Dienstag, 2. Oktober 2018

[Kinderbuch] "Die Tornadojäger" von Ross Montgomery

Tornado-Alarm im Städtchen Barrow, dem Heimatort von Owen und seinen vier Freunden, den unerschrockenen Tornadojägern! Barrow ist anders als andere Orte. Immerzu droht die Gefahr eines Tornados, und die Erwachsenen sind in heller Aufregung. Der 11-jährige Owen muss ständig einen Helm tragen, weil seine Eltern solche Angst um ihn haben. Er darf nicht auf Bäume klettern und soll immer pünktlich zu Hause sein. Owen macht da nicht mehr mit. Zusammen mit vier Freunden will er dem Beispiel seiner Großeltern folgen, die berühmte Tornadojäger waren. Sie wollen dem Sturm ins Auge sehen, allen erwachsenen Ängsten und Kontrollzwängen zum Trotz. Denn ein Leben ohne Abenteuer ist doch kein Leben, oder? (Text-, Cover- und Zitatrechte: Carl Hanser Verlag)


Alleine die Buchbeschreibung kling schon etwas verrückt. Ein Ort, dem immerzu heftige Stürme drohen, ist plausibel. Eine Kindergruppe jedoch, die diese jagen wollen? Für mich war alleine das die Garantie für ein aufregendes, lustiges und tolles Leseerlebnis. Ich empfand das Buch als besonders und positiv-abgedreht. Bis auf das Ende; da wurde es dann ganz still und nachdenklich in mir.

Barrow ist ein Ort der Sicherheit. Das Dorf umgibt eine Schutzmauer aus Tornadofallen, die die gefährlichen Stürme von Kindern und Erwachsenen fernhalten sollen. Vor allem für Kinder gelten strenge Regeln. So gilt ab Nachmittags eine Ausgangssperre, und von der Schule darf ein Kind nur in Begleitung nach Hause gehen. Wer nicht spurt kommt ins Jugendbezirksgefängnis (!). Und genau darum sind Owens Eltern auch nach Barrow gezogen. Sie wollen den größtmöglichen Schutz für ihren Sohn (der zu seinem Leidwesen die ganze Zeit über einen Helm tragen muss - schließlich könnte er schlimm stürzen und sich verletzten). Doch Owen findet Freunde, und gemeinsam lehnen sich sich auf gegen die Regeln und Gesetze von Barrow. Sie wollen einen Tornado fangen!

Zugegeben, die ganze Geschichte klingt irgendwie sonderbar und skurril. Und genau so liest sich das Buch auch. Ein bisschen unwirklich, sogar leicht dystopisch, und trotzdem mit viel Humor und Spannung. Gerade das gefiel mir super. Für mich war auch klar, dass der Autor unsere Gesellschaft (Eltern) voller Regeln, Verboten und Fremdbestimmung bewusst aufs Korn nimmt und die Situation überspitzt. Was Anfangs noch ziemlich lustig beginnt, wird irgendwann im Verlauf der Handlung zu einem ernsten Fall für Owen und seine Freunde. Es kommen Dinge ans Licht, mit denen sie nicht wirklich gerechnet hatten.

Die anderen schauten mich mit großen Augen an.
"Ich will das nicht", sagte ich. "Nicht mehr. Ich habe es satt, mich zu fürchten." Ich wandte mich wieder dem Höhleneingang zu. "Ich werde jetzt herausfinden, wovor sie alle solche Angst haben."
- S. 227

Das Buch ist wunderbar geschrieben. So spritzig, dass man ständig mitfiebert, und dann wieder so gefühlvoll und nachdenklich stimmend, dass es lange nachwirkt. Außerdem baut der Autor eine Wendung ein, die unerwartet kommt und vieles in ein anderes Licht rückt. Für junge Leser könnte diese allerdings etwas schwierig zu verstehen sein.
Am Ende ist das Buch dann nicht mehr lustig. Im Gegenteil. Es wird dramatisch, eigentümlich und tiefgründig. Erwartet hätte ich das nicht, und normalerweise mag ich gerade so etwas bei Geschichten sehr gerne. Persönlich hätte ich es mir hier jedoch anders gewünscht. Warum nur musste die Geschichte so enden? Ich hatte lange daran zu knabbern.

Damaris' Fazit ...
Der Angst ins Gesicht zu blicken, eigene Entscheidungen zu treffen und füreinander einzustehen - das ist wohl die Botschaft des Kinderbuches "Die Tornadojäger". Verdeutlicht wird das Ganze auf sehr humorvolle, aber auch etwas skurrile Art. Stürmisch eben. Der Handlungsort, ja, die komplette Geschichte ist wirklich ungewöhnlich und packend. Die Wirkung, die das Buch am Ende hat, ist nicht zu unterschätzen. Um mich wurde es windstill und ruhig. Es hat mich noch lange beschäftigt. Unbedingt anschauen!


"Die Tornadojäger", Carl Hanser Verlag 2018 - Hardcover, 228 Seiten - 15,00 € [D] - Text von Ross Montgomery - Illustrationen von Daniela Kohl - Übersetzt von André Mumot - ab 10 Jahren