SO KLAPPT DAS VORLESEN

Tipps - So macht das Vorlesen Kindern und Eltern Spaß


Beim Vorlesen kann man gar nicht viel falsch machen. Das Wichtigste ist, dass man überhaupt vorliest! Dennoch habe ich hier einige Tipps zusammengestellt, die das Vorlesen auf Seiten der Eltern - steht natürlich für alle Erziehungsberechtigten und Vormunde - und Kinder erleichtern:

1.

Ans Vorlesen müssen sich oft beide Seiten gewöhnen. Mache dich frei von dem Anspruch, dass es von Anfang an harmonisch, konzentriert und zappelfrei klappt. Hat man dem Kind von klein auf viel vorgelesen, entfällt die Gewöhnungsphase. Kinder, die selten oder nie ein Buch vorgelesen bekommen, müssen das Zuhören erst "lernen".

2.

Der Spaß kommt mit der Regelmäßigkeit. Liest man nur ab und zu ein Buch zusammen, ist das (vor allem für die Eltern) oft mühsam. Hier macht Übung wirklich den Meister. Sobald man sieht, wie freudig das Kind auf dieses Ritual reagiert, kommt der Spaß von ganz alleine.

3.

Entscheide Kind-orientiert, fange klein und einfach an und halte dich an die Altersangabe bei Kinder- und Bilderbüchern. Ist ein Buch für das Kind schwierig zu verstehen, kann es sich schlecht konzentrieren. Es zappelt beim Vorlesen herum und lässt sich leicht ablenken. Du merkst das daran, dass das Kind mit den Gedanken nicht beim Buch ist, sondern in der Gegend herumschaut oder sich nebenher mit etwas anderem beschäftigt.

4. 

Fällt dir auf, dass dein Kind sich bei Bilderbüchern nur schwer konzentrieren kann, enthält die Geschichte vielleicht zu viel Text. Manchmal ist weniger/ein kürzerer Text vorteilhafter. Die Balance zwischen Bild- und Textverhältnis sollte dem Alter des Kindes angepasst sein. Ist das Buch zu schwierig oder umfangreich, stelle es für eine Weile ins Regal zurück und probiere es in ein paar Wochen/Monaten erneut (oder erzähle die Geschichte in eigenen Worten).

5.

Lies nicht zu schnell vor. Passe die Geschwindigkeit an das Vermögen des Kindes an. Es ist für beide Seiten nicht vorteilhaft, wenn beim Vorlesen "gerannt" wird. Das Kind wird der Geschichte nicht folgen können, hat keinen Spaß und schaltet eher ab oder fragt viel nach. Für erwachsene Vorleser ist es nicht befriedigend, wenn das Buch mit dem Vorsatz, es schnell hinter sich zu bringen, vorgelesen wird.

6.

Du möchtest, dass das Kind völlig in der Geschichte versinkt? Dass es die Bilder erlebt wie ein Film? Die richtige Betonung und Akzentuierung macht Geschichten für Kinder unvergesslich. Gebe den Bilder- oder Kinderbuchcharakteren unterschiedliche Stimmen. Das ist zuerst komisch, macht dann aber besonders viel Spaß, z.B.:

  • tief für den Vater, Bären, Direktor, ... 
  • normal für die Mutter, Oma, Königin, ... 
  • piepsig für Kind, Zwerg, Küken, ...
  • weinerlich/nörgelnd/schimpfend/gütig/drohend, usw., wenn die Situation im Buch es erfordert
  • ...

Passe die Lautstärke und das Tempo der Situation in der Geschichte an, z.B.:

  • lauter und schneller bei brausendem Sturm, ...
  • normal bei regulärer Unterhaltung, ...
  • leise/flüsternd bei geflüsterter Kommunikation, ...
  • schneller und leiser bei sehr spannenden/geheimnisvollen Szenen, ...
  • ...

Geübte Vorleser passen die Betonung und Akzentuierung automatisch an. Die Reaktionen und das Mitfiebern der Kinder sind unbezahlbar.

7.

Beantworte Fragen, die dein/das Kind während oder nach der Geschichte hat. Du kannst das Kind allerdings auch darauf hinweisen, dass du ihm nach dem Beenden des Buches seine Frage erklärst. Vor allem, wenn mehrere Kinder mitlesen/zuhören, kann eine ständige Unterbrechung auch stören.

8.

Achte auf die Befindlichkeiten deines/des Kindes. Ist das Buch dem Kind eventuell zu spannend, kann es das sehr deutlich mit Angst oder Unruhe zeigen. Dann ist es für die Erlebnisse in der Geschichte wahrscheinlich noch zu jung. Warte mit diesem Buch, bis das Kind älter oder reifer ist. Gleichzeitig können zu einfache Geschichten geübte Kinder unterfordern. Wähle in diesem Fall ein anspruchsvolleres Buch.

9.

Bittet dich dein Kind, ihm etwas vorzulesen, nimm jede Gelegenheit war. Ihr werdet beide von der Nähe, der Gemeinschaft und dem Spaß profitieren. Unlust verschwindet bei einem eingespielten Vorleser-Zuhörer-Team komplett. Natürlich kannst/musst du sinnvolle Grenzen setzen ("Noch dieses Buch, dann suchen wir uns wieder etwas anderes zum Spielen", "Wir können erst nach der Mittagspause, dem Besuch, dem Einkaufen, usw., vorlesen"). Halte dich an Später-Versprechen, wenn du nicht sofort vorlesen kannst, auch wenn es scheint, dass das Kind die Bitte vergessen hat.


Ich freue mich über persönliche Tipps, die ich dann gerne hier ergänze. Schreibe mir dazu doch eine E-Mail ....