Donnerstag, 30. März 2017

[Bilderbuch] "Eddy, der Elefant, der lieber klein bleiben wollte" von Hans Traxler

Eddy ist der Jüngste in der Herde, deshalb darf er auf Tante Adele reiten und auf Mamas Rüssel in die Schlammgrube rutschen. Seit er weiß, dass Wilderer großen Elefanten die Stoßzähne abschneiden, möchte Eddy am liebsten nie erwachsen werden. Eddys Brüder können darüber nur lachen. Doch als Eddy eines Tages verschwunden ist, machen auch sie sich Sorgen. Kann er allein in der Wildnis überleben? Zum Glück landet Eddy in einer Elefantenstation. Bis er aber seine Herde wiedersieht, braucht er viel Hilfe - und vor allem den Mut, ein Großer zu werden. (Text- und Coverrechte: Carl Hanser Verlag)


Oh, wie ist dieses Bilderbücher süß! Sobald man die ersten Seiten aufschlägt, sind das die wesentlichen Gedanken, die einem in den Kopf schießen. Dabei steckt in "Eddy, der Elefant, der lieber klein bleiben wollte" so viel mehr. Eine große Portion ehrlicher Realismus, viel Spannung und auch überraschend Wunderliches.

Hans Traxlers Illustrationen stechen hervor. Sie haben etwas Spezielles, eine eigenen Ausdruckskraft, die ich als maßgeblich für Bilderbücher empfinde. Und wenn der kleine Elefant Eddy mit seiner Herde, der Elefantenfamilie, durch die Steppe läuft, dann nehme ich das dem Bild ab, als wäre es eine Tierdokumentation. Obwohl sie gezeichnet sind, lehnen sich die Bilder stark an der Realität an. So auch die Farben. In der Steppe ist alles in pastellfarbenen Rot- und Gelbtönen gehalten. Später, als Eddy in die Zivilisation der Elefantenstation kommen, werden die Bilder bunter voller. Auf jeder Seite gibt es zusätzliche realistische Dinge zu entdecken (z.B. Löwen, die sich im Gras verstecken oder Tiere, die vor einem Fahrzeug davonlaufen), die die Geschichte begleiten und bereichern. Kinder, die noch nicht lesen können, oder denen das Buch gerade nicht vorgelesen wird, werden alleine durch die großformatigen Bilder in der Geschichte versinken.

Die Geschichte selbst ist mit 44 Seiten für ein Bilderbuch umfangreich. Jedoch sind Text und Sprache dem Verständnis jüngerer Kinder angepasst, die nebenbei noch eine ganze Menge an Informationen über Elefanten und ihr Leben bekommen. Hier scheut sich der Autor auch nicht vor einem ernsteren Thema, wie dem der Wilderer, die es auf die Stoßzähne von Elefanten abgesehen haben. Ist die Geschichte anfangs noch sehr realistisch, wird sie im Mittelteil richtig spannend, was dann humorvoll, augenzwinkernd und leicht phantastisch aufgelöst wird. Ganz wunderbar! Eddy, der kleine Elefant, ist ein sehr vereinnahmender Bilderbuchcharakter und dabei so niedlich, dass große und kleine Leser (und Vorleser) ihn einfach lieb haben müssen.

Damaris findet ...
das Gesamtpaket von "Eddy, der Elefant, der lieber klein bleiben wollte" einfach herrlich! Neben dem kleinen Eddy, der so entzückend ist, dass einem das Herz aufgeht, hat das Bilderbuch alles, was für mich richtungsweisend ist. Die Geschichte ist umfangreich aber kindgerecht und lädt durch die schönen Bilder zum langen Verweilen ein. Sie vermittelt Wissen, ist spannend und humorvoll und bekommt gegen Ende noch eine schönes Maß an Phantastik. Und zum Schluss hat Eddy dann vielleicht auch den Mut gefasst, um irgendwann einmal groß zu werden.


