Mittwoch, 7. August 2019

[Bilderbuch] "Plötzlich war ein Wuckel da" von Utricha Marmon

Ida ist arm dran. Ihre Eltern haben nämlich ein Wuckel angeschleppt. Und dieses Wuckel spuckt. Es hat eine grässliche Glatze. Und brüllt Tag und Nacht. Kurzum: Das Wuckel hat sich eingenistet, und alles dreht sich nur noch um das neue Familienmitglied. Aber dann merkt Ida, dass ein Wuckel doch für etwas gut ist. Man kann ihm nämlich ziemlich gut die Schuld in die Schuhe schieben. Eine Schlammparty in der Küche? Das Wuckel war’s! Und die Wasserfarbe an der Wand? Sowas fällt nur einem Wuckel ein. Selbst schuld also, wenn man sowas anschafft. Oder ist ein Wuckel doch gar kein so schlimmes Ding? (Text- und Coverrechte: Magellan Verlag)


Kommt zu einer bestehenden Familie ein Baby hinzu, ist das ein Grund zur Freude. Aber es ändert sich auch vieles. Vor allem die älteren Geschwister müssen sich an die neue Situation gewöhnen und viel verarbeiten, viel akzeptieren und ihre Rolle neu zuordnen. In "Plötzlich war ein Wuckel da" wird dieses Thema lustig, ein bisschen augenzwinkernd und sehr liebevoll aufgegriffen. Denn am Ende erkennt auch Ida, dass so ein Wuckel zwar so manches durcheinanderwirbelt, es aber trotzdem wunderbar ist, dass das Wuckel da ist.

Ida wird überhaupt nicht gefragt. Plötzlich, eines Morgens, ist ein Wuckel im Wohnzimmer. Und jetzt soll sie auch noch Hallo sagen?! Es scheint so, als würde das Wuckel jetzt für immer dableiben. Ida ist das gar nicht recht. Kuschelig und hübsch ist das Wuckel nämlich nicht, eher hässlich ... und es stinkt. Mama und Papa haben auch nichts anderes mehr zu tun, als sich um das neue Familienmitglied zu kümmern. Zum Glück hat Ida die Idee für ganz schön viel Wirbel zu sorgen und dann zu sagen: Das Wuckel war's! Doch irgendwann lachen Ida und das Wuckel gemeinsam und Ida bemerkt, das es zusammen gar nicht mal so schlecht ist.

Die Bilder zur Geschichte sind herrlich schön, sie wirken ein bisschen wie ein Zeichentrick-Film oder ein Comic. Sie verdeutlichen Idas Gefühle perfekt und haben gleichzeitig eine ansprechende Zuhause- und Familienatmosphäre. Außerdem empfinde ich sie, alleine und in Kombination mit der Geschichte, als sehr lustig. Unsere jüngste Tochter (4), ist beim Anschauen jedes Mal fasziniert und stellt viele Fragen zu Ida und dem neuen Baby (bzw. meint sie, dass das Baby tatsächlich "Wuckel" heißt). Der Text wird in Reimform erzählt, dabei aber recht frei interpretiert. Dadurch kann man, muss man aber nicht, die Geschichte in einem gewissen Rhythmus vorlesen. Das macht Kindern besonders viel Spaß. Obwohl das Thema Familienzuwachs bei uns nicht mehr aktuell ist, übt "Plötzlich war ein Wuckel da" eine große Anziehungskraft aus.

Damaris' Fazit ...
Wenn die Familie Zuwachs bekommt, ist das wunderbar. Für Geschwisterkinder ändert sich aber auch ganz schön viel. "Plötzlich war ein Wuckel da" greift dieses Thema auf lustig-liebevolle und augenzwinkernde Art und Weise auf, bringt den Gefühlen der kleinen Protagonistin aber auch ein großes Maß an Wertschätzung entgegen. Der Stil des Bilderbuchs, die einzigartigen Bilder, passen perfekt dazu. Wir finden es toll!


"Plötzlich war ein Wuckel da", Magellan Verlag 2019 - Hardcover, 32 Seiten - 14,00 € [D] - Format 22 x 29 cm - Text von Utricha Marmon - Illustrationen von Anne-Kathrin Behl - ab 3 Jahren