Dienstag, 19. September 2017

[Kinderbuch] "Keine Angst vor Stinktieren" von Elana K. Arnold

Bat liebt Tiere über alles. Darum ist er auch so begeistert, als seine Mutter ein Tierbaby mit nach Hause bringt. Allerdings handelt es sich bei dem Kleinen nicht um einen Welpen oder ein Kätzchen – es ist ein Stinktier!
Trotzdem schließt Bat den neuen Mitbewohner sofort ins Herz. Und er denkt sich einen Plan aus, damit sein schwarz-weißer Freund bei ihm bleiben darf: Wenn ein echter Stinktierexperte erklären würde, dass Bats Zuhause der beste Platz für den Kleinen ist, dann kann seine Mutter nicht Nein sagen. Oder? (Text- und Coverrechte: Carlsen Verlag)


Welches Kind würde dieses Buch nicht sofort ins Herz schließen? Ein Junge, der sich um kümmert ein Babystinktier kümmert, ist einfach ein grandioses Thema. Das ist genau die Art von Geschichten, die Kinder gerne hören oder lesen. Geschichten über Tiere gibt es viele, nicht aber über Stinktiere. Das macht "Keine Angst vor Stinktieren" von vornherein zu etwas Besonderem. Wie besonders die Geschichte dann tatsächlich ist, konnten wir vor dem Lesen allerdings noch nicht erahnen. Wir wurden sehr überrascht.

Für den Jungen Bat (genau, wie Fledermaus auf Englisch) gerät seine geordnete Welt ganz schön aus den Fugen, als seine Mama ein Stinktierbaby mit nach Hause bringt. Es ist noch so klein, dass es andauernder Pflege bedarf. Zum Glück ist Bats Mama Tierärztin und vertraut ihrem Sohn die Pflege des besonderen Tieres an. Doch die gemeinsame Zeit ist nicht von Dauer. Sobald das Stinktier alt genug ist, soll es in eine Tierstation wechseln, um von dort ausgewildert zu werden. Bat möchte das unbedingt verhindern. Aber wie soll er seine Mama, die sich bestens auskennt, davon überzeugen, dass er noch länger für das Stinktier sorgen kann?

Schaut man sich die grob umrissene Handlung an, dann geht man automatisch davon aus, dass das Stinktierbaby fast die alleinige Hauptrolle im Buch spielt (gemeinsam mit Bat natürlich, aber eben doch die thematisch wichtigste Rolle). Dem ist aber nicht so, denn eigentlich geht es hier um den Jungen und seine Familie. Bat geht auf eine "seinen Bedürfnissen angepasste" Schule. Er ist hochintelligent, hat ganz eigene, spezielle Interessen und liebt feste Tagesabläufe und Strukturen. Dafür fällt ihm soziales Verständnis und Interaktion mit anderen Menschen/Kindern schwer. Es wird im Buch zwar mit keinem Wort erwähnt, jedoch kann man bei ihm vom Asperger-Syndrom ausgehen.

Kinder müssen das aber auch gar nicht wissen. Bat ist einfach anders. Wie liebevoll seine Familie, und auch seine Betreuer, damit umgehen, und wie sie Bats Eigenheiten zu nehmen wissen, ihm Verantwortung übertragen und ihn wertschätzen, das hat mich während des Vorlesens stark beeindruckt. Und genau davon profitiert auch Bat, seine Art zu handeln und die Welt zu sehen ist sehr famos. Auch meine Tochter (8) war völlig in die Geschichte versunken. Sie hat sofort gemerkt, dass Bat ein einzigartiger kleiner Held ist. Und das Stinktierbaby? Das kommt in der Geschichte natürlich auch sehr häufig vor.

Damaris' Fazit ...
"Keine Angst vor Stinktieren" ist ein Kinderbuch, das eine völlig andere Gewichtung hat als erwartet und zu einer wertvollen und liebenswerten Geschichte für junge Leser und Zuhörer wird. Bat, ein sehr besonderer Junge, bekommt ein Stinktierbaby zur Pflege anvertraut, obwohl er anders ist als die meisten Kinder. Vertrauen, Wertschätzung und liebevolle Zuwendung sind nicht abhängig von der Person oder ihren Eigenheiten. Das erfahren Kinder hier ganz direkt. Zudem hat die Geschichte einen sehr gefühlvollen Humor und eine natürliche Achtsamkeit, die beeindruckt. Unbedingt merken!


Carlsen Verlag 2017 - Hardcover, 144 Seiten - 10,99 € [D] - Mit Illustrationen von Maja Bohn - Übersetzt von Sylke Hachmeister - ab 8 Jahren

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