Carl Hanser Verlag 2017 - Hardcover, 44 Seiten - 16,00 € [D] - Format 25 x 33 cm - Text und Illustrationen von Hans Traxler - ab 4 Jahren

Mittwoch, 22. März 2017

[Bilderbuch] "Der Regenbogenfisch lernt verlieren" von Marcus Pfister

© Cover NordSüd Verlag
Der Regenbogenfisch fühlt sich im Glitzerschwarm sehr wohl. Sogar eine neue Freundin ist zum Schwarm dazugekommen. Das Fischmädchen Rotflosse schlägt vor Verstecken zu spielen und alle sind begeistert. Nur läuft es für den Regenbogenfisch diesmal nicht so gut wie sonst. Zuerst findet er keinen der anderen Fische, dann wird sein eigenes Versteck auch noch sofort entdeckt. So macht ihm das keinen Spaß. Früher hat er doch immer gewonnen! Ein guter Verlierer zu sein ist gar nicht einfach.


Im Jahr 2017 feiert der Regenbogenfisch ein großes Jubiläum. 25 Jahre gibt es die Bücher rund um den kleinen Glitzerfisch schon! Mich selbst begleitete das erste Buch "Der Regenbogenfisch" bereits durch meine Ausbildung zur Erzieherin, weitere Geschichten lernte ich zusammen mit meinen Kindern kennen. Bis dato sind sieben Bilderbuchabenteuer mit dem Regenbogenfisch erschienen, dazu noch einige Begleit- und Lernbücher. Es ist zwar schön, wenn man das erste Buch kennt, aber im Prinzip kann jede Geschichte unabhängig von den anderen gelesen werden. "Der Regenbogenfisch lernt verlieren" ist das neueste Abenteuer.

In den Büchern über den Regenbogenfisch kann man in jeder individuellen Geschichte ein gemeinsames Thema entdecken - Werte. Hier werden Dinge angesprochen, die ein zufriedenes Miteinander vermitteln, die Kinder bewegen und zu ihrem Alltag gehören. Es geht ums Teilen, Hilfsbereitschaft, Angstgefühle, Streit oder, im neuen Buch, das Verlierenlernen.

In einer einfachen und gut verständlichen Sprache erleben Kinder eine Geschichte, die gewiss jedes von ihnen so, oder so ähnlich, schon kennt: Ein Gruppenspiel. Hier spielen die Fische Verstecken, und der Regenbogenfisch ist mal nicht der Beste von allen. Er findet die anderen Fische nicht, wird aber selbst sehr schnell entdeckt. Wie frustrierend! Der Regenbogenfisch ist eingeschnappt und boykottiert das Spiel. Zum Glück hat er eine gute Freundin, die ihm nahelegt, dass man im Leben nicht immer nur gewinnen kann. Es ist zwar nicht leicht, kein Spielverderber zu sein, aber sehr fair der Gruppe und Einzelnen gegenüber, wenn man sich auch mit anderen Gewinnern freuen kann.

Obwohl die Geschichte bewusst einfach strukturiert ist, ist sie spannend und gefühlvoll geschrieben. Es ist sehr gut nachvollziehbar, wie sich der Regenbogenfisch, aber auch seine Freunde, fühlen. Kinder verstehen die Botschaft hinter der Geschichte. Die farbenfrohen Bilder im Aquarellstil passen einfach hervorragend zur Unterwasserwelt, sind wunderschön anzusehen, und sind beispielhaft für alle Bücher mit dem Regenbogenfisch.

Damaris schätzt ...
die klaren Strukturen und die Vermittlung der Grundwerte eines positiven Miteinanders, die die Abenteuer des Regenbogenfischs beinhalten. "Der Regenbogenfisch lernt verlieren" zeigt Kindern anhand einer bekannten Situation, dass man im Leben nicht immer nun gewinnt und wie man seinen Freunden gegenüber trotzdem fair bleiben kann. Die Geschichte ist sehr gut verständlich und macht Kindern großen Spaß. Die Bilder sind, wie immer, herrlich anzusehen. Ein tolles Regenbogenfisch-Abenteuer!


