Donnerstag, 18. Mai 2017

[Kinderbuch] "Drachenalarm auf meinem Teller" von Tom Nicoll

Kleiner Drache, große Schwierigkeiten! Als Eric einen winzigen Drachen in seinem Essen findet, denkt er erst, es wäre ein Spielzeug. Aber Ping, der Mini-Drache, ist quicklebendig. Er kann sogar sprechen. Und er bringt Eric in jede Menge Schwierigkeiten. Weil Pings Leibspeise Bergziege gerade nicht verfügbar ist, macht er sich über die müffelige Dreckwäsche her. Und verhält sich auch sonst ziemlich auffällig! Wie soll Eric da bloß sein Mini-Drachen-Geheimnis bewahren? (Text-, Cover- und Zitatrechte: arsEdition)


"Drachenalarm auf meinem Teller" ist das erste Kinderbuch des Autors Tom Nicoll. Und weil ich gerne Kinderbücher lese, und weil alleine das Cover eine spaßige Geschichte verspricht, freute ich mich auf eine schöne Kinderbuch-Schmökerzeit. Doch ich hatte nicht mit meinem 9-jährigen Sohn gerechnet, der mir das Buch sogleich aus der Hand riss. Nun gut, damit hatte er das Lesevorrecht und ich musste mich hinten anstellen. Nachdem wir beide die Geschichte beendet hatten, waren wir uns aber völlig einig: "Drachenalarm auf meinem Teller" ist eine überaus humorvolle und liebeswerte Geschichte. Und spaßig noch dazu!

Weil es in Erics Familie etwas zu feiern gibt (Erics Dad ist ein Fußballtrainer, dessen Mannschaft tatsächlich mal ein Tor geschossen hat, ein Eigentor zwar, aber das zählt genauso!), bestellen sie chinesisches Essen. Sie bekommen sogar noch Sojasprossen umsonst dazu. Und genau in diesen Sojasprossen findet Eric einen kleinen Spielzeugdrachen - das nimmt er jedenfalls an -, bis der vermeintlich Spielzeugdrache plötzlich zu reden beginnt.

Ganz langsam ließ ich das Comicheft sinken und blickte zum Ende meines Bettes.
Dort saß der Spielzeugdrache aus der Sojasprossen-Box und las mit seinen drachenartigen Krallen in einem Captain-Bin-Man-Comic. (Glückskeksnachricht: "Dein Leben wird sich schon bald verändern.")
Zwei Dinge wurden mir klar:
Der Spielzeugdrache war gar kein Spielzeug.
Und wer auch immer bei 'Panda Pavillon' für die Glückskekse zuständig war, hatte sich diesmal richtig ins Zeug gelegt.
- S. 23

Ab nun wirbelt Ping, der Mini-Drache, Erics Leben ganz schön durcheinander. Und das so lustig, turbulent und einfach reizend, dass das Lesen eine wahre Freude ist. Das Ganze wird noch dadurch verschärft, dass Eric den Drachen als Geheimnis bewahren will. Ein fast unmögliches Unterfangen, verdeutlicht durch viel Situationskomik und witzige Vorkommnisse. Zudem ist Erics Familie herrlich schräg und trotzdem fühlt man sich dort gut aufgehoben.

Die Textgröße ist an die Zielgruppe angepasst, die Sprache des Buches ist heiter und gut zu verstehen. Kinder können sich mit Eric identifizieren, weil er die Geschichte erzählt. Besonders viel Spaß machen den jungen Lesern die viele Illustrationen, Zeichnungen und lustigen Listen, die im Buch zu finden sind. Ich habe meinen Sohn mehrfach beim Vorblättern ertappt, als er sich die Bilder anschaute. Er konnte nicht erwarten zu erfahren, wie es weiterging. "Drachenalarm auf meinem Teller" ist eine abgeschlossene Geschichte. Bis jetzt sind noch zwei weitere Abenteuer mit Eric und Mini-Drache Ping erschienen.

Damaris und mini 1 - Der Schelm (9) ...
hatten unheimlich viel Spaß beim Lesen von "Drachenalarm auf meinem Teller". Was das lustige Cover verspricht, wird in der Geschichte ebenso fortgesetzt. Das Buch ist herrlich witzig, voller Situationskomik und Humor. Dazu liebevoll schräg mit vielen tollen Illustrationen und Besonderheiten. Wir haben Eric und Mini-Drache Ping sofort in unser Herz geschlossen. Unbedingt anschauen!


arsEdition 2017 - Band 1 - Hardcover, 160 Seiten - 9,99 € [D] - Illustrationen von Sarah Horne - Übersetzt von Doris Hummel - ab 8 Jahren

Montag, 15. Mai 2017

[Bilderbuch] "Als Mama nur noch traurig war: Wenn ein Elternteil an Depression erkrankt" von Anja Möbest

Jan ist fünf Jahre alt, als die Grummelgrame kommen. Mamas Grummelgrame. Sie sind furchtbar mies gelaunt. Alles finden sie schlecht, und sie reden so lange auf Mama ein, bis die ihnen glaubt. Ganz grau ist ihre Welt dadurch geworden. Sie lacht kaum noch, mag nichts mehr unternehmen und alles wird ihr zu viel - selbst Jan! Jan ist ganz elend deswegen. Er fühlt sich allein und furchtbar hilflos: Ist er womöglich schuld daran, dass es Mama so schlecht geht ...? (Text- und Coverrechte: Coppenrath Verlag)


Manchmal entstehen im Leben von Kindern Situationen, mit denen sie nicht umzugehen wissen. Das muss nicht immer unmittelbar mir ihnen selbst zu tun haben, sondern kann auch Menschen im direkten Umfeld betreffen, z.B. ihre Eltern. Ein Elternteil, das an einer Depression erkrankt, ist so eine Situation. Kinder dürfen damit nicht alleine gelassen werden, brauchen besonderen Zuspruch und Aufmerksamkeit. Doch was tun? Vor allem, wenn die Bezugsperson in diesem Fall nicht uneingeschränkt auf das Kind zugehen kann? Ein Bilderbuch kann eine gute Möglichkeit sein, ein Kind an der Hand zu nehmen, ihm die Krankheit zu erklären und Verständnis zu wecken. Das ist der Zweck von "Als Mama nun noch traurig war".

Die Geschichte beginnt mit der aktuellen Situation des 5-jährigen Jan. Ihm fällt auf, dass seine Mama sich plötzlich anders verhält. Sie ist traurig, immer müde, hört Jan nicht mehr zu und vergisst viele Dinge. Es werden dann Situationen beschreiben, die für Jan immer schwerer zu verstehen sind, ihm sogar am Ende das Gefühl geben, dass seine Mama ihn vielleicht gar nicht mehr lieb hat. Die Familie holt sich Hilfe bei einem Therapeuten, der Jan erklärt, was mit seiner Mama los ist und dass es Wege gibt, ihr zu helfen. Am Ende kann sich Jan sicher sein, dass seine Mama ihn, trotz Depression, immer lieb haben wird.

Ich selbst bin keine Expertin auf dem Gebiet einer Depressionserkrankung, ja nicht mal direkt betroffen, doch wage ich zu beurteilen, dass die Situationen im Buch realistisch, und, ganz wichtig, sehr kindgerecht dargestellt wurden. Ebenso ist der Text für junge Kinder gut verständlich, und die Illustrationen zeigen bei aller Traurigkeit und Dramatik auch viel Freundlichkeit und Ermutigung. Besonders die Arbeit des Psychotherapeuten, der sich Jan als "Seelenklempner" vorstellt, wird sehr einleuchtend erklärt.
Am Ende des Bilderbuches stehen hilfreiche Praxistipps von Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapeutin Ina Knocks, inklusive Hilfestellen, an die sich Betroffene wenden können.

Damaris ...
"Als Mama nur noch traurig war: Wenn ein Elternteil an Depression erkrankt" ist kein einfaches, aber ein wichtiges Buch. Mir persönlich tat der kleine Jan, dessen Mama eine Depression hat, sehr leid, weil die Situation ihn völlig überfordert. Zum Glück werden er und seine Mama nicht alleine gelassen und können Hilfe bekommen. Die Bilder strahlen viel Freundlichkeit aus, der Text ist perfekt für junge Kinder. Damit weckt das Bilderbuch Verständnis und klärt auf. Darum empfinde ich es als richtig - vor allem für betroffene Familien.


Coppenrath Verlag 2017 - Hardcover mit Leinenrücken, 32 Seiten - 14,95 € [D] - Format 23 x 27 cm - Illustrationen (mit drei Verwandelklappen) von Barbara Korthues - Mit Praxistipps von Ina Knocks - ab 4 Jahren

Dienstag, 9. Mai 2017

[Bilderbuch] "Mein erstes Buch von den Zahlen" von Nathalie Choux

Erster Zählspaß für die Kleinsten!
Eine Schnecke, zwei Schmetterlinge, drei Küken ... Hier gibt es allererste Zahlen zu entdecken. Die besonders stabile Verarbeitung der Schiebeeffekte garantiert einen lang anhaltenden Spaß beim Immer-wieder-Ausprobieren und Ansehen des Buches. (Text- und Coverrechte: arsEdition)


Bilderbücher, die kleinen Kinder - ab etwa 18 Monaten - erstes Grundwissen vermitteln, gehören zur Standardausrüstung vieler Familien. Das macht schon Sinn. Eine liebevolle Ausstattung bringt Spaß und Lernmotivation mit sich. Außerdem werden fast alle wichtigen Themen, vor allem solche, die Kinder interessieren, mit diesen Büchern abgedeckt. "Mein erstes Buch von den Zahlen" hat uns sofort überzeugt. Es gehört zu den stabilsten Pappbilderbüchern, die ich bisher in der Hand hatte. Und die Dreh- und Schiebeeffekte funktionieren reibungslos.

Vier wunderschöne, übersichtlich gestaltete Doppelseiten enthält das Buch. Es deckt damit den Zahlenraum von 1-4 ab. Eigentlich sogar bis 5, denn auf einer Zusatzseite, hinten im Buch, sind alle Seitenerlebnisse nochmals zusammengefasst. Kinder dürften sich, neben der Schnecke, den Schmetterlingen, Küken und Mäusen, zusätzlich über fünf Fische freuen.
Die Zahlen werden den Kindern jeweils auf drei Arten präsentiert. In großer Schriftform, darunter mit der entsprechenden Anzahl Gegenstände (hier Äpfel), und dann noch als Tier: 1 Schnecke, 2 Schmetterlinge, usw. Ganz besonders niedlich sind die drei Küken, die aus ihren Eiern schlüpfen.

Jede Doppelseite beinhaltet die Möglichkeit, die Zahlen durch Dreh- oder Schiebeeffekte visuell zu erleben. Das funktioniert erstaunlich flüssig, ruckelfrei und ist äußerst stabil konstruiert. Unsere kleine Tochter (2), kann alles alleine bedienen, ohne das die Gefahr besteht, dass etwas kaputtgeht. Damit gehört "Mein erstes Buch von den Zahlen" zu den besonders empfehlenswerten Erstbüchern für kleine Kinder.

Damaris ist ...
sich sicher, dass "Mein erstes Buch von den Zahlen" zu den besten dieser Art gehört. Es ist wirklich sehr stabil, und zudem funktionieren die Schiebeeffekte reibungslos. Der Inhalt ist plausibel und übersichtlich, dazu so schön gestaltet, dass Kinder immer wieder dazu greifen werden. Das Interesse kleiner Kinder steht hier im Vordergrund. Sehr gut!


arsEdition 2017 - Pappbilderbuch, 12 Seiten - 9,99 € [D] - Format 17 x 17 cm - mit Dreh- und Schiebeelementen - Illustrationen von Nathalie Choux - ab 18 Monaten

Sonntag, 7. Mai 2017

[Bilderbuch] "Wunderdinge der Natur" von Britta Teckentrup

Von Pusteblumen, Schmetterlingen und anderen kleinen Naturwundern.

