Montag, 15. Mai 2017

[Bilderbuch] "Als Mama nur noch traurig war: Wenn ein Elternteil an Depression erkrankt" von Anja Möbest

Jan ist fünf Jahre alt, als die Grummelgrame kommen. Mamas Grummelgrame. Sie sind furchtbar mies gelaunt. Alles finden sie schlecht, und sie reden so lange auf Mama ein, bis die ihnen glaubt. Ganz grau ist ihre Welt dadurch geworden. Sie lacht kaum noch, mag nichts mehr unternehmen und alles wird ihr zu viel - selbst Jan! Jan ist ganz elend deswegen. Er fühlt sich allein und furchtbar hilflos: Ist er womöglich schuld daran, dass es Mama so schlecht geht ...? (Text- und Coverrechte: Coppenrath Verlag)


Manchmal entstehen im Leben von Kindern Situationen, mit denen sie nicht umzugehen wissen. Das muss nicht immer unmittelbar mir ihnen selbst zu tun haben, sondern kann auch Menschen im direkten Umfeld betreffen, z.B. ihre Eltern. Ein Elternteil, das an einer Depression erkrankt, ist so eine Situation. Kinder dürfen damit nicht alleine gelassen werden, brauchen besonderen Zuspruch und Aufmerksamkeit. Doch was tun? Vor allem, wenn die Bezugsperson in diesem Fall nicht uneingeschränkt auf das Kind zugehen kann? Ein Bilderbuch kann eine gute Möglichkeit sein, ein Kind an der Hand zu nehmen, ihm die Krankheit zu erklären und Verständnis zu wecken. Das ist der Zweck von "Als Mama nur noch traurig war".

Die Geschichte beginnt mit der aktuellen Situation des 5-jährigen Jan. Ihm fällt auf, dass seine Mama sich plötzlich anders verhält. Sie ist traurig, immer müde, hört Jan nicht mehr zu und vergisst viele Dinge. Es werden dann Situationen beschreiben, die für Jan immer schwerer zu verstehen sind, ihm sogar am Ende das Gefühl geben, dass seine Mama ihn vielleicht gar nicht mehr lieb hat. Die Familie holt sich Hilfe bei einem Therapeuten, der Jan erklärt, was mit seiner Mama los ist und dass es Wege gibt, ihr zu helfen. Am Ende kann sich Jan sicher sein, dass seine Mama ihn, trotz Depression, immer lieb haben wird.

Ich selbst bin keine Expertin auf dem Gebiet einer Depressionserkrankung, ja nicht mal direkt betroffen, doch wage ich zu beurteilen, dass die Situationen im Buch realistisch, und, ganz wichtig, sehr kindgerecht dargestellt wurden. Ebenso ist der Text für junge Kinder gut verständlich, und die Illustrationen zeigen bei aller Traurigkeit und Dramatik auch viel Freundlichkeit und Ermutigung. Besonders die Arbeit des Psychotherapeuten, der sich Jan als "Seelenklempner" vorstellt, wird sehr einleuchtend erklärt.
Am Ende des Bilderbuches stehen hilfreiche Praxistipps von Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapeutin Ina Knocks, inklusive Hilfestellen, an die sich Betroffene wenden können.

Damaris ...
"Als Mama nur noch traurig war: Wenn ein Elternteil an Depression erkrankt" ist kein einfaches, aber ein wichtiges Buch. Mir persönlich tat der kleine Jan, dessen Mama eine Depression hat, sehr leid, weil die Situation ihn völlig überfordert. Zum Glück werden er und seine Mama nicht alleine gelassen und können Hilfe bekommen. Die Bilder strahlen viel Freundlichkeit aus, der Text ist perfekt für junge Kinder. Damit weckt das Bilderbuch Verständnis und klärt auf. Darum empfinde ich es als richtig - vor allem für betroffene Familien.


Coppenrath Verlag 2017 - Hardcover mit Leinenrücken, 32 Seiten - 14,95 € [D] - Format 23 x 27 cm - Illustrationen (mit drei Verwandelklappen) von Barbara Korthues - Mit Praxistipps von Ina Knocks - ab 4 Jahren

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