NordSüd Verlag 2017 - Band 7 - Hardcover, 32 Seiten - 16,00 € [D] - Format 22 x 29 cm - Text und Illustrationen von Marcus Pfister - ab 4 Jahren

Montag, 20. März 2017

[Kinderbuch] "Zeitreise mit Hamster" von Ross Welford

"Hätte mich früher einer gefragt, ich hätte gesagt, dass eine Zeitmaschine vermutlich wie ein U-Boot aussieht. Oder vielleicht wie eine Rakete. Stattdessen schaue ich jetzt auf einen Laptop und eine Zinkwanne aus dem Gartencenter. Das ist Dads Zeitmaschine. Und sie wird die Welt verändern. Na ja, auf jeden Fall meine."

Al Chaudhury hat eine unglaubliche Chance. Er kann das Leben seines verstorbenen Vaters retten. Das Einzige, was er dafür tun muss: in das Jahr 1984 zurückreisen, um einen schicksalsvollen Gokart-Unfall zu verhindern ... (Text-, Cover- und Zitatrechte: Coppenrath Verlag)


Was für ein tolles Thema! Ein Junge hat die Möglichkeit das Schicksal zu beeinflussen, vielleicht sogar zu ändern. Und zwar so, wie er es sich sehnlichst wünscht. Aber ist es immer erstrebenswert nach den eigenen Wünschen zu handeln? Ohne Rücksicht auf Verluste? Ross Welford hat einen Roman geschrieben, der einen Jungen zum Helden seines Schicksals macht. Der aber auch nahelegt, dass das Leben ein Geschenk ist, dass man es annehmen soll, wie es ist und sich an den Erinnerungen erfreuen soll. Denn Dinge ändern sich nunmal.

Als Al ein kleiner Junger war ist sein Vater gestorben. Nun lebt er mit seiner Mutter, ihrem neuen Mann und seiner Stiefschwester zusammen. Eine ganz besondere Beziehung hat Al zu seinem Grandpa Byron, einem sehr originellen und klugen Mann, der weit mehr versteht als man meint und hinter so manche Fassade blicken kann. Grandpa Byron akzeptiert Al wie er ist, pflegt mit ihm liebevolle Rituale und nimmt sich seiner an. Denn einen richtigen Freund hat Al nicht, eckt durch seine zurückgezogenen Art eher an. Was er nicht weiß; sein Vater hat zu Lebzeiten an einer Zeitmaschine geforscht. An seinem zwölften Geburtstag bekommt Al nicht nur einen Hamster geschenkt, sondern auch einen Brief von seinem Dad. Damit hat er die Möglichkeit, das Schicksal zu ändern. Doch das ist einfacher gesagt als getan.

"Das Leben ist ein wunderbares Geschenk, Al. Wir sollten jeden Moment genießen und uns an den Erinnerungen erfreuen. Denn Menschen verändern sich. Orte verändern sich. Alles verändert sich, außer die Erinnerungen. Nimm das Leben so an, wie es ist, Al. Das ist der Schlüssel zum Glück." - S. 30

"Zeitreise mit Hamster" hat mich durch einen ganz eigenen Ausdruck abgeholt. Ich war sehr davon angetan und habe das Buch verschlungen. Die Geschichte ist originell, witzig und klug. Das Zeitreiseelement wird spannend dargestellt, gar nicht so technisch wie es auf den ersten Blick scheint. Vielmehr ist es aufregend und auch turbulent-unvorhersehbar. Die Situation von Al berührte mein Herz, besonders, weil er es ist, der die Geschichte erzählt und seine Gefühle direkt beim Leser ankommen. Es war eine Freude zu sehen, wie er über sich hinauswächst und sich seiner Verantwortung stellt.

Lange Zeit ging ich davon aus, dass die alleinige Aussage des Buches lautet, dass man das Leben so annehmen soll, wie es ist. Dass es gar nicht so ratsam ist, das Schicksal zu verändern. Folglich hatte ich einen anderen Ausgang der Geschichte erwartet ... und wurde hier sehr überrascht. Für jüngere Leser ist das Ende jedoch schön, und manchmal dürfen Wünsche auch ruhig wahr werden, nicht war? Kinder und erwachsenen Leser können von "Zeitreise mit Hamster" nur profitieren und sich ganz eigene Erkenntnisse aus der Geschichte ziehen.