Kleinkinder erleben die Natur als ein großes Wunder und bestaunen die Tier- und Pflanzenwelt mit großen Augen. Dieses Buch zeigt kleine Phänomene der Natur und lädt zum Entdecken und Staunen ein. Mit großen Klappen! (Text- und Coverrechte: arsEdition)


Bilderbücher mit Klappen stehen bei unserer jüngsten Tochter (2) gerade hoch im Kurs. Gut, wahrscheinlich vor allem der Klappen wegen, denn an diesen erfreut sie sich tatsächlich am meisten. Doch wenn das Bilderbuch zusätzlich noch so schön gestaltet und inszeniert ist wie "Wunderdinge der Natur", dann freuen sich Tochter und Mama gleichermaßen.

Das Konzept des Bilderbuchs ist einfach und gerade darum wirkungsvoll. Es geht um die Natur - um Blumen und Pflanzen, das Wetter, aber hauptsächlich um Tiere. In sechs verschiedenen Rubriken werden Kindern diese Dinge nähergebracht. So thematisiert 'Es grünt und blüht' zum Beispiel das Pflanzenwachstum. Die Fortschritte des Wachsens können Kinder anhand der Klappen im Buch erfahren. Die Rubrik 'Hier wohne ich ...' zeigt das Zuhause vieler Tiere: Der Vogel lebt in seinem Nest, der Igel im Blätterhaufen, die Spinne baut ein Netz, der Hase wohnt in seinem Bau. Auch hier wird das anhand der Klappen verdeutlicht. Ein einfacher Text, ein- bis dreizeilig, begleitet die Bilder mit Erklärungen, die Kinder gut verstehen.

Die Seiten des Bilderbuches bestehen aus stabiler Pappe. Dagegen sind die Klappen eher dünn. Jedoch haben sie eine Griffmulde, zum leichteren Anheben, und sie so konstruiert, dass auch kleine Kinder sie ganz einfach öffnen können. Sie gehen sehr deutlich nur in eine Richtung auf, eine Fehlbedienung ist daher unwahrscheinlich. Unsere Tochter ist kein übervorsichtiges Kind, und alle unsere Klappen sind noch bestens intakt.
Die Bilder von Britta Teckentrup sprechen für sich. Sie sind äußerst reizvoll und schön anzusehen. Die Tiere sind niedlich, aber realistisch gehalten, und das Buch ist mit seinen vielen bunten Farben eine Eyecatcher - schon für junge Kinder.

Damaris sagt ...
dass "Wunderdinge der Natur" ein sehr schönes Erlebnisbilderbuch für kleine Kinder ist. Auf eine einfache und wirkungsvolle Weise wird Grundwissen von Tieren, Wetter und Natur vermittelt und durch die Klappen verdeutlicht. Das macht Kindern großen Spaß. Außerdem ist das Bilderbuch wunderschön bunt gestaltet, nicht überladen, und doch sehr reizvoll. Wir lieben Britta Teckentrups Illustrationen jedes Mal aufs Neue. Das Gesamtkonzept hat Mutter und Tochter (das ist wichtig!) vollständig überzeugt.

mini 3 - Die Püppi (2) öffnet ...
immer zuerst alle Klappen des Bilderbuches, bevor sie sich länger mit den einzelnen Seiten und Szenen beschäftigt. Sie ist jedes Mal entzückt, welche Dinge hinter den Klappen zum Vorschein kommen.


arsEdition 2017 - Pappbilderbuch, 14 Seiten - 10,00 € [D] - Format 28 x 22 cm - Text und Illustrationen von Britta Teckentrup - ab 2 Jahren

Mittwoch, 26. April 2017

[Kinderbuch] "Tafiti und das große Feuer" von Julia Boehme

Tafiti und Pinsel trauen ihren Augen kaum. Wie kann es sein, dass die Sonne im Westen gerade erst untergegangen ist und im Osten schon wieder aufgeht? Oh nein, ein Buschfeuer lodert in der Savanne! Jetzt müssen alle Tiere zusammenhalten: Elefanten, Giraffen, Warzenschweine - und sogar Löwen! Die Großen helfen den Kleinen und die Starken den Schwachen. Und am Ende schaffen sie das Unmögliche! (Text- und Coverrechte: Loewe Verlag)


Das Erdmännchen Tafiti und sein Freund Pinsel kommen bei uns so gut an, dass wir froh sind uns mittlerweile schon über den achten Band der Reihe freuen zu dürfen. Und die Freude ist jeweils groß, wenn es an der Zeit ist, ein neues Tafiti-Abenteuer vorzulesen. Vielleicht ist es von Vorteil, wenn man zumindest Band 1 kennt, in dem Kinder Tafiti, seine Familie und Freunde kennenlernen. Ansonsten ist jeder Band so angelegt, dass man die Bücher auch als Einzelbände lesen kann.

Tafitis Heimat ist Afrika, bzw. die Savanne. Hier passiert allerhand. Darum hat jede Tafiti-Geschichte hat ein eigenes Hauptthema, das in eine spannende Handlung gebettet ist. Gleichzeitig stehen die Bücher für Zusammenhalt und Freundschaft, sie zeigen ein sehr liebevolles Miteinander.
In "Tafiti und das große Feuer" sehen sich Tafiti und Pinsel einer großen Gefahr gegenüber. Die Savanne brennt! Ein Buschfeuer kommt direkt auf ihre Heimat, den Erdmännchenbau, zu. So leid es ihnen tut, sie müssen sich unbedingt in Sicherheit bringen, denn ein Buschfeuer kann im Normalfall nicht aufgehalten werden. Doch anstatt nur ihre eigene Haut zu retten, halten sie zusammen, um auch die anderen Tiere in Sicherheit zu bringen. Egal ob Freund oder Feind, alle helfen mit. Mit viel Spannung, aber auch einem tollen Humor, gelingt den Tieren das Unmögliche.

Ich empfand diese Tafiti-Geschichte als besonders spannend. Während des Vorlesens wurden die Augen der Kinder immer größer, sie waren sehr mitgerissen, haben mit Tafiti gezittert, aber auch viel gelacht. Neben der Unterhaltung bekommen Kinder echtes Wissen vermittelt, denn die Ereignisse entsprechen Tatsachen und sind toll recherchiert. Obwohl meine beiden großen Kinder schon selbst lesen können, ist es ein Ritual geworden, dass Tafiti-Bücher zu allererst von mir vorgelesen werden. So können sie die Geschichte genießen und jedes der herzlichen Bilder von Julia Ginsbach genau betrachten. Es war wie immer eine Freude!

Damaris liest ...
jede Tafiti-Geschichte erst vor, bevor sie von den Kindern selbst gelesen wird. So wollen es die Kinder! "Tafiti und das große Feuer" ist sehr spannend und steckt voller echter Informationen. Gleichzeitig ist die Geschichte an manchen Stellen richtig witzig. Die liebevollen Figuren stehen für Hilfsbereitschaft und Freundschaft. Ab der ersten Geschichte waren sie liebgewonnene Charaktere, die durch die Kindheit begleiten. Auch mehrfach!

mini 1 - Der Schelm (9) hat ...
sich bitterlich beschwert, dass er beim ersten Vorlesen nicht dabei war. Mittlerweile hat er das Buch schon mehrmals alleine durchgelesen. Auch in seinem Alter fühlt er sich mit großer Schrift, spannenden Geschichten und schönen Bildern noch sehr wohl.


Loewe Verlag 2017 - Band 8 - Hardcover, 80 Seiten - 7,95 € [D] - Illustrationen von Julia Ginsbach - ab 6 Jahren

Dienstag, 25. April 2017

[Bilderbuch] "Weißt du noch" von Zoran Drvenkar

Kind zu sein ist das größte Abenteuer. Als Kind erlebt man alles zum ersten Mal und sieht ganz unverfälscht auf die Welt. Da wächst der Regenbogen direkt aus der Wiese, und das taunasse Gras glänzt wie ein Meer aus Taschenlampen. Auf jedem Grashalm sitzt ein Diamant und macht den Maulwurf, der seinen Kopf aus dem Hügel steckt, ganz reich. Alles ist bunt und strahlend, und alles ist möglich, zumindest in der Fantasie. "Weißt du noch" ist eine außergewöhnliche Hommage an die Kindheit, an die einzigartigen Augenblicke, in denen man zum ersten Mal etwas bewusst sieht, riecht, fühlt, tut, erlebt oder versteht - für Kinder und Erwachsene. (Text-, Cover- und Zitatrechte: Carl Hanser Verlag)


Ein Bilderbuch von Zoran Drvenkar? Das will zu mir! Ganz unabhängig von meinen Kindern. Der Autor gehört zu denen, die mir die eindrücklichsten Leseerlebnisse beschert haben. Und ja, ich meine seine Handschrift auch in "Weißt du noch" zu erkennen. Gemeinsam mit meiner Tochter (7) habe ich das Buch gelesen. Wir waren völlig versunken darin. Ich als Vorlesende, sie als Zuhörerin. Gemütlich war's und stimmungsvoll. Das Bilderbuch hat etwas in mir zum Klingen gebracht. Vielleicht waren das Erinnerungen, bestimmt auch Nostalgie. Und meine Tochter? Sie wirkte sehr konzentriert und nachdenklich und amüsiert und auch etwas verwundert.

Weißt du noch, wie die Wolken die Köpfe zusammensteckten und es plötzlich dunkel wurde und anfing zu regnen? Da haben wir Schutz gesucht und sahen einen Baum, der die Arme weit ausgebreitet hatte, als wäre er ein Torwart, der auf den Ball wartet. Unter diesen Baum haben wir uns gestellt ... - S. 12

Das Buch besteht aus einzelnen Weißt-du-noch-Szenen. Ein Mädchen und ein Junge, beides Kinder, erzählen sich ihre Erlebnisse. Wenn man die Seiten genau betrachtet, sieht man etwas kleiner, in Schwarz-Weiß, ebendieses Paar, aber nun im Rentenalter. Es könnte also genauso gut sein, dass das alte Ehepaar (?) seine Kinderheitserinnerungen miteinander teilt. Ich war von dieser Möglichkeit sehr angerührt, sie liegt wirklich im Auge des Betrachters.
Die einzelnen Geschichten, die hier erdacht oder an die sich erinnert wird, sind jede für sich fantasievoll und fast schon autonom, ergeben aber gemeinsam ein zusammenhängendes Abenteuer - einen Tag voller Erlebnisse. Zu Tagesbeginn laufen die Kinder los, am Abend kehren sie wieder heim. Die Weißt-du-noch-Erinnerungen sind eine Mischung aus bekannten Szenen, aber auch völlig verrückten Erlebnissen, grenzenlos, voller Metaphern und bildlicher Vergleiche. Eine genau richtige Vermischung von Realität und Fantasie, wie sie den Köpfen von Kindern entspringt. Das hat mich, und auch meine Tochter, sehr fasziniert.

Passend zur Geschichte wird jede Szene mit einem seitenfüllenden Bild ergänzt. Ich kann mir vorstellen, dass es für Illustratorin Jutta Bauer eine große Herausforderung war, die fantasievollen Texte visuell darzustellen. Gelungen ist ihr das perfekt! Sie sind nicht nur wunderschön anzusehen - alle! -, sondern zeigen große und kleine Details, die man dem Text entnehmen kann. Wir haben während des Lesens noch lange Zeit damit verbracht, Dinge im Bild zu suchen oder waren einfach noch in der Betrachtung gefangen. Mein persönlicher Favorit ist die Blumenwiese, oder nein, vielleicht doch eher die Kinder, die den Mond beiseiteschieben. Eventuell auch die fliegenden Kühe. Unbedingt anschauen!

