, und ihre Bestimmung gefunden haben, beginnt Toni seine Entscheidung zu hinterfragen und sich Sorgen zu machen. Doch als Toni sich dann festlegt, findet auch er einen Weg, um glücklich zu sein.

Das Bilderbuch zeigt sehr deutlich, dass es für ein Leben unterschiedliche Möglichkeiten gibt. Vorne und hinten im Buch sind viele, viele Zitronenarten verbildlicht und Dinge, die aus Zitronen gemacht werden können. Das ist ein schöner Einstieg (und ein schönes Ende). Wir lieben die Geschichte, samt den humorvollen Zitronen-Unterhaltungen und den sauer-lustigen Anspielungen auf die Eigenschaften von Zitrusfrüchten. Der Text ist gut verständlich, umso besser, je öfter "Zitronenkind" vorgelesen wird, und hat manchmal eine poetische Nuance.
Nele Brönners Illustrationen suchen ihresgleichen. Sie sind speziell und spaßig anzuschauen, sehr faszinierend in ihrer Ausführung. Gemeinsam mit der Geschichte hinterlässt dieses Bilderbuch ein Gefühl der Einzigartigkeit, sicherlich ein Alleinstellungsmerkmal heutzutage. Sehr schön!

Damaris' Fazit ....
"Zitronenkind" gehört zu diesen besonderen Bilderbüchern, die Kindern und Vorlesenden mit jedem Mal mehr ans Herz wachsen. Das Thema Anderssein und Mut anhand einer kleinen (und sehr sauren) grünen Zitrone aufzugreifen, und die Geschichte lustig und poetisch zugleich zu erzählen, ist wohl noch nie dagewesen. Die Gestaltung ist wirklich einzigartig, sattsehen kann man sich daran nicht. Ein zitronig-faszinierendes Bilderbuch!


"Zitronenkind", NordSüd Verlag 2020 - Hardcover, 32 Seiten - 15,00 € [D] - Format 22 x 28 cm - Text und Illustrationen von Nele Brönner - ab 4 Jahren