Damaris sagt ...
Ich habe "Zeitreise mit Hamster" verschlungen. Die Geschichte ist äußerst klug und kreativ-einzigartig wiedergegeben. Die Charaktere wachsen während der spannenden Handlung sehr ans Herz, ganz besonders, weil sie so originell dargestellt sind. Am Ende klang das Buch noch lange bei mir nach. Vielleicht gerade deshalb, weil ich einen anderen Ausgang erwartet hatte. Kinder und erwachsene Leser werde sich ihre eigenen Gedanken zum Buch machen. Lesen!


Coppenrath Verlag 2017 - Hardcover mit farbigem Buchschnitt, 368 Seiten - 14,95 € [D] - Übersetzt von Petra Knese - ab 10 Jahren

Freitag, 17. März 2017

[Kinderbuch] "Frieda Kratzbürste und ich" von Rüdiger Bertram

Frieda Kratzbürste, die traut sich was! Anna ist sieben und manchmal ein bisschen schüchtern. Als sie von Marie zum Kindergeburtstag eingeladen wird, weiß sie nicht recht, ob sie sich freuen soll. Frieda, Annas Stoffpuppe, ist sich hingegen absolut sicher: Geburtstage sind super! Denn Frieda hat vor gar nichts Angst, sie ist selbstbewusst, aufmüpfig und vorlaut. Da ist es manchmal ganz gut, dass nur Anna hören kann, was Frieda den lieben langen Tag so von sich gibt. (Text- und Coverrechte: Oetinger Verlag)


Kinderbücher über Mut und Selbstvertrauen kann man gar nicht genug haben. Besonders, wenn ein Buch diese Themen mit so viel Spaß aufgreift wie bei "Frieda Kratzbüste und ich". Außerdem ist meinen Tochter genau im passenden Alter, und so haben wir es uns mit dem Buch bei einem gemeinsamen Vorlesenachmittag gemütlich gemacht. Ganz ruhig hat sie zugehört - interessiert, mitfühlend und oftmals erstaunt-kichernd.

Es geht um einen Kindergeburtstag, eine Situation die jedes Kind kennt. Doch anstatt sich über die Einladung zu freuen, bekommt Anna bei dem Gedanken hinzugehen Bauchgrummeln. Denn was, wenn keiner mit ihr spielen will? Anna ist schüchtern, ihr machen Situationen, die normalerweise für Begeisterung sorgen, oftmals ein bisschen Angst. Zum Glück hat Anna Frieda, ein hässliches Ding aus Plüsch, aber für Anna die schönste Puppe auf der Welt. Frieda spricht mit ihr, aber nur Anna kann sie hören. Frieda ist nicht aufmunternd und nett zuredend, sie ist eine richtige Kratzbürste: Vorlaut, frech und total witzig. Und wahrscheinlich es es genau das, was Anna Mut macht und ihr Selbstvertrauen schenkt.

Zugegeben, die Bilder und Illustrationen treffen nicht komplett meinen persönlichen Geschmack. Kinder sind zum Glück, im Gegensatz zu Erwachsenen, nicht wertend. Die Geschichte zählt, die Bilder unterstützen die Handlung. Heribert Schulmeyers Bilder sind sehr aussagekräftig. Obwohl sie einfach wirken, stecken sie voller Emotionen. Annas Ängste und Sorgen sind vollständig nachvollziehbar. Das fiel mir sofort an der Reaktion meiner Tochter auf. Jedoch bringt Kratzbüste Frieda bringt so viel Schwung und Witz in die Geschichte, dass sie gar nicht anderes konnte, als in jedem Kapitel zu lachen. Wir haben das Buch mit einem zufriedenen Gefühl beendet.

Damaris ...
findet "Frieda Kratzbürste und ich" ein empfehlenswertes Kinderbuch über Mut und Selbstvertrauen (ganz besonders gut geeignet für schüchterne Mädchen). Die unsichere Anna und das frech-lustige Energiebündel Frieda sind ein tolles Gespann und vermitteln, wenn auch auf eine etwas unkonventionelle Art und Weise, eine mutmachende Botschaft. Die Geschichte ist sehr einprägsam, steckt aber aber voller Humor und Kichermomente. Zum Vorlesen und Selberlesen für junge Grundschulkinder.

mini 2 - Die Träumerin (7) ...
ist vollkommen in die Geschichte versunken. Die Situation konnte sie gut nachempfinden. Sie hat sehr mit Anna mitgefühlt und war über Friedas Witz und aufmüpfige Art anfangs vorsichtiger, später offensichtlicher amüsiert.