Damaris sagt ...
dass "Weißt du noch" eine Hommage an die Kindheit sein kann, aber auch Erinnerung im Alter. Für mich ist es ein fantasievoller Erinnerungsschatz, der Kinder erfreut und fasziniert und in Erwachsenen etwas anrührt, das unvergesslich ist. Ein Text, in dem man traumversinken kann und Bilder, die nicht besser passten könnten, machen das Bilderbuch einzigartig. Uns ist es sehr ans Herz gewachsen. Das muss man erleben!


Carl Hanser Verlag 2017 - Hardcover, 32 Seiten - 14,00 € [D] - Format 22 x 27 cm - Illustriert von Jutta Bauer - ab 5 Jahren

Mittwoch, 19. April 2017

[Bilderbuch] "Schüttel den Apfelbaum: Ein Mitmachbuch" von Nico Sternbaum

Dieses Bilderbuch hat es in sich. Denn man kann mit ihm viel mehr machen, als es nur zu lesen oder seine lustigen bunten Bilder zu betrachten. Hier können Kinder ab 2 Jahren selbst aktiv werden: Sie dürfen das Buch schütteln, schaukeln, rubbeln, darauf herumklopfen oder es auf den Kopf stellen, je nachdem, was die kleine Geschichte verlangt. Da gilt es zum Beispiel, den Apfelbaum zu schütteln, Kitzelmonster Kalle durchzukitzeln oder an die Tür eines geheimnisvollen Schlosses zu klopfen, um zu sehen, was auf der nächsten Seite passiert. Ein Buch voller Überraschungen für jede Menge Spiel, Spaß und Spannung. (Text- und Coverrechte: Bassermann Verlag)


Das Konzept eines Mitmachbuches kennen wir bereits. Jedoch wird es oft unterschiedlich ausgelegt, manchmal mit Klappen, Schiebern, etc. Teilweise werden Kinder aber auch einzig mit dem Text dazu animiert, mitzumachen. Genau solch ein Buch, ohne physische Hilfsmittel, ist "Schüttel den Apfelbaum". Dieses Buch will mit Kindern spielen!

Mir fiel sofort auf, sehr positiv, dass das Mitmachbuch recht umfangreich gestaltet wurde, allerdings auch mit etwas dickerem Normalpapier, nicht mit Pappseiten. Meist sind Bilderbücher für diese Altersklasse eher kurz gehalten. Das ist hier nicht so. Auf 64 Seiten können Kinder allerhand sehen, erleben und sich aktiv am Geschehen beteiligen. Das funktioniert jeweils auf zwei Doppelseiten. Zuerst wird vom Kind mit einem kurzen, sehr herzlich und liebevoll geschriebenem Text, eine Aktion gefordert. Auf der folgenden Seite sieht das Kind dann die Reaktion seines Handelns.

Oje, die ganzen Äpfel sind leider
viel zu schwer
für den armen Baum. Kannst du das
Buch schütteln, damit ein paar herunterfallen?
- S. 3/4

*schüttelschüttel*

Klasse, jetzt
ist der Apfelbaum
nicht mehr traurig!
- S. 5/6

Dieses einfache Konzept überrascht und begeistert Kinder, weil alles mit ihrem eigenen Zutun, ganz ohne andere Hilfsmittel, passiert. Egal, ob man die nasse Katze mit dem Ärmel abtrocknet oder das Flugzeug anpustet, damit es sich in die Luft erhebt. Die Bilder sind sehr einfach und freundlich. Sehr gut veranschaulichen sie die jeweilige Reaktion auf die geforderte Aktion.
Ich habe das Bilderbuch meinen 2- und 7-jährigen Töchtern vorgelesen. Die Große wollte, obwohl sie schon älter als die Zielgruppe ist, alle Aktionen ausführen und musste viel lachen. Die Kleine hat ebenfalls fleißig mitgemacht und sich über die Reaktionen sehr gefreut, war teilweise sogar richtig erstaunt. Und weil das Bilderbuch viele Aktionen beinhaltet, saßen wir lange zusammen - es entstand ein schönes Miteinander.

Damaris liebt ...
Mitmachbilderbücher, und die Kinder ebenso! "Schüttel den Apfelbaum" kommt völlig ohne Hilfsmittel aus, es setzt einzig auf die Aktion der Kinder. Die Zeichnungen sind einfach, der Text ist liebevoll-animierenden. Die Reaktionen der Kinder reichen von überrascht bis entzückt. In Zeiten, in denen vieles digitalisiert wird, eine echte Wohltat. Hier ist weniger tatsächlich mehr. Sehr zu empfehlen!


Bassermann Verlag 2017 - Hardcover/Pappband, 64 Seiten - 7,99 € [D] - Format 21 x 21 cm - Text, Layout und Illustrationen von Nico Sternbaum - ab 2 Jahren

Dienstag, 18. April 2017

[Bilderbuch] "Guck mal, wie die gucken!" von Werner Holzwarth

Eine Familie ist zu Besuch im Zoo und spaziert durchs Affenhaus. "Guck mal, das sind ja richtige Prachtexemplare!", heißt es da. Oder: "Oh, die da drüben haben Babys!" Aber schon bald fragt sich: Wer beguckt hier eigentlich wen? Mit großem Vergnügen wird in diesem Bilderbuch aufgedeckt, wie ähnlich wir Tiere und Menschen uns in Wirklichkeit sind. Und natürlich muss die Geschichte, nachdem der "Dreh" enthüllt ist, gleich noch mal gelesen werden! (Text- und Coverrechte: Thienemann Verlag)


"Guck mal, wie die gucken!" ist das neueste Bilderbuch von Werner Holzwarth (Autor des Kinderbuch-Bestsellers "Vom kleinen Maulwurf, der wissen wollte, wer ihm auf den Kopf gemacht hat"). In seinem neuen Buch geht es um den Buch bei den Affen in Zoo. Bei mir lösen diese Tiere ja zwiespältige Gefühle aus, meine Kinder sind von ihnen jedoch begeistert. Und genau darum geht es im Bilderbuch. "Guck mal, wie die gucken!" hat einen tollen, überraschenden Dreh. Denn wer guckt hier eigentlich wen an?

Das Bilderbuch beginnt mit dem Ausflug einer Familie - Papa, Mama und zwei Kinder - in den Zoo. Besonders haben es ihnen die Affen im Gehege angetan. Sogleich beginnt eine lustige und neugierige Unterhaltung über Aussehen, Verhalten oder das Fressen/Essen. Automatisch gehen Kinder und Vorleser davon aus, dass sich die Menschenfamilie über die Affenfamilie unterhält. Aber ist das wirklich so? "Guck mal, wie die gucken!" hat einen wunderbaren Humor. Wir haben schon während des Lesens geschmunzelt und die Kinder waren von den verschiedenen Affenarten sehr fasziniert. Ob kleine Kinder den Dreh, den Twist des Buches, verstehen ist nicht garantiert. Das ist aber gar nicht wichtig. Sicher ist, dass das Bilderbuch am Ende gleich nochmals gelesen werden will.

Die Bilder von Stefanie Jeschke passen perfekt zur Geschichte. Sie habe etwas Einfaches, aber Deutliches, vermitteln die Emotionen seitens Menschen und Affen sehr direkt. Außerdem schaut der Humor der Geschichte dem Leser durch jedes Bild entgegen. Jede neue Seite macht Spaß! In Verbindung mit dem Text, der entsprechend heiter vorgelesen werden kann, wird "Guck mal, wie die gucken!" Groß und Klein gefallen.

Damaris findet ...
"Guck mal, wie die gucken!" sehr spaßig, sehr originell und gleichzeitig sehr informativ. Das Bilderbuch hat am Ende eine überraschende Wendung und macht mit dieser Erkenntnis dann gleich doppelt so viel Laune. Die Kombination aus erheiternder Geschichte und spritzigen Illustrationen hat das Zeug zum Bilderbuchklassiker!

mini 3 - Die Püppi (2) kreischt ...
begeistert auf, bei jedem Affen, den sie im Buch entdeckt (und es sind viele!). Zwar hat sie noch nicht die Altersempfehlung erreicht, versteht Geschichte und Wendung nicht, freut sich aber an jeder neuen Seite und schaut das Buch gemeinsam mit ihrer Schwester immer wieder an.


Thienemann Verlag 2017 - Hardcover, 32 Seiten - 12,99 € [D] - Format 23 x 30 cm - Mit Illustrationen von Stefanie Jeschke - ab 4 Jahren

Dienstag, 11. April 2017

[Kinderbuch] "Salon Salami: Einer ist immer besonders" von Benjamin Tienti

Tja, manchmal ist das Leben etwas bunter: Hani Salmani (nein, nicht Salami) ist zwölf, hat einen kleinen Bruder, ihre Mama ist verschwunden und ihr Papa schneidet im Friseursalon von Onkel Ibo Haare, während der krummen Geschäften nachgeht. Als Hani herausfindet, dass ihre Mama im Gefängnis sitzt und Onkel Ibo wohl schuld daran ist, fasst sie einen verrückten Plan. Zum Glück hilft ihr Sozialarbeiterin Mira, und am Ende ist im Salon Salami-Salmani alles (fast) wieder paletti. (Text- und Coverrechte: Dressler Verlag)


Die Familie Salmani (den Salami-Witz kennt Hani schon aus der Schule - und findet ihn doof) besitzt einen Friseursalon. Papa schneidet Haare, Mama hilft im Salon mit und Hanis Bruder Moma geht noch in den Kindergarten. Hani selbst geht zur Schule, wenn sie nicht gerade damit beschäftigt ist, Vorher-Nachher-Fotos von Papas Kunden zu machen und im Friseursalon aufzuhängen. Eigentlich läuft es gut bei Familie Salmani, bis eines Tages Hanis Mama nicht mehr da ist und ihr Leben sehr turbulent wird. Es wird für Hani immer schwieriger der Dreh- und Angelpunkt der Familie zu sein und bald muss sie erkennen, dass sie es ohne Hilfe nicht mehr schafft.

Gleich zu Anfang begleitet man die 12-jährige Hani, die eine Bank überfallen will. Ich war etwas überrascht, denn dieses Szene scheint aus dem Zusammenhang gerissen. Man weiß einfach nicht, warum Hani einen Banküberfall plant, bzw. realisiert erst später, dass der Überfall im Kontext zur Geschichte steht. Hani möchte damit etwas bezwecken, was den Gedanken eines Kindes entspringt, völlig nachvollziehbar ist, und mich sehr berührte. Denn Hani ist zu Hause für zu viele Dinge verantwortlich, seit ihre Mama nicht mehr da ist. Ihr Papa hält den Friseursalon am Laufen und Onkel Ibo geht zwielichtigen Geschäften nach. Da ist es an Hani, sich um den Haushalt und das Essen zu kümmern, ihrem Vater zu helfen und nach ihrem Bruder zu schauen. Hani ist äußerlich zwar sehr cool, man realisiert aber bald, dass ihr die Dinge über den Kopf wachsen und sie ihre Mama vermisst.

Autor Benjamin Tienti hat einen Kinderroman geschrieben, der eine Familie zwischen den Kulturen auf sehr direkte und echte Art zeigt. Er scheut sich nicht vor Umgangssprache, was grundsätzlich ehrlich und sehr authentisch ist, an einer Stelle aber sehr stark ausgereizt wurde. Meine Kinder, die solche Ausdrücke (noch) nicht kennen, sollen diese nicht in einem Kinderbuch lesen. Bis auf eine extreme Ausnahme, wird diesem Punkt kein allzu hoher Stellenwert eingeräumt.
Die Geschichte ist lustig und nimmt sich manchmal selbst nicht ganz ernst. Sie hat aber auch eine traurige Seite, die nachdenklich stimmt und Verständnis weckt. Neben der Familiengeschichte werden Themen wie Vorurteile, Akzeptanz und Hilfsbereitschaft in die Geschichte gestreut, aber ohne eine bestimmte Botschaft zu vermitteln. Es ist einfach so. Nach einem spannenden Finale, das extrem zufrieden stellt, hat man die Familie Salmani richtig ins Herz geschlossen. Es wären sicherlich weitere Salon Salami-Bücher denkbar.

