Mittwoch, 14. Juni 2017

[Kinderbuch] "Mein Freund Pax" von Sara Pennypacker

Peter hat den Fuchswelpen Pax vor dem sicheren Tod gerettet und aufgezogen – seitdem sind die beiden unzertrennlich. Peter und Pax verstehen sich ohne Worte, und nur zusammen fühlen sie sich ganz. Aber dann kommt der Krieg und reißt die beiden auseinander. Zwischen ihnen liegen Hunderte von Kilometern und warten tausend Gefahren, doch von ihrer Sehnsucht getrieben, kennen die beiden nur einen Gedanken: den anderen wiederzufinden ... (Text-, Cover- und Zitatreche: FISCHER Sauerländer)


Freundschaftsgeschichten zwischen Kindern und Tieren kennt fast jeder, egal ob als Film oder als Buch. In "Mein Freund Pax" geht es um Peter und seinen zahmen Fuchs Pax. Die beiden verbindet eine tiefe Freundschaft und Zuneigung. Trotzdem werden sie unfreiwillig getrennt. Doch manche Freundschaften überstehen sogar Hunderte von Kilometern.
Man ahnt es schon, das Buch trifft mitten ins Herz. Auf eine sehr einfühlsame und fast poetische Art erzählt die Autorin eine Geschichte, in der ein Junge und ein Fuchs über sich hinauswachsen.

Die Geschichte beginnt damit, dass Peter seinen Fuchs aussetzen muss. Sein Vater zieht in den Krieg, Peter soll beim Großvater leben. Dort ist für Pax kein Platz. Für Peter ist die Situation kaum zu ertragen. Zu spät realisiert er, dass es nicht richtig war, sich den Plänen seines Vater ohne Widerspruch zu fügen. Er möchte die Dinge in Ordnung bringen, mehrere Hundert Kilometer wandern, und Pax zurückholen. Doch das ist einfach gesagt als getan.

Nein, nein, Pax würde am Straßenrand warten, genau da, wo sie ihn zurückgelassen hatten. Er würde Hunger haben, sicher, und auch verängstigt sein, aber davon abgesehen würde es ihm gutgehen. Peter würde ihn mit nach Hause nehmen, und da würden sie dann bleiben. Sollten sie doch versuchen, ihn noch einmal von dort wegzubringen. Nein, dieses Mal tat er das Richtige.
Pax und er. Unzertrennlich.
- S. 29

Abwechselnd werden die Erlebnisse aus der Sicht von Peter und von Pax erzählt. Beide versuchen sich wiederzufinden - Pax, indem er auf Peter wartet - und beiden werden dabei viele Steine in den Weg gelegt. Vor allem bei Peter konnte ich mir bald nicht mehr vorstellen, dass er es schafft, den langen Weg zu gehen. Unerwartet bekommt er Hilfe, von der nicht nur er profitiert. Hier hat Autorin Sara Pennypacker eine wunderbare Geschichte in die Geschichte geschrieben. Ich war von den Ereignissen mehrmals sehr gerührt.

Auf eine bestimmte Zeitepoche kann ich mich bei "Mein Freund Pax" nicht festlegen. Bei dem Krieg, der im Land herrscht, der aber nicht auf alle Menschen Auswirkungen zu haben scheint, könnte es sich um Anfang/Mitte des 20. Jahrhunderts handeln, er könnte aber ebenso heute stattfinden. Kindern ist es sicherlich egal, wann die Geschichte spielt. Ich selbst hätte mir mehr Klarheit gewünscht. Einige Szenen sind erschreckend deutlich beschrieben, andere bleiben vage und waren mir damit zu ungenau. Man muss sie, weil sie alle aus Pax' Sicht wiedergegeben werden, so sehen, wie ein Tier sie sehen und verstehen würde. Die Handlung beeinflusst das nicht. Sie hat mich betroffen gemacht und beeindruckt, war manchmal ganz still und dann wieder erschreckend laut.

Überrascht hat mich auch das Ende. Nach den ganzen Ereignissen kommt es schnell und ist weit weniger spektakulär als erwartet, vielleicht auch nicht ganz so, wie es sich mancher Leser wünschen wird. Für mich (und Pax!) war es aber das einzig richtige Ende.

Damaris' Fazit ...
"Mein Freund Pax" ist ein bewegendes Buch, nicht nur für Kinder sondern ebenso für erwachsene Leser. Die Geschichte hat etwas Ergreifendes und wird lange im Gedächtnis bleiben. Der kindlichen Freundschaft zwischen Peter und seinem Fuchs Pax, wird durch die Umstände eine Reife abverlangt, die beeindruckt und sehr zu Herzen geht. Jeder der beiden wächst auf seine Art über sich hinaus. Unbedingt lesen.


FISCHER Sauerländer 2017 - Hardcover mit Schutzumschlag, 304 Seiten - 16,99 € [D] - Übersetzt von Birgitt Kollmann - Illustrationen von Jon Klassen - ab 10 Jahren

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