Oetinger Verlag 2017 - Hardcover, 96 Seiten - 12,00 € [D] - Bilder von Heribert Schulmeyer - ab 6 Jahren

Mittwoch, 15. März 2017

[Sachbuch] "Hai Ahoi!: Alles von Ammenhai bis Zebrahai" von Owen Davey

Dieses Buch erkundet die unterschiedlichsten Haie unserer Erde - vom winzigen Zwerg-Laternenhai zum riesigen Weißen Hai. Die wunderbaren Illustrationen von Owen Davey zeigen Haie, ihre Eigenarten und ihre typischen Verhaltensweisen. Viele wissenswerte und humorvolle Fakten erklären, was Haie ausmacht, wie sie leben, warum sie vom Menschen zu Unrecht so gefürchtet werden und wieso sie so bedroht sind. Für alle, die schon immer wissen wollten, was diese großen Räuber der Meere so besonders macht! (Text- und Coverrechte: Knesebeck Verlag)


Sachbilderbücher sind eine wertvolle Bereicherung fürs Kinderbuchregal. Für kleine Kinder gibt es viel zu sehen und zu entdecken, größere Kinder können sich bereits anhand der Texte informieren und spielerisch Wissen erlangen. "Hai Ahoi!: Alles von Ammenhai bis Zebrahai" thematisiert das Leben dieser besonderen und faszinierenden Meeresbewohner (zu den nicht wenige Menschen ein etwas zwiegespaltenes Verhältnis haben). Mich persönlich begeistert das Buch alleine aufgrund des Gestaltung, für unsere zwei ältesten Kinder ist es ein dauerhafter Begleiter geworden.

Der Inhalt von "Hai Ahoi!" gleicht dem eines Kinderlexikons. Es ist keine kleine Rubik, wie zum Beispiel innerhalb eines Tierlexikons, sondern eine Sammlung umfangreichen Wissens über die verschiedensten Haiarten. Neben der Definition "Was sind Haie?" erfahren Kinder alles über Lebensraum, Ernährung und Sozialleben. Aber auch die Frage ob Haie gefährlich sind wird beantwortet, ebenso die Gefährdung dieser Tierart durch den Menschen.
Kinder sind sehr angetan von diesen Informationen, aber vor allem auch von den tollen Bildern, die z.B. Größenvergleiche, Anatomie der Haie oder die Meeresumgebung zeigen.

Autor und Illustrator Owen Davey hat die ganze Optik des Buches in Retro gehalten. Die Farben sind gedeckt in Blau-, Grün- und Brauntönen, die Illustrationen versprühen den Charme der 60er und 70er Jahre. Dabei wirken sie aber natürlich und echt, nicht verfremdet oder kindlich. Die hochwertige und besondere Gestaltung des Buches ist genau mein Ding und absolut spitze.
"Hai Ahoi!" liegt meist in unmittelbarer Griffweite unseres Sohnes (9), der immer und immer wieder völlig gebannt die einzelnen Kapitel liest - zwischenzeitlich auch nicht mehr in Reihenfolge, sondern rein nach Lust und Interesse. Unsere Tochter (7) übt damit das Selberlesen.

Damaris findet ...
dass "Hai Ahoi!" ein absolutes Wow-Sachbilderbuch ist! Hier stimmen Optik und Inhalt. Die Informationen über Haie sind so interessant, dass das Buch bei uns im Dauereinsatz ist. Die Gestaltung und Farbgebung im Retro-Stil sind wirklichkeitsnah und eine Freude fürs Auge. Für wissenshungrige Kinder und erwachsene Liebhaber hochwertiger Bilderbücher ein Muss!