Damaris ...
hat bei "Salon Salami: Einer ist immer besonders" eine große Bandbreite von Gefühlen durchlebt. Die Geschichte berührt auf eine ehrliche Art, nachdem man Hani und ihre Familie kennengelernt hat. Sie weckt Interesse, aber auch Verständnis und Akzeptanz. Dazu ist sie sehr lustig und schräg, und das obwohl sie auch ein Gefühl von Zusammenhalt erzeugt. Für Kinder, die mal eine Blick auf eine Familie werfen wollen, bei denen es nicht immer normal zugeht, ist "Salon Salami" eine echte Empfehlung.


Dressler Verlag 2017 - Hardcover, 160 Seiten - 12,99 € [D] - Mit Illustrationen von Barbara Jung - ab 10 Jahren

Donnerstag, 30. März 2017

[Bilderbuch] "Eddy, der Elefant, der lieber klein bleiben wollte" von Hans Traxler

Eddy ist der Jüngste in der Herde, deshalb darf er auf Tante Adele reiten und auf Mamas Rüssel in die Schlammgrube rutschen. Seit er weiß, dass Wilderer großen Elefanten die Stoßzähne abschneiden, möchte Eddy am liebsten nie erwachsen werden. Eddys Brüder können darüber nur lachen. Doch als Eddy eines Tages verschwunden ist, machen auch sie sich Sorgen. Kann er allein in der Wildnis überleben? Zum Glück landet Eddy in einer Elefantenstation. Bis er aber seine Herde wiedersieht, braucht er viel Hilfe - und vor allem den Mut, ein Großer zu werden. (Text- und Coverrechte: Carl Hanser Verlag)


Oh, wie ist dieses Bilderbücher süß! Sobald man die ersten Seiten aufschlägt, sind das die wesentlichen Gedanken, die einem in den Kopf schießen. Dabei steckt in "Eddy, der Elefant, der lieber klein bleiben wollte" so viel mehr. Eine große Portion ehrlicher Realismus, viel Spannung und auch überraschend Wunderliches.

Hans Traxlers Illustrationen stechen hervor. Sie haben etwas Spezielles, eine eigenen Ausdruckskraft, die ich als maßgeblich für Bilderbücher empfinde. Und wenn der kleine Elefant Eddy mit seiner Herde, der Elefantenfamilie, durch die Steppe läuft, dann nehme ich das dem Bild ab, als wäre es eine Tierdokumentation. Obwohl sie gezeichnet sind, lehnen sich die Bilder stark an der Realität an. So auch die Farben. In der Steppe ist alles in pastellfarbenen Rot- und Gelbtönen gehalten. Später, als Eddy in die Zivilisation der Elefantenstation kommen, werden die Bilder bunter voller. Auf jeder Seite gibt es zusätzliche realistische Dinge zu entdecken (z.B. Löwen, die sich im Gras verstecken oder Tiere, die vor einem Fahrzeug davonlaufen), die die Geschichte begleiten und bereichern. Kinder, die noch nicht lesen können, oder denen das Buch gerade nicht vorgelesen wird, werden alleine durch die großformatigen Bilder in der Geschichte versinken.

Die Geschichte selbst ist mit 44 Seiten für ein Bilderbuch umfangreich. Jedoch sind Text und Sprache dem Verständnis jüngerer Kinder angepasst, die nebenbei noch eine ganze Menge an Informationen über Elefanten und ihr Leben bekommen. Hier scheut sich der Autor auch nicht vor einem ernsteren Thema, wie dem der Wilderer, die es auf die Stoßzähne von Elefanten abgesehen haben. Ist die Geschichte anfangs noch sehr realistisch, wird sie im Mittelteil richtig spannend, was dann humorvoll, augenzwinkernd und leicht phantastisch aufgelöst wird. Ganz wunderbar! Eddy, der kleine Elefant, ist ein sehr vereinnahmender Bilderbuchcharakter und dabei so niedlich, dass große und kleine Leser (und Vorleser) ihn einfach lieb haben müssen.

Damaris findet ...
das Gesamtpaket von "Eddy, der Elefant, der lieber klein bleiben wollte" einfach herrlich! Neben dem kleinen Eddy, der so entzückend ist, dass einem das Herz aufgeht, hat das Bilderbuch alles, was für mich richtungsweisend ist. Die Geschichte ist umfangreich aber kindgerecht und lädt durch die schönen Bilder zum langen Verweilen ein. Sie vermittelt Wissen, ist spannend und humorvoll und bekommt gegen Ende noch eine schönes Maß an Phantastik. Und zum Schluss hat Eddy dann vielleicht auch den Mut gefasst, um irgendwann einmal groß zu werden.


Carl Hanser Verlag 2017 - Hardcover, 44 Seiten - 16,00 € [D] - Format 25 x 33 cm - Text und Illustrationen von Hans Traxler - ab 4 Jahren

Mittwoch, 22. März 2017

[Bilderbuch] "Der Regenbogenfisch lernt verlieren" von Marcus Pfister

© Cover NordSüd Verlag
Der Regenbogenfisch fühlt sich im Glitzerschwarm sehr wohl. Sogar eine neue Freundin ist zum Schwarm dazugekommen. Das Fischmädchen Rotflosse schlägt vor Verstecken zu spielen und alle sind begeistert. Nur läuft es für den Regenbogenfisch diesmal nicht so gut wie sonst. Zuerst findet er keinen der anderen Fische, dann wird sein eigenes Versteck auch noch sofort entdeckt. So macht ihm das keinen Spaß. Früher hat er doch immer gewonnen! Ein guter Verlierer zu sein ist gar nicht einfach.


Im Jahr 2017 feiert der Regenbogenfisch ein großes Jubiläum. 25 Jahre gibt es die Bücher rund um den kleinen Glitzerfisch schon! Mich selbst begleitete das erste Buch "Der Regenbogenfisch" bereits durch meine Ausbildung zur Erzieherin, weitere Geschichten lernte ich zusammen mit meinen Kindern kennen. Bis dato sind sieben Bilderbuchabenteuer mit dem Regenbogenfisch erschienen, dazu noch einige Begleit- und Lernbücher. Es ist zwar schön, wenn man das erste Buch kennt, aber im Prinzip kann jede Geschichte unabhängig von den anderen gelesen werden. "Der Regenbogenfisch lernt verlieren" ist das neueste Abenteuer.

In den Büchern über den Regenbogenfisch kann man in jeder individuellen Geschichte ein gemeinsames Thema entdecken - Werte. Hier werden Dinge angesprochen, die ein zufriedenes Miteinander vermitteln, die Kinder bewegen und zu ihrem Alltag gehören. Es geht ums Teilen, Hilfsbereitschaft, Angstgefühle, Streit oder, im neuen Buch, das Verlierenlernen.

In einer einfachen und gut verständlichen Sprache erleben Kinder eine Geschichte, die gewiss jedes von ihnen so, oder so ähnlich, schon kennt: Ein Gruppenspiel. Hier spielen die Fische Verstecken, und der Regenbogenfisch ist mal nicht der Beste von allen. Er findet die anderen Fische nicht, wird aber selbst sehr schnell entdeckt. Wie frustrierend! Der Regenbogenfisch ist eingeschnappt und boykottiert das Spiel. Zum Glück hat er eine gute Freundin, die ihm nahelegt, dass man im Leben nicht immer nur gewinnen kann. Es ist zwar nicht leicht, kein Spielverderber zu sein, aber sehr fair der Gruppe und Einzelnen gegenüber, wenn man sich auch mit anderen Gewinnern freuen kann.

Obwohl die Geschichte bewusst einfach strukturiert ist, ist sie spannend und gefühlvoll geschrieben. Es ist sehr gut nachvollziehbar, wie sich der Regenbogenfisch, aber auch seine Freunde, fühlen. Kinder verstehen die Botschaft hinter der Geschichte. Die farbenfrohen Bilder im Aquarellstil passen einfach hervorragend zur Unterwasserwelt, sind wunderschön anzusehen, und sind beispielhaft für alle Bücher mit dem Regenbogenfisch.

Damaris schätzt ...
die klaren Strukturen und die Vermittlung der Grundwerte eines positiven Miteinanders, die die Abenteuer des Regenbogenfischs beinhalten. "Der Regenbogenfisch lernt verlieren" zeigt Kindern anhand einer bekannten Situation, dass man im Leben nicht immer nun gewinnt und wie man seinen Freunden gegenüber trotzdem fair bleiben kann. Die Geschichte ist sehr gut verständlich und macht Kindern großen Spaß. Die Bilder sind, wie immer, herrlich anzusehen. Ein tolles Regenbogenfisch-Abenteuer!


NordSüd Verlag 2017 - Band 7 - Hardcover, 32 Seiten - 16,00 € [D] - Format 22 x 29 cm - Text und Illustrationen von Marcus Pfister - ab 4 Jahren

Montag, 20. März 2017

[Kinderbuch] "Zeitreise mit Hamster" von Ross Welford

"Hätte mich früher einer gefragt, ich hätte gesagt, dass eine Zeitmaschine vermutlich wie ein U-Boot aussieht. Oder vielleicht wie eine Rakete. Stattdessen schaue ich jetzt auf einen Laptop und eine Zinkwanne aus dem Gartencenter. Das ist Dads Zeitmaschine. Und sie wird die Welt verändern. Na ja, auf jeden Fall meine."

Al Chaudhury hat eine unglaubliche Chance. Er kann das Leben seines verstorbenen Vaters retten. Das Einzige, was er dafür tun muss: in das Jahr 1984 zurückreisen, um einen schicksalsvollen Gokart-Unfall zu verhindern ... (Text-, Cover- und Zitatrechte: Coppenrath Verlag)


Was für ein tolles Thema! Ein Junge hat die Möglichkeit das Schicksal zu beeinflussen, vielleicht sogar zu ändern. Und zwar so, wie er es sich sehnlichst wünscht. Aber ist es immer erstrebenswert nach den eigenen Wünschen zu handeln? Ohne Rücksicht auf Verluste? Ross Welford hat einen Roman geschrieben, der einen Jungen zum Helden seines Schicksals macht. Der aber auch nahelegt, dass das Leben ein Geschenk ist, dass man es annehmen soll, wie es ist und sich an den Erinnerungen erfreuen soll. Denn Dinge ändern sich nunmal.

Als Al ein kleiner Junger war ist sein Vater gestorben. Nun lebt er mit seiner Mutter, ihrem neuen Mann und seiner Stiefschwester zusammen. Eine ganz besondere Beziehung hat Al zu seinem Grandpa Byron, einem sehr originellen und klugen Mann, der weit mehr versteht als man meint und hinter so manche Fassade blicken kann. Grandpa Byron akzeptiert Al wie er ist, pflegt mit ihm liebevolle Rituale und nimmt sich seiner an. Denn einen richtigen Freund hat Al nicht, eckt durch seine zurückgezogenen Art eher an. Was er nicht weiß; sein Vater hat zu Lebzeiten an einer Zeitmaschine geforscht. An seinem zwölften Geburtstag bekommt Al nicht nur einen Hamster geschenkt, sondern auch einen Brief von seinem Dad. Damit hat er die Möglichkeit, das Schicksal zu ändern. Doch das ist einfacher gesagt als getan.

