Donnerstag, 28. Juli 2016

[Kinderbuch] "Pelle von Pimpernell: Der Geisterhund" von Claire Barker

Pelle von Pimpernell hat ein Problem. Seit er ein Geisterhund ist, versucht er vergeblich, wieder Kontakt zu seiner über alles geliebten Menschen-Freundin Winnie aufzunehmen. Seine verrückten Geistertier-Freunde können ihm da leider auch nicht so richtig weiterhelfen. Doch plötzlich geht es um noch viel mehr und Winnie und die Geistertier-Kombo müssen zusammenarbeiten, um dem bösen Geisterjäger Krispin O’Mystery das Handwerk zu legen ... (Text- und Coverrechte: KOSMOS Verlag)


Hund Pelle stirbt. Zum Glück erwacht er als Geist und kann, zusammen mit anderen Tiergeistern, weiter im Haus Sternenblick der Familie von Pimpernell leben. Leider muss er feststellen, dass seine beste Freundin Winnie ihn nicht mehr sieht, er sie in ihrer Trauer nicht trösten und sie nicht mehr richtig beschützen kann. Pelle fasst den Entschluss, das zu ändern. Als die Familie in Schwierigkeiten gerät und Haus Sternenblick droht versteigert zu werden, müssen Pelle und die anderen Geistertiere fest zusammenhalten, um der Familie zu helfen.

Jedes Kind kann es nachvollziehen, was es bedeutet, wenn ein geliebtes Hauttier oder ein Freund plötzlich nicht mehr da ist. So ist Winnies Reaktion, ihre Traurigkeit, völlig verständlich, als ihr Freund, der Familienhund Pelle, stirbt. Dass er als Geist im Haus weiterlebt, kann sie (noch) nicht ahnen. Diese Situation ist sehr liebevoll und warmherzig dargestellt. Leser spüren die Verbindung, die zwischen Winnie und Pelle bestand. Und weil Pelle auch als Geist aktiv wird, können Kinder bald Hoffnung haben, dass beide wieder glücklich werden können.

Neben seiner besonders herzlichen Art ist "Pelle von Pimpernell: Der Geisterhund" herrlich lustig und individuell. Jedes Geistertier hat einen speziellen Charme. Der Zusammenhalt ist großartig, viele Situationen voller Witz und Scharfsinn. Mit der Zeit wird die Handlung immer spannender. Es liegt an Pelle und seinen Freunden, die Familie von Pimpernell vor großem Unglück zu bewahren.
Die vielen detaillierten Zeichnungen im Buch unterstützen die Geschichte, und machen das Lesen für Kinder ab etwa 9 Jahren besonders attraktiv. Nach einem spannenden Finale ist die Geschichte abgeschlossen. Junge Leser werden sich sehr auf eine neues Abenteuer mit Pelle, dem Geisterhund, freuen.

Damaris empfindet ...
"Pelle von Pimpernell: Der Geisterhund" als eine tolle Kombination aus Warmherzigkeit, Humor und Spannung. Die geisterhaften Tierbewohner halten zusammen, und helfen ihrer menschlichen Familie in großer Not. Dadurch macht die Geschichte viel Spaß, und vermittelt gleichzeitig Empathie. Junge Leser (oder Zuhörer) sind fasziniert, auch von den Bildern, schließen die Menschen und Tiere der Familie von Pimpernell sofort ins Herz. Wir wollen noch viel mehr von Pelle lesen!


KOSMOS Verlag 2016 - Band 1 - Hardcover, 256 Seiten - 12,99 € [D] - übersetzt von Manuela Knetsch - mit Illustrationen von Ross Collins - ab 9 Jahren

Dienstag, 26. Juli 2016

[Bilderbuch] "Die drei wilden Räuber Piff, Paff, Puff" von Iris Wewer

© Cover arsEdition
Piff, Paff und Puff sind richtig wilde Räuber. Und sie haben einen tollen Räuberplan. Sie wollen Eier von Oma Käthe klauen und Würste von Otto dem Hund. Und weil Piff, Paff und Puff gute Räuber sind, haben sie auch an alles gedacht. Nur nicht daran, dass beim Klauen so manches schiefgehen kann. Zum Glück sind die drei richtig gut im Weglaufen.