Knesebeck Verlag 2017 - Hardcover, 40 Seiten - 14,95 € [D] - Format 23 x 29 cm - Text und Illustrationen von Owen Davey - Übersetzt von Susanne Schmidt-Wussow - ab 6 Jahren

Sonntag, 12. März 2017

[Bilderbuch] "Anleitung zum Ungezogensein" von Sophie Schmid

Regeln sind dazu da, um befolgt zu werden - von wegen! Dieses Buch ist ein Plädoyer, selbstbewusst seinen Kopf zu gebrauchen, wohlmeinende Lebensregeln individuell und situationsbezogen zu hinterfragen und ihnen mit einer guten Portion Fantasie und Kreativität, mit Sinn und Verstand zu begegnen.
Ein Buch, das inhaltlich und gestalterisch keiner Norm entspricht - mit einem Augenzwinkern erzählt für alle kleinen und großen Regelbrecher dieser Welt. (Text- und Coverrechte: Coppenrath Verlag)


Wer kennt sie nicht, Sprüche wie Ordnung ist das halbe Leben! oder Mit dem Essen spielt man nicht! Besteht das ganze Leben nur aus Regeln, die unbedingt eingehalten werden müssen? Keinesfalls. Kinder sind keine Maschinen, die ihr Leben in eine enge Form pressen können. Genau das wird mit dem Bilderbuch "Anleitung zum Ungezogensein" deutlich. Das Thema ist augenzwinkernd und mit viel Humor umgesetzt. Es spricht damit auch Erwachsene an.

Am Anfang des Buches sieht man zwei Erwachsene, wahrscheinlich Eltern, die vor einer großen Kinderschar stehen und gestenreich erklären: "Regeln sind dazu da, befolgt zu werden!" Damit entlockten sie mir schon mal ein Grinsen und schauten gleichzeitig in die vielen fragenden Gesichter der umstehenden Kinder (und in das eines Hundes, der ignorant die Nase rümpft). Ich selbst bin ein Befürworter von Regeln, jedoch nicht durch Bestimmung, sondern durch die Vermittlung von Werten und sehe mich selbst als Vorbildcharakter für meine Kinder. Darum war mir sofort klar, dass "Anleitung zum Ungezogensein" nicht als Doktrin verstanden werden soll. Es ist ein humorvolles Buch, dass dafür steht, den eigenen Kopf zu gebrauchen, individuell und fantasievoll zu sein und Dinge zu hinterfragen.

Die Illustrationen sind auf eine humorvolle Art lebensnah. Kinder werden sich darin wiedererkennen, Erwachsene müssen beim Betrachten die ganze Zeit lächeln. Jede Doppelseite ist nach links ausklappbar. Das hat einen ganz besonderen Sinn. Auf der ersten Seite steht immer eine wohlbekannte Lebensregel, z.B. Ordnung ist das halbe Leben. Die wird von Kindern durch einen flotten Spruch beantwortet oder "verschönert" - Also schau, dass du die andere Hälfte geniesst! Unter der aufgeklappten Seite befindet sich nun eine herrliche Szenerie, wie die Kinder ihre Antwort umsetzen. In diesem Fall mit einem riesigen Kissenlager, das in einen Abenteuerspielplatz verwandelt wird.
Das Buch endet mit einem schönen Miteinander zwischen Erwachsenen und Kinder und der Erkenntnis, dass es zum Glück von jeder Regel auch Ausnahmen gibt.

Damaris denkt ...
dass Kinderbücher, die auf den ersten Blick provokant erscheinen, dazu beitragen können, die eigene Sicht zu hinterfragen oder das Leben nicht ganz so ernst zu nehmen. Im Fall von "Anleitung zum Ungezogensein" ist das auf eine humorvolle und kreative Art äußerst gut gelungen: Sei fantasievoll, gebrauche deinen eigenen Kopf und hinterfrage Dinge. Das Bilderbuch ist sehr pfiffig und hat eine tolle Aussage am Ende. Kinder und Erwachsene können beim Betrachten gemeinsam lachen.