"Das Leben ist ein wunderbares Geschenk, Al. Wir sollten jeden Moment genießen und uns an den Erinnerungen erfreuen. Denn Menschen verändern sich. Orte verändern sich. Alles verändert sich, außer die Erinnerungen. Nimm das Leben so an, wie es ist, Al. Das ist der Schlüssel zum Glück." - S. 30

"Zeitreise mit Hamster" hat mich durch einen ganz eigenen Ausdruck abgeholt. Ich war sehr davon angetan und habe das Buch verschlungen. Die Geschichte ist originell, witzig und klug. Das Zeitreiseelement wird spannend dargestellt, gar nicht so technisch wie es auf den ersten Blick scheint. Vielmehr ist es aufregend und auch turbulent-unvorhersehbar. Die Situation von Al berührte mein Herz, besonders, weil er es ist, der die Geschichte erzählt und seine Gefühle direkt beim Leser ankommen. Es war eine Freude zu sehen, wie er über sich hinauswächst und sich seiner Verantwortung stellt.

Lange Zeit ging ich davon aus, dass die alleinige Aussage des Buches lautet, dass man das Leben so annehmen soll, wie es ist. Dass es gar nicht so ratsam ist, das Schicksal zu verändern. Folglich hatte ich einen anderen Ausgang der Geschichte erwartet ... und wurde hier sehr überrascht. Für jüngere Leser ist das Ende jedoch schön, und manchmal dürfen Wünsche auch ruhig wahr werden, nicht war? Kinder und erwachsenen Leser können von "Zeitreise mit Hamster" nur profitieren und sich ganz eigene Erkenntnisse aus der Geschichte ziehen.

Damaris sagt ...
Ich habe "Zeitreise mit Hamster" verschlungen. Die Geschichte ist äußerst klug und kreativ-einzigartig wiedergegeben. Die Charaktere wachsen während der spannenden Handlung sehr ans Herz, ganz besonders, weil sie so originell dargestellt sind. Am Ende klang das Buch noch lange bei mir nach. Vielleicht gerade deshalb, weil ich einen anderen Ausgang erwartet hatte. Kinder und erwachsene Leser werde sich ihre eigenen Gedanken zum Buch machen. Lesen!


Coppenrath Verlag 2017 - Hardcover mit farbigem Buchschnitt, 368 Seiten - 14,95 € [D] - Übersetzt von Petra Knese - ab 10 Jahren

Freitag, 17. März 2017

[Kinderbuch] "Frieda Kratzbürste und ich" von Rüdiger Bertram

Frieda Kratzbürste, die traut sich was! Anna ist sieben und manchmal ein bisschen schüchtern. Als sie von Marie zum Kindergeburtstag eingeladen wird, weiß sie nicht recht, ob sie sich freuen soll. Frieda, Annas Stoffpuppe, ist sich hingegen absolut sicher: Geburtstage sind super! Denn Frieda hat vor gar nichts Angst, sie ist selbstbewusst, aufmüpfig und vorlaut. Da ist es manchmal ganz gut, dass nur Anna hören kann, was Frieda den lieben langen Tag so von sich gibt. (Text- und Coverrechte: Oetinger Verlag)


Kinderbücher über Mut und Selbstvertrauen kann man gar nicht genug haben. Besonders, wenn ein Buch diese Themen mit so viel Spaß aufgreift wie bei "Frieda Kratzbüste und ich". Außerdem ist meinen Tochter genau im passenden Alter, und so haben wir es uns mit dem Buch bei einem gemeinsamen Vorlesenachmittag gemütlich gemacht. Ganz ruhig hat sie zugehört - interessiert, mitfühlend und oftmals erstaunt-kichernd.

Es geht um einen Kindergeburtstag, eine Situation die jedes Kind kennt. Doch anstatt sich über die Einladung zu freuen, bekommt Anna bei dem Gedanken hinzugehen Bauchgrummeln. Denn was, wenn keiner mit ihr spielen will? Anna ist schüchtern, ihr machen Situationen, die normalerweise für Begeisterung sorgen, oftmals ein bisschen Angst. Zum Glück hat Anna Frieda, ein hässliches Ding aus Plüsch, aber für Anna die schönste Puppe auf der Welt. Frieda spricht mit ihr, aber nur Anna kann sie hören. Frieda ist nicht aufmunternd und nett zuredend, sie ist eine richtige Kratzbürste: Vorlaut, frech und total witzig. Und wahrscheinlich es es genau das, was Anna Mut macht und ihr Selbstvertrauen schenkt.

Zugegeben, die Bilder und Illustrationen treffen nicht komplett meinen persönlichen Geschmack. Kinder sind zum Glück, im Gegensatz zu Erwachsenen, nicht wertend. Die Geschichte zählt, die Bilder unterstützen die Handlung. Heribert Schulmeyers Bilder sind sehr aussagekräftig. Obwohl sie einfach wirken, stecken sie voller Emotionen. Annas Ängste und Sorgen sind vollständig nachvollziehbar. Das fiel mir sofort an der Reaktion meiner Tochter auf. Jedoch bringt Kratzbüste Frieda bringt so viel Schwung und Witz in die Geschichte, dass sie gar nicht anderes konnte, als in jedem Kapitel zu lachen. Wir haben das Buch mit einem zufriedenen Gefühl beendet.

Damaris ...
findet "Frieda Kratzbürste und ich" ein empfehlenswertes Kinderbuch über Mut und Selbstvertrauen (ganz besonders gut geeignet für schüchterne Mädchen). Die unsichere Anna und das frech-lustige Energiebündel Frieda sind ein tolles Gespann und vermitteln, wenn auch auf eine etwas unkonventionelle Art und Weise, eine mutmachende Botschaft. Die Geschichte ist sehr einprägsam, steckt aber aber voller Humor und Kichermomente. Zum Vorlesen und Selberlesen für junge Grundschulkinder.

mini 2 - Die Träumerin (7) ...
ist vollkommen in die Geschichte versunken. Die Situation konnte sie gut nachempfinden. Sie hat sehr mit Anna mitgefühlt und war über Friedas Witz und aufmüpfige Art anfangs vorsichtiger, später offensichtlicher amüsiert.


Oetinger Verlag 2017 - Hardcover, 96 Seiten - 12,00 € [D] - Bilder von Heribert Schulmeyer - ab 6 Jahren

Mittwoch, 15. März 2017

[Sachbuch] "Hai Ahoi!: Alles von Ammenhai bis Zebrahai" von Owen Davey

Dieses Buch erkundet die unterschiedlichsten Haie unserer Erde - vom winzigen Zwerg-Laternenhai zum riesigen Weißen Hai. Die wunderbaren Illustrationen von Owen Davey zeigen Haie, ihre Eigenarten und ihre typischen Verhaltensweisen. Viele wissenswerte und humorvolle Fakten erklären, was Haie ausmacht, wie sie leben, warum sie vom Menschen zu Unrecht so gefürchtet werden und wieso sie so bedroht sind. Für alle, die schon immer wissen wollten, was diese großen Räuber der Meere so besonders macht! (Text- und Coverrechte: Knesebeck Verlag)


Sachbilderbücher sind eine wertvolle Bereicherung fürs Kinderbuchregal. Für kleine Kinder gibt es viel zu sehen und zu entdecken, größere Kinder können sich bereits anhand der Texte informieren und spielerisch Wissen erlangen. "Hai Ahoi!: Alles von Ammenhai bis Zebrahai" thematisiert das Leben dieser besonderen und faszinierenden Meeresbewohner (zu den nicht wenige Menschen ein etwas zwiegespaltenes Verhältnis haben). Mich persönlich begeistert das Buch alleine aufgrund des Gestaltung, für unsere zwei ältesten Kinder ist es ein dauerhafter Begleiter geworden.

Der Inhalt von "Hai Ahoi!" gleicht dem eines Kinderlexikons. Es ist keine kleine Rubik, wie zum Beispiel innerhalb eines Tierlexikons, sondern eine Sammlung umfangreichen Wissens über die verschiedensten Haiarten. Neben der Definition "Was sind Haie?" erfahren Kinder alles über Lebensraum, Ernährung und Sozialleben. Aber auch die Frage ob Haie gefährlich sind wird beantwortet, ebenso die Gefährdung dieser Tierart durch den Menschen.
Kinder sind sehr angetan von diesen Informationen, aber vor allem auch von den tollen Bildern, die z.B. Größenvergleiche, Anatomie der Haie oder die Meeresumgebung zeigen.

Autor und Illustrator Owen Davey hat die ganze Optik des Buches in Retro gehalten. Die Farben sind gedeckt in Blau-, Grün- und Brauntönen, die Illustrationen versprühen den Charme der 60er und 70er Jahre. Dabei wirken sie aber natürlich und echt, nicht verfremdet oder kindlich. Die hochwertige und besondere Gestaltung des Buches ist genau mein Ding und absolut spitze.
"Hai Ahoi!" liegt meist in unmittelbarer Griffweite unseres Sohnes (9), der immer und immer wieder völlig gebannt die einzelnen Kapitel liest - zwischenzeitlich auch nicht mehr in Reihenfolge, sondern rein nach Lust und Interesse. Unsere Tochter (7) übt damit das Selberlesen.

Damaris findet ...
dass "Hai Ahoi!" ein absolutes Wow-Sachbilderbuch ist! Hier stimmen Optik und Inhalt. Die Informationen über Haie sind so interessant, dass das Buch bei uns im Dauereinsatz ist. Die Gestaltung und Farbgebung im Retro-Stil sind wirklichkeitsnah und eine Freude fürs Auge. Für wissenshungrige Kinder und erwachsene Liebhaber hochwertiger Bilderbücher ein Muss!


Knesebeck Verlag 2017 - Hardcover, 40 Seiten - 14,95 € [D] - Format 23 x 29 cm - Text und Illustrationen von Owen Davey - Übersetzt von Susanne Schmidt-Wussow - ab 6 Jahren

Sonntag, 12. März 2017

[Bilderbuch] "Anleitung zum Ungezogensein" von Sophie Schmid

Regeln sind dazu da, um befolgt zu werden - von wegen! Dieses Buch ist ein Plädoyer, selbstbewusst seinen Kopf zu gebrauchen, wohlmeinende Lebensregeln individuell und situationsbezogen zu hinterfragen und ihnen mit einer guten Portion Fantasie und Kreativität, mit Sinn und Verstand zu begegnen.
Ein Buch, das inhaltlich und gestalterisch keiner Norm entspricht - mit einem Augenzwinkern erzählt für alle kleinen und großen Regelbrecher dieser Welt. (Text- und Coverrechte: Coppenrath Verlag)


Wer kennt sie nicht, Sprüche wie Ordnung ist das halbe Leben! oder Mit dem Essen spielt man nicht! Besteht das ganze Leben nur aus Regeln, die unbedingt eingehalten werden müssen? Keinesfalls. Kinder sind keine Maschinen, die ihr Leben in eine enge Form pressen können. Genau das wird mit dem Bilderbuch "Anleitung zum Ungezogensein" deutlich. Das Thema ist augenzwinkernd und mit viel Humor umgesetzt. Es spricht damit auch Erwachsene an.

Am Anfang des Buches sieht man zwei Erwachsene, wahrscheinlich Eltern, die vor einer großen Kinderschar stehen und gestenreich erklären: "Regeln sind dazu da, befolgt zu werden!" Damit entlockten sie mir schon mal ein Grinsen und schauten gleichzeitig in die vielen fragenden Gesichter der umstehenden Kinder (und in das eines Hundes, der ignorant die Nase rümpft). Ich selbst bin ein Befürworter von Regeln, jedoch nicht durch Bestimmung, sondern durch die Vermittlung von Werten und sehe mich selbst als Vorbildcharakter für meine Kinder. Darum war mir sofort klar, dass "Anleitung zum Ungezogensein" nicht als Doktrin verstanden werden soll. Es ist ein humorvolles Buch, dass dafür steht, den eigenen Kopf zu gebrauchen, individuell und fantasievoll zu sein und Dinge zu hinterfragen.