Coppenrath Verlag 2017 - Hardcover, 36 Seiten - 13,99 € [D] - Format 18 x 31 cm - Text und Illustrationen von Sophie Schmid - ab 3 Jahren

Donnerstag, 2. März 2017

[Kinderbuch] "Club der Heldinnen: Entführung im Internat" von Nina Weger

Juhu, es geht los! Das neue Schuljahr auf dem Matilda Imperatrix, dem Internat für Mädchen mit außerordentlichen Fähigkeiten! Flo und Pina beratschlagen schon, wie sie die Geländespiele gewinnen und die beiden Oberzicken Cilly und Lilly abhängen. Doch dann kommt der große Schreck: Flos kleine Schwester Charly verschwindet spurlos! Flo verdächtigt sofort die Neue in ihrem Zimmer. War doch klar, dass diese Blanca ein dunkles Geheimnis verbirgt! Aber bald merken Flo und Pina, dass sie Charly nur mit Blancas Hilfe retten können. Denn gemeinsam sind die drei wirklich heldenhaft! (Text- und Coverrechte: Oetinger Verlag)


"Club der Heldinnen" ist eine neue Kinderbuchreihe für Mädchen. Eine Internatsgeschichte, bei der ich überzeugt bin, dass sie bei jungen Leserinnen gut ankommen wird. Die erste Geschichte, "Entführung im Internat" ist pfiffig und spannend. Mit den Figuren können sich Mädchen gut identifizieren, ganz im Sinne des Reihentitels. Die Aufmachung des Buches ist sehr ansprechend, und als toller Bonus sind dem Buch vier Club-Ausweise beigelegt. Wenn das nicht dazu animiert, einen eigenen Freundinnen-Club zu gründen ...

Das Internat Matilda Imperatrix ist eine Schule für Mädchen. Aber keine normale Schule. Einzig für Mädchen mit besonderen Fähigkeiten, mit denen sie dazu beitragen können, eines Tages die Welt zu verbessern. Damit sind keine Superheldenkräfte gemeint, sondern Talente fürs Spurenlesen, Erstellung von Rettungsplänen, angehende Astronautinnen oder Technikspezialistinnen. Das Internat wirkt mit seinen Sporteinrichtungen, Stallungen, dem Planetarium, usw. schon etwas elitär und damit sehr anziehend für die Zielgruppe.
Flo und Pina sind beste Freundinnen, Fünftklässlerinnen, und teilen sich ein Zimmer. Während Flo einen perfekte Planerin ist, die einer alten Ritterfamilie entstammt, sind Pinas Vorfahren Indianer. Sie erkennt jede Spur. Beides ist natürlich hilfreich, als Flos kleine Schwester Charly verschwindet. Außerdem kommt eine neue Mitschülerin zu Flo und Pina ins Zimmer. Blanca reagiert immer sehr komisch und hat definitiv etwas zu verbergen, sie bringt ein großes Geheimnis mit. Hier gefiel mir besonders gut, dass Flo und Pina das neue Mädchen als Komplizin gewinnen wollen, anstatt gegen sie zu reden. Gemeinsam rutschen die drei Freundinnen in ein großes Abenteuer.

Die Geschichte hat so viele anziehende Details, dass das Lesen zu einem abenteuerlichen Erlebnis wird. Da sind natürlich die schlauen und pfiffigen Mädchen, es gibt sogar Pferde, eine Wette und eine echte Schatzsuche. Pinas Indianerweisheiten sind wirklich originell und humorvoll. Die Mädchen bilden ein tolles Team und die Suche nach Charly hat etwas von einer Detektivgeschichte. Am Ende wird dieses Abenteuer abgeschlossen, aber mit den augenzwinkernden Hinweis, dass es mit den drei sympathischen Heldinnen weitergeht.

Damaris findet ...
dass "Club der Heldinnen: Entführung im Internat" ein toller Reihenstart für junge Mädchen ist. Die Internatsgeschichte lebt von Zusammenhalt und Freundschaft und natürlich der originell-elitären Schule, mit vielen Details, die das Lesen ganz besonders anziehend machen. Die sympathischen Heldinnen bereichern mit ihren schlauen Fähigkeiten die Geschichte. Mit viel Witz und Pfiff ist das Buch ein Pageturner, dem hoffentlich bald das nächste Abenteuer folgt.


Oetinger Verlag 2017 - Band 1 - Hardcover, 224 Seiten - 12,00 € [D] - Illustrationen und Vignetten von Nina Dulleck - ab 9 Jahren