Die Illustrationen sind auf eine humorvolle Art lebensnah. Kinder werden sich darin wiedererkennen, Erwachsene müssen beim Betrachten die ganze Zeit lächeln. Jede Doppelseite ist nach links ausklappbar. Das hat einen ganz besonderen Sinn. Auf der ersten Seite steht immer eine wohlbekannte Lebensregel, z.B. Ordnung ist das halbe Leben. Die wird von Kindern durch einen flotten Spruch beantwortet oder "verschönert" - Also schau, dass du die andere Hälfte geniesst! Unter der aufgeklappten Seite befindet sich nun eine herrliche Szenerie, wie die Kinder ihre Antwort umsetzen. In diesem Fall mit einem riesigen Kissenlager, das in einen Abenteuerspielplatz verwandelt wird.
Das Buch endet mit einem schönen Miteinander zwischen Erwachsenen und Kinder und der Erkenntnis, dass es zum Glück von jeder Regel auch Ausnahmen gibt.

Damaris denkt ...
dass Kinderbücher, die auf den ersten Blick provokant erscheinen, dazu beitragen können, die eigene Sicht zu hinterfragen oder das Leben nicht ganz so ernst zu nehmen. Im Fall von "Anleitung zum Ungezogensein" ist das auf eine humorvolle und kreative Art äußerst gut gelungen: Sei fantasievoll, gebrauche deinen eigenen Kopf und hinterfrage Dinge. Das Bilderbuch ist sehr pfiffig und hat eine tolle Aussage am Ende. Kinder und Erwachsene können beim Betrachten gemeinsam lachen.


Coppenrath Verlag 2017 - Hardcover, 36 Seiten - 13,99 € [D] - Format 18 x 31 cm - Text und Illustrationen von Sophie Schmid - ab 3 Jahren

Donnerstag, 2. März 2017

[Kinderbuch] "Club der Heldinnen: Entführung im Internat" von Nina Weger

Juhu, es geht los! Das neue Schuljahr auf dem Matilda Imperatrix, dem Internat für Mädchen mit außerordentlichen Fähigkeiten! Flo und Pina beratschlagen schon, wie sie die Geländespiele gewinnen und die beiden Oberzicken Cilly und Lilly abhängen. Doch dann kommt der große Schreck: Flos kleine Schwester Charly verschwindet spurlos! Flo verdächtigt sofort die Neue in ihrem Zimmer. War doch klar, dass diese Blanca ein dunkles Geheimnis verbirgt! Aber bald merken Flo und Pina, dass sie Charly nur mit Blancas Hilfe retten können. Denn gemeinsam sind die drei wirklich heldenhaft! (Text- und Coverrechte: Oetinger Verlag)


"Club der Heldinnen" ist eine neue Kinderbuchreihe für Mädchen. Eine Internatsgeschichte, bei der ich überzeugt bin, dass sie bei jungen Leserinnen gut ankommen wird. Die erste Geschichte, "Entführung im Internat" ist pfiffig und spannend. Mit den Figuren können sich Mädchen gut identifizieren, ganz im Sinne des Reihentitels. Die Aufmachung des Buches ist sehr ansprechend, und als toller Bonus sind dem Buch vier Club-Ausweise beigelegt. Wenn das nicht dazu animiert, einen eigenen Freundinnen-Club zu gründen ...

Das Internat Matilda Imperatrix ist eine Schule für Mädchen. Aber keine normale Schule. Einzig für Mädchen mit besonderen Fähigkeiten, mit denen sie dazu beitragen können, eines Tages die Welt zu verbessern. Damit sind keine Superheldenkräfte gemeint, sondern Talente fürs Spurenlesen, Erstellung von Rettungsplänen, angehende Astronautinnen oder Technikspezialistinnen. Das Internat wirkt mit seinen Sporteinrichtungen, Stallungen, dem Planetarium, usw. schon etwas elitär und damit sehr anziehend für die Zielgruppe.
Flo und Pina sind beste Freundinnen, Fünftklässlerinnen, und teilen sich ein Zimmer. Während Flo einen perfekte Planerin ist, die einer alten Ritterfamilie entstammt, sind Pinas Vorfahren Indianer. Sie erkennt jede Spur. Beides ist natürlich hilfreich, als Flos kleine Schwester Charly verschwindet. Außerdem kommt eine neue Mitschülerin zu Flo und Pina ins Zimmer. Blanca reagiert immer sehr komisch und hat definitiv etwas zu verbergen, sie bringt ein großes Geheimnis mit. Hier gefiel mir besonders gut, dass Flo und Pina das neue Mädchen als Komplizin gewinnen wollen, anstatt gegen sie zu reden. Gemeinsam rutschen die drei Freundinnen in ein großes Abenteuer.

Die Geschichte hat so viele anziehende Details, dass das Lesen zu einem abenteuerlichen Erlebnis wird. Da sind natürlich die schlauen und pfiffigen Mädchen, es gibt sogar Pferde, eine Wette und eine echte Schatzsuche. Pinas Indianerweisheiten sind wirklich originell und humorvoll. Die Mädchen bilden ein tolles Team und die Suche nach Charly hat etwas von einer Detektivgeschichte. Am Ende wird dieses Abenteuer abgeschlossen, aber mit den augenzwinkernden Hinweis, dass es mit den drei sympathischen Heldinnen weitergeht.

Damaris findet ...
dass "Club der Heldinnen: Entführung im Internat" ein toller Reihenstart für junge Mädchen ist. Die Internatsgeschichte lebt von Zusammenhalt und Freundschaft und natürlich der originell-elitären Schule, mit vielen Details, die das Lesen ganz besonders anziehend machen. Die sympathischen Heldinnen bereichern mit ihren schlauen Fähigkeiten die Geschichte. Mit viel Witz und Pfiff ist das Buch ein Pageturner, dem hoffentlich bald das nächste Abenteuer folgt.


Oetinger Verlag 2017 - Band 1 - Hardcover, 224 Seiten - 12,00 € [D] - Illustrationen und Vignetten von Nina Dulleck - ab 9 Jahren

Montag, 27. Februar 2017

[Bilderbuch] "Tapsi will kuscheln" von Sean Julian

© Cover NordSüd Verlag
Der Walddrache Tapsi kuschelt gerne. Und unbedingt möchte er die kleine Elfe Pünktchen dazu überreden. Doch die lehnt das Kuscheln mit Tapsi kategorisch ab. Denn sie weiß noch genau, was beim letzten Mal passiert ist. Tapsi versucht Pünktchen mit allen Mitteln zu überreden; mit Tränen und Geschenken. Doch Pünktchen bleibt hart. Ob es dem Walddrachen noch gelingt, seine Freundin zu überreden?


"Tapsi will kuscheln" ist ein Bilderbuch zum Mitfiebern. Und das, obwohl es ums Kuscheln geht, gewürzt mit einer großen Portion Humor und Emotionen. Am Ende muss man herzlich lachen, ganz besonders die kleinen Zuhörer, die mit ihrem feinen Gespür für Gefühle die Pointe sofort verstehen.

Tapsi ist ein Walddrache und ein richtiger Kuscheldrache noch dazu. Darum fragt er auch die Elfe Pünktchen, ob sie mit ihm kuscheln mag. "Nie im Leben!", kommt es von Pünktchen zurück. Denn sie hat keine Lust mehr auf das Erlebnis vom letzten Mal. Was das war, weiß man als Leser und Betrachter des Bilderbuchs nicht. Einzig, dass es der kleinen Elfe nicht gefiel ist deutlich zu spüren. Denn soviel sich Tapsi nun auch bemüht, mit (lustigen) Geschenken oder mit (gespielten) Tränen, Pünktchen kuschelt mit allen Tieren des Waldes, mit Tapsi aber nicht. Bis dieser etwas leistet, was die kleine Elfe ihre Entscheidung nochmals überdenken lässt.

Obwohl Tapsi ein Walddrache und Pünktchen eine Elfe ist, haben Kinder nicht das Gefühl, eine Geschichte über Fantasywesen zu hören und zu betrachten. Beeindruckend sind die natürlichen Emotionen, die Autor und Illustrator Sean Julian seinen kleinen Helden ins Gesicht gezeichnet hat. Ob Ärger, Ratlosigkeit, Traurigkeit oder Freude, alles kommt direkt beim Betrachter an. Nebenbei sind die Bilder sehr niedlich und herzlich gezeichnet, und das Bilderbuch ist sehr wunderschön gestaltet.
Kinder müssen nicht kuscheln, wenn sie das nicht wollen! Egal, was ihnen versprochen wird, egal, wie sehr man sie zu überreden versucht. Das ist die schöne und wichtige Nebenbotschaft, die man aus der Geschichte heraushören kann. Dass die Geschichte vom kuschelnden Walddrachen Tapsi mit viel Humor und einer witzigen Pointe zu Ende gebracht wird, ist nochmals ein ganz besonderer Bonus.

Damaris sagt ...
"Tapsi will kuscheln" ist ein total niedliches und ansprechendes Bilderbuch. Besonders schön sind die Emotionen von Walddrache Tapsi und Elfe Pünktchen, die den beiden sehr deutlich ins Gesicht geschrieben, bzw. gezeichnet sind, darum auch unverstellt bei den kleinen Bilderbuchbetrachtern ankommen. Die Nebenbotschaft Grenzen zu akzeptieren, und diese nochmals durch eine lustige Pointe aufzuwerten, ist ganz hervorragend gelungen. Sehr klasse!

mini 2 - Die Träumerin (7) hegt ...
große Sympathien für Walddrache Tapsi und muss am Ende begeistert kichern (bevorzugt zusammen mit ihrem älteren Bruder). Sie nimmt sich das Buch immer wieder zur Hand, um es für sich ganz alleine zu lesen und anzuschauen.


NordSüd Verlag 2017 - Hardcover, 32 Seiten - 14,00 € [D] - Format 22 x 26 cm - Illustriert von Sean Julian - Übersetzt von Anna Schaub - ab 4 Jahren

Samstag, 25. Februar 2017

[Kinderbuch] "Krähe und Bär oder die Sonne scheint für uns alle" von Martin Baltscheit

Der Bär wird um sein faules Leben im Zoo beneidet. Jeden Tag drei Mahlzeiten und satt einschlafen. Dabei wäre er viel lieber frei wie die Krähe. Die bietet ihm die Chance seines Lebens: Sie können ihre Körper tauschen! Schnell muss der Krähenbär feststellen, dass gute Manieren in freier Wildbahn reine Zeitverschwendung sind, und die Bärenkrähe frisst sich nicht nur rund, sondern auch unglücklich. Und so teilen sich die beiden am Ende die Vollpension im Zoo in einer freien Entscheidung. (Text- und Coverrechte: Dressler Verlag)


Zwei unzufriedene Tiere und eine ungewöhnliche Freundschaft - so könnte man das Thema von "Krähe und Bär" in aller Kürze zusammenfassen. Dass das Buch als tiefgründig, überraschend und urkomisch beschrieben wird, war mir vor dem Vorlesen nicht deutlich bewusst. Aber umso besser. Meine zwei Kinder sind mit 7 und 9 Jahren im perfekten Vorlesealter für das Buch. Doch nach den ersten Seiten war ich irritiert und die Kinder ebenso. In mir kam die leise Frage auf, ob das Buch vielleicht nicht ZU tiefgründig oder ZU abgedreht ist? Jetzt sage ich nein, es ist genau richtig! Aber anspruchsvoll ist es schon. Mehr, als man bei der herrlich fröhlich-zufriedenen Illustration auf dem Einband erwarten würde.

Der Bär ist unzufrieden mit seinem Leben im Zoo. Zwar hat er täglich drei sichere Mahlzeiten, aber er ist in einem kleinen Gehege gefangen. Außer schlafen, essen und andauerndes Im-Kreis-Laufen passiert hier nicht viel. Er möchte frei sein. Der Autor bringt die Frustration des Bären so deutlich zum Ausdruck, dass sie einem förmlich aus dem Text entgegenschreit. Lustig und komisch ist das nicht, eher sehr ehrlich und ernüchternd - und auch etwas traurig.
Die Krähe ist frei und kann fliegen wohin sie will, dafür plagt sie andauernder Hunger. Aus anfänglicher Abneigung, seitens des Bären, entwickelt sich eine zaghafte Freundschaft, die beiden ganz neue Möglichkeiten eröffnet. Am Ende werden aus Feinden echte Freunde, die dankbar für ihr Leben sind und sich die Annehmlichkeiten teilen.

Ich bin der Meinung, dass man der Geschichte etwas Zeit geben sollte. "Krähe und Bär" ist ein Kinderbuch, an das man sich gewöhnen, in das man sich einlesen muss. So schlug die anfängliche Skepsis bei mir und den Kinder in plötzlichen Enthusiasmus um. Die Handlung wurde spannend und tatsächlich überraschend. Die Illustrationen sind perfekt! Besonders mein Sohn war von der Geschichte fasziniert. Einen Anteil daran hatte sicherlich auch die spröde Erzählweise mit ihren Kraftausdrücken, die nicht jedem Vorleser gefallen werden. Der Text gleicht manchmal vom Ausdruck her einem Drehbuch, kann aber mit Bären- und Krähenstimme (farblich hervorgehoben) perfekt vorgelesen werden. Die Wirkung auf die jungen Zuhörern ist klasse. Einige Dinge wird man Kindern eventuell erklären müssen, bzw. könnte sich während des Vorlesens ein Gesprächsbedarf entwickeln.
Am Ende hat die Geschichte sogar noch liebevolle Nuancen und wird zu einem positiven Schluss geführt.

Damaris sagt ...
"Krähe und Bär oder die Sonne scheint für uns alle" ist kein gewöhnliches Kinderbuch. Es ist sogar in jeder Hinsicht ungewöhnlich. Lässt man sich aber auf Erzählstil und Geschichte ein, entwickelt sie sich zu einem spannenden Abenteuer, mit ganz eigenem Humor und mancher Überraschung. Die Geschichte verfehlt ihre Wirkung nicht. Die positive Aussage und der gelungene Schluss haben uns überzeugt. Mutig sein und ausprobieren!


Dressler Verlag 2017 - Hardcover, 112 Seiten - 12,99 € [D] - Illustrationen von Wiebke Rauers - ab 6 Jahren

Freitag, 24. Februar 2017

[Bilderbuch] "Der geheimnisvolle Koffer von Herrn Benjamin" von Pei-Yu Chang

© Cover NordSüd Verlag
Herr Benjamin ist ein Philosoph, ein sehr kluger Mann, mit guten und ungewöhnlichen Ideen. Doch eines Tages entscheidet das Land, in dem er lebt, dass Menschen wie Herr Benjamin nicht erwünscht und außergewöhnliche Ideen gefährlich sind. Er muss sich verstecken und später einen geheimen Weg flüchten, um nicht verhaftet zu werden. Obwohl der Weg weit und beschwerlich ist, nimmt Herr Benjamin einen großen Koffer mit. Er ist ihm so wichtig, dass er ihn nicht zurücklassen kann. Denn der Inhalt könnte alles verändern.


"Der geheimnisvolle Koffer von Herrn Benjamin" basiert auf der wahren Geschichte des jüdischen Schriftstellers und Philosophen Walter Benjamin (1892 - 1940). Er floh vor den Nazis die so genannte F-Route über die Pyrenäen zur spanischen Grenze. Die Fluchtabsicht in die USA führte er nicht zu Ende. Den Inhalt seines Koffers kennt bis heute niemand.
Als ich das Bilderbuch durchlas, ging es mir sehr zu Herzen. Es hat eine enorme Ausdruckskraft und vermittelt geschichtliches Wissen und Werte. Aber nicht frontal, sondern subjektiv, auf eine kindgerechte Art. Ich befürchtete allerdings, dass Kinder mit der Geschichte etwas überfordert sein könnten. Das hat sich nicht bestätigt. Meine Tochter liebt dieses Buch. Sie ist völlig fasziniert von der Geschichte, den Bildern und diesem Mann mit Koffer. Die Geschichte wirft Fragen auf. So viele, dass wir das Thema noch über das Buch hinaus vertieft haben. So wünscht man sich das bei einem Bilderbuch!

Dass Herr Benjamin Jude war, wird im Buch nicht benannt. Auch nicht vor wem oder was er floh. Das soll auch nicht der Ansatz für junge Kinder sein. Es geht darum, dass es Menschen gibt, die ihre Ansichten, ihr Wissen und ihre Ideen unbedingt bewahren wollen, auch wenn sie damit bei anderen auf Ablehnung und Gegenwehr stoßen. Wie Herr Benjamin etwas in seinem Koffer verwahrt, das ihm das Allerwichtigste ist. Was es ist, ist im Grunde egal.
Neben der eigentlichen Geschichte gibt es am Ende noch sehr interessante Tatsachen-Infos zu Walter Benjamin, Fluchthelferin Lisa Fittko und der Autorin Pei-Yu Chang, die dieses Kinderbuch veröffentlichte, weil sie so sehr fasziniert vor der Geschichte des Herrn Benjamin und seinem Koffer war.

Die Gestaltung des Buches hat etwas Einzigartiges und ist sehr großformatig. Die Autorin kombiniert diverse Materialien, Schriftarten und Farbutensilien und schafft damit einen ganz besonderen Kunststil. Manche Szenen sind düster, andere wirken wie eine Kombination aus Kinderzeichnung und Scherenschnitt. Alle Illustrationen ergeben, zusammen mit der Geschichte, ein faszinierendes Gesamtbild. Meine Tochter klebt an den Seiten, egal ob sie das Buch alleine anschaut oder ob ich es vorlese. Das zu sehen ist großartig.

Damaris ...
erachtet Bilderbücher wie "Der geheimnisvolle Koffer von Herrn Benjamin" als wichtig und notwendig. Nicht so sehr, wegen des geschichtlichen Hintergrundes, denn eine konkrete Benennung findet man hier nicht. Viel sinnvoller ist die Aussage Ideen und Wissen zu bewahren und zu schützen. Das Buch beschäftigt lange durch eine indirekte Aufklärung und die eindrucksvolle Gestaltung. Es wirft viele Fragen auf, bietet damit eine tolle Möglichkeit zum Gespräch. Sehr empfehlenswert!


NordSüd Verlag 2017 - Hardcover, 48 Seiten - 18,00 € [D] - Format 27 x 31 cm - Text und Illustrationen von Pei-Yu Chang - ab 4 Jahren

Donnerstag, 23. Februar 2017

[Kinderbuch] "Kasimir Karton: Mein Leben als unsichtbarer Freund" von Michelle Cuevas

Manchmal wundert Kasimir sich schon, warum ihn niemand beachtet. Im Sportunterricht wird er nicht als Letzter ins Team gewählt, er wird gar nicht gewählt. Der Busfahrer schließt die Tür vor seiner Nase, und seine Eltern vergessen, ihm bei den Mahlzeiten einen Teller hinzustellen. Nur seine Zwillingsschwester Fleur hält zu ihm. Doch eines Tages macht Kasimir eine schockierende Entdeckung: Er ist unsichtbar! Fleur hat sich ihn ausgedacht! Mit dem Wunsch, ein echter Junge zu werden, begibt sich Kasimir auf eine lange Reise ... (Text- und Coverrechte: FISCHER KJB)


Hatten wir nicht alle schon einmal einen unsichtbaren Freund? Während manche Kinder sich nur zeitweilig vorstellen, einen imaginären Freund oder Freundin zu haben, begleitet dieser Wunschfreund andere durch die phantasievolle Zeit des Kindseins. Ob als Mensch oder Tier, als Märchengestalt oder der reinen Vorstellungskraft entsprungen, ein unsichtbarer Freund bereichert die Kindheit. Ich persönlich kann mich an so manches Zwiegespräch mit einer Wunschfreundin erinnern. Und manchmal höre ich meine eigenen Kinder vor sich hinflüstern, wenn sie sich unbeobachtet fühlen. Wer weiß, vielleicht reden auch sie mit ihrem imaginären Freund? Michelle Cuevas hat diesem Thema in "Kasimir Karton: Mein Leben als unsichtbarer Freund" eine ganz besondere Stimme gegeben.

"Die Wahrheit ist", antwortete sie, "du bist so unsichtbar, wie du dich fühlst, egal ob dich jemand erfunden hat oder nicht."
"Hm", sagte ich, und meine Stimme klang jetzt ganz dünn. "Ich fühle mich wie Luft. Ich fühle mich wie ein Windhauch. Ich fühle mich wie aus Sand gebaut, und die Flut kommt."
- S. 51

Kasimir Karton ist der Zwillingsbruder von Fleur, schon immer, bzw. seit 8 Jahren, solange er sich eben erinnern kann. Manchmal wundert sich Kasimir schon etwas, denn niemand scheint ihn zu mögen, sogar richtiggehend zu ignorieren. Ganz deutlich wird das bei den Klassenkameraden, die ihn im Sportunterricht noch nie ins Team gewählt haben. Auch der Familienhund verhält sich komisch. Er liebt Fleur, bellt Kasimir aber nur an. Und wenn Kasimir ganz ehrlich zu sich ist, verhalten sich auch seine Eltern nicht normal. Sie übergehen ihn einfach, wie immer. Kurz, Kasimir findet heraus, dass er kein echter Junge, sondern ein unsichtbarer Freund, eine Einbildung von Fleur ist. Das wirft ihn völlig aus der Bahn ... und dann nimmt die turbulente Geschichte ihren Lauf.

Im ersten Moment tat mir Kasimir furchtbar leid. Seine Gefühle, als er entdeckt, dass er kein normaler Junge ist, sind so deutlich, dass man sich direkt betroffen fühlt. Die Geschichte besitzt eine große Sensibilität und eine ausdrucksstarke Poesie, die zwischen die Zeilen geschrieben ist. Für manchen 8-jährigen Leser könnte das Buch darum etwas anspruchsvoll sein. Doch Kasimir findet seinen Weg, auf eine total humorvolle und witzige Art und Weise. Die Zeichnungen der Autorin in Buch sind herrlich passend! Obwohl die Geschichte sehr echt wirkt, hat sie eine große, phantasievolle Komponente, die Kinder begeistern wird. Sehr schöpferisch-klug ist auch das Ende. Es gleicht einem Kreislauf, bei dem sich alles zum Richtigen und Guten fügt. Sehr anrührend.

Damaris ...
hat in diesem Buch die Phantasie wiedergefunden, die Kinder besitzen und die Erwachsenen (leider!) mit der Zeit abhanden kommt. "Kasimir Karton: Mein Leben als unsichtbarer Freund" ist die pfiffige und poetische Selbstfindung eines kleine Jungen, der anders ist und trotzdem seinen Weg findet. Der originelle Humor ist das Sahnehäubchen. Und es stimmt: "Man ist nur so unsichtbar, wie man sich fühlt." Eine sehr besondere Geschichte!


FISCHER KJB 2017 - Hardcover, 208 Seiten - 12,99 € [D] - Mit Zeichnungen von Michelle Cuevas - Übersetzt von Uwe-Michael Gutzschhahn - ab 8 Jahren

Dienstag, 21. Februar 2017

[Kinderbuch] "Mia voll verdoodelt: Krokodile lieben Fischstäbchen" von Knife & Packer

Irgendwas treibt Mia immer in die absurdesten Situationen. Stellt euch vor, sie ist umzingelt von Krokodilen, klammert sich an eine Aktentasche voller Fischstäbchen, trägt dabei eine Sumpfmonster-Maske und ihre Lehrerin ist gerade dabei, ihre Eltern anrufen! Klingt wie ein abgefahrener Traum? Nein, das ist Mias Leben: chaotisch, witzig und voller Überraschungen. Genau wie ihre lustigen Doodles, die sie in ihrem Tagebuch festhält! (Text- und Coverrechte: arsEdition)


Als ich selbst noch ein Kind war (lange ist es her!) gab es entweder Kinderromane oder Comics. An Comicromane kann ich mich nicht erinnern. Dabei sind sie eine perfekte Ergänzung zum klassischen Kinderbuch, denn sie schließen die Lücke zwischen Comics und Büchern mit umfangreichem Text.

"Mia voll verdoodelt" ist eine neue Comicroman-Reihe. Die Hauptzielgruppe sind Mädchen, ab etwa 9 Jahren, die bei dieser Art von Büchern bisher immer ein wenig das Nachsehen hatten. Jetzt ist es aber so, dass mein 9-jähriger Sohn zwar gerne liest, sich dabei aber nicht besonders anstrengen möchte. Er bevorzugt tatsächlich die klassischen Comics, oder aber Kinderbücher mit wenig Text und vielen Bilder. Ich drückte ihm Mias erstes Abenteuer "Krokodile lieben Fischstäbchen" in die Hand, tatsächlich mit der Hoffnung, seine Leseinteressen zu vergrößern. Das Resultat: Ich sah ihn fast nur noch mit dem Buch in der Hand. Zielgruppe hin oder her, er hat es innerhalb kurzer Zeit verschlungen.

Kinder sind so begeistert von Mia, weil sie Geschichten und Situationen aus dem Alltag erzählt. Da geht es um Familie, die beste Freundin, die Angst vor dem ersten Schultag oder der strengen Lehrerin, einen Besuch im Kino und noch viel mehr. Zwar ist die Handlung sehr überspitzt und extrem dramatisiert, aber gerade das gefällt den jungen Lesern. Sie können sich in Situationen einfühlen, sich vielleicht sogar damit identifizieren - und natürlich macht es großen Spaß Mias Schlamassel zu erleben. Das Buch so humorvoll wie witzig. Man muss beim Lesen die ganze Zeit kichern oder schmunzeln.
Es gibt keine einzelnen Kapitel, die Handlung ist fortlaufend. Der Text ist unterlegt mit vielen, vielen Zeichnungen, Listen oder hervorgehobenen Wörtern. Dadurch bleibt der Umfang jeder Seite überschaubar und ist sehr motivierend für den Lesefortschritt. Die Seiten fliegen dahin. Am Ende gibt es einen Hinweis auf den Folgeband, bzw. ein neues Mia-Abenteuer. Mein Sohn hat mich schon mehrfach daran erinnert, das Buch auf jeden Fall lesen zu wollen.

Damaris und mini 1 - Der Schelm (9) ...
können "Mia voll verdoodelt: Krokodile lieben Fischstäben" allen Kindern empfehlen, die gerne lustige und turbulente Geschichten lesen, die mit vielen Bildern unterlegt sind. Viel zu schnell ist man am Ende des Comicromans, hat dabei viel erlebt und gelacht und kann weitere Mia-Abenteuer garantiert nicht abwarten. Die Hauptzielgruppe sind zwar Mädchen, meinem Sohn war das aber herzlich egal. Er hatte mindestens genauso viel Spaß!


arsEdition 2017 - Band 1 - Hardcover, 224 Seiten - 9,99 € [D] - Text und Illustrationen von Knife & Packer - Übersetzt von Anne Braun - ab 9 Jahren

[Bilderbuch] "Auch Prinzessinnen müssen mal pupsen" von Ilan Brenman

© Cover arsEdition
Laura ist schon im Kindergarten. Und heute geht ihr die Frage nicht mehr aus dem Kopf, ob auch Prinzessinnen mal pupsen müssen. Zum Glück hat Laura einen schlauen Papa. Der sucht im Bücherregal nach einem alten Buch, in dem die größten Geheimnisse berühmter Prinzessinnen zu finden sind. Unter anderem, dass sogar Prinzessinnen mal pupsen müssen.


Kinder lieben spannende Geschichten, aber genauso sehr lieben sie Geschichten mir Humor, die sich selbst nicht allzu ernst nehmen und gerne auch mal ein Reizthema enthalten dürfen. Diese verbreiten beim Vorlesen nämlich einen lockere, heitere Stimmung voller Kicheranfälle und erstaunten Ausrufen. Eines dieser Bücher ist "Auch Prinzessinnen müssen mal pupsen". Meine Tochter hat schon losgekichert, als ich ihr nur den Titel vorgelesen habe. Denn das Pupsen, das ist gerade ein Thema, das sie tatsächlich viel beschäftigt.

Die Frage der kleinen Laura kommt nicht von ungefähr. Denn schnell lernen Kinder, dass Pupse in der Öffentlichkeit unerwünscht sind. Alleine das Geräusch ist peinlich, vom Gestank müssen wir gar nicht reden. Manchmal lässt sich so ein Pups aber nicht verhindern. Aber wie ist das eigentlich bei Prinzessinnen? Was machen die, wenn sie mal pupsen müssen. Lauras Papa erzählt seine Tochter daraufhin von den berühmtesten aller Prinzessinnen: Cinderella, Schneewittchen und auch der kleinen Meerjungfrau - die alle unterschiedliche Erlebnisse mit dem Pupsen hatten. Laura ist erstaunt, überrascht und kichert viel. Die ganze Geschichte ist so niedlich und humorvoll, dabei auch sehr liebevoll, dass einem beim Vorlesen das Herz aufgeht. Die Reaktionen der zuhörenden Kinder sind unbezahlbar!

Die Bilder von Magali Le Huche haben eine ganz besondere Farbgebung. Mal sind sie sehr bunt, dann wirken sie wieder fast schon monochrom. Der Stil ist zauberhaft und sehr ausdrucksstark. Außerdem muss ich anmerken, dass ich als Erwachsene vom Einrichtungsstil der Familie begeistert bin. Eine tolle und einzigartige Kombination aus modern und retro.
Eine sehr süße Kleinigkeit ist der pupsende Zwerg, der sich auf jeder Bilderbuchseite versteckt und von den zuhörenden oder lesenden Kindern gefunden werden will. Meine Tochter ist begeistert!

Damaris ...
erklärt "Auch Prinzessinnen müssen mal pupsen" zu einem persönlichen Highlight, ganz unabhängig von der heiteren und begeisterten Reaktion der Kinder auf das Bilderbuch. Diese Geschichte ist mit ihrem Reizthema kreativ-humorvoll, und hat gleichzeitig eine so liebevolle Art, dass es eine wahre Freude ist. Die Bilder sind einzigartig und mit ihrer Kombination aus Moderne und Retro genau mein Ding. Unbedingt anschauen!

mini 2 - Die Träumerin (7) ...
hat das Buch so gerne, dass sie es für ihre täglichen Leseübungen immer wieder zur Hand nimmt. Alleine das Thema fasziniert und erheitert sie. Das Vorlesen genießt sie genauso und sucht den pupsenden Zwerg, der sich auf jeder Buchseite versteckt, bei jedem Mal neu.


arsEdition 2017 - Hardcover, 32 Seiten - 12,99 € [D] - Format 29 x 22 cm - Illustrationen von Magali Le Huche - Übersetzt von Susan Niessen - ab 4 Jahren

Samstag, 11. Februar 2017

[Kinderbuch] "Robby aus der Räuberhöhle: Wer rettet das Paradies?" von Barbara Landbeck

Robby liebt seine Räuberhöhle und sein Paradies mit den vielen Pflanzen und Tieren mitten in Jottwede. Es duftet nach frischem Moos und Abenteuern. Und ganz besonders gut nach Freundschaft, denn Gummistiefel-Mädchen Thea ist endlich wieder zu Besuch. Gerade zur rechten Zeit. Denn Bürgermeister Poeppler möchte ein schickes, neues Bürogebäude in Robbys Paradies bauen. Das muss unbedingt verhindert werden! Nur wie?
Ein supergeheimnisvolles Buch mit noch geheimnisvolleren Erfindungen kommt den Freunden da gerade recht ... (Text- und Coverrechte: JUMBO Verlag)


"Robby aus der Räuberhöhle: Wer rettet das Paradies?" ist schon das zweite Abenteuer des Räuberjungen Robby und seiner besten Freundin Thea. Wir fanden den ersten Band so wunderbar, dass die Kinder Luftsprünge machten, als ich das neue Buch für unserer Vorleserunde vorschlug. Sie sind wieder völlig in die Geschichte eingetaucht. Dabei ist es interessant, dass "Wer rettet das Paradies?" auch ohne Kenntnisse des Vorgängers gelesen werden kann. Autorin Barbara Landbeck hat die Geschichte so strukturiert, und relevante Dinge wiederholt, dass sich auch Kinder, die Robby noch nicht kennen, gut zurechtfinden. Mehr Spaß macht es allerdings, wenn man die Reihe in der richtigen Reihenfolge liest.

Es sind Robbys Lebensumstände, die Kinder vollkommen für die Geschichte einnehmen. Robby lebt nämlich auf einem versteckten Grundstück, mitten in der Stadt. Dort steht seine Hütte, die Räuberhöhle. Es gibt einen Bach, ein Baumhaus, seine Tiere und viele Verstecke - ein echtes Paradies. Und damit die Wunschvorstellung vieler Kinder (und Erwachsener). Robby lebt dort ganz alleine, weil seine Räuber-Oma für eine Weile verschwinden musste. Jedoch hat er Freunde, die für ihn da sind. Darum ist er auch nicht wirklich allein.
Genau auf diesem Paradies-Grundstück soll nun ein Bürogebäude gebaut werden. Das ist der spannende Hauptkonflikt, um den sich die Geschichte dreht. Zum Glück haben Robby und Thea einen guten Plan. Aber wird er auch gelingen?

Die Länge der Kapitel eignet sich nicht nur wunderbar zu Vorlesen, sondern auch bestens zum Selberlesen für Grundschulkinder. Und weil die Geschichte so spannend und vereinnahmend ist, bleibt es auch nie bei nur einem Kapitel. Auf die Bitten der Kinder nach einem weiteren muss sich der Vorlesende einstellen. Robby und Thea stehen hier zwar vor einem ernsthaften Problem, das ist ihnen auch sehr bewusst, die Autorin erzählt jedoch mit viel Humor. So bleibt die Geschichte immer spannend, ist aber auch sehr lustig - wir haben viel gelacht.
Als Robby und Thea eine Nacht im Baumhaus verbringen, ist das so schön dargestellt, dass die Kinder beim dazugehörigen Bild vor Begeisterung kollektiv aufgeseufzt haben. Wunderschön anzusehen sind die besonderen Bilder. Sie haben eine ganz eigenen Atmosphäre und etwas, das Kinder sehr stark anzieht. "Wer rettet das Paradies?" ist ein großartiges Kinderbuch!

Damaris sagt ...
Schon als ich den Kindern Robbys erstes Abenteuer vorlas, war klar, dass wir dieses Reihe weiterverfolgen. "Robby aus der Räuberhöhle: Wer rettet das Paradies?" hat unseren Vorstellung allerbestens entsprochen. Die Geschichte ist spannend und humorvoll, die Bilder herrlich passend und atmosphärisch. Wer eine perfekte Vorlesereihe für Kinder sucht, wird hier fündig. Das hat sich durch den zweiten Band nochmals bestätigt. Eine ganz große Empfehlung!


JUMBO Verlag 2017 - Band 2 - Hardcover, 104 Seiten - 13,00 € [D] - Text und Illustrationen von Barbara Landbeck - ab 5 Jahren