Bilderbücher, die viel Humor haben, manchmal augenzwinkernd daherkommen oder sich nicht ganz so ernst nehmen, gefallen Kindern besonders gut. Hier gibt es viel zu lachen und Kinder spüren es unterbewusst, wenn es Autoren bei Geschichten gelingt, sich in ihre Interessen hineinzufühlen. "Die drei wilden Räuber Piff, Paff und Puff" ist ein gutes Beispiel für ein Bilderbuch voller Humor, in dem sich Kinder wiederfinden können - nicht unmittelbar in der gleichen Situation, aber im Denken und beim Spielen.

In vielen Kindern steckt ein kleiner Räuber, bzw. der Wunsch danach, ein Räuber zu sein. So geht es auch den drei "Helden" des Bilderbuchs, denn Schweinchen Piff, Bär Pfaff und Fuchs Puff sind natürlich keine echten Räuber. Vielmehr spielen sie ein Spiel, stellen sich voller Überzeugung vor wie es wäre, ein Räuber zu sein. Und Räuber, die Hunger haben, stehlen sich die Zutaten für Pfannkuchen einfach zusammen. Wie schnell beim Klauen jedoch etwas schiefgeht, dass müssen die drei am eigenen Leib erfahren. Das wird sehr humorvoll und augenzwinkernd vermittelt. Bis Piff, Pfaff und Puff am Abend keine Räuber mehr sein wollen, gemeinsam den Tag nochmals nachspielen und sich die besten Pfannkuchen selbst backen.

Die Zeichnungen im Buch sind allerliebst und eine Augenweide. Sie zeigen die Welt, wie sie Kindern (und vielen Erwachsenen!) gefällt. Dabei wirken sie einfach, naiv-niedlich und voller humorvoller Details. Die Gefühle der kleinen und großen Darsteller können Kinder sofort nachvollziehen, und das Bilderbuch wirkt mit seiner Gestaltung wie eine große Spielwiese. Herrlich!

Damaris hat ...
sich schon bei der ersten Betrachtung in das Bilderbuch verliebt, die Kinder nach dem ersten Vorlesen. "Die drei wilden Räuber Piff, Paff und Puff" hat eine humorvolle Geschichte, die kindliches Denken und Spiel exakt aufgreift. Besonders gut gefällt der Abschluss, der "Sinn" des Buches. Die farbenfrohen Illustrationen sind liebenswürdig-einfach, mit wunderschönen Details und Besonderheiten. Gehört unbedingt ins Kinderbuchregal!

mini 2 - Die Träumerin (7) und mini 1 - Der Schelm (8) sind ...
noch lange nicht zu alt für Bilderbücher. Völlig fasziniert sind sie vom Buckelberg, dem Zuhause von Piff, Paff und Puff, an dem man sogar eine Strickleiter hochziehen kann.


arsEdition 2016 - Hardcover, 32 Seiten - 12,99 € [D] - Format 29 x 22 cm - Text und Illustrationen von Iris Wewer - ab 4 Jahren

Sonntag, 24. Juli 2016

[Kinderbuch] "Woodwalkers: Carags Verwandlung" von Katja Brandis

Auf den ersten Blick sieht Carag aus wie ein normaler Junge. Doch hinter seinen leuchtenden Augen verbirgt sich ein Geheimnis: Carag ist ein Gestaltwandler. Aufgewachsen als Berglöwe in den Wäldern lebt er erst seit Kurzem in der Menschenwelt. Das neue Leben ist für ihn so fremd wie faszinierend. Doch erst als Carag von der Clearwater High erfährt, einem Internat für Woodwalker wie ihn, verspürt er ein Gefühl von Heimat. In Holly, einem frechen Rothörnchen, und Brandon, einem schüchternen Bison, findet er Freunde. Und die kann Carag gut gebrauchen - denn sein neues Leben steckt voller Gefahren ... (Text-, Cover- und Zitatrechte: Arena Verlag)


Die Vorstellung, sich von einem Tier in einen Menschen verwandeln zu können, ist für Kinder unheimlich faszinierend. Katja Brandis erzählt in ihrem neuesten Roman und Trilogiestart "Woodwalkers: Carags Verwandlung" die Geschichte von einem Puma und gleichzeitig Menschenjungen. Das ist sehr packend und bei aller Fantasy auch herrlich natürlich.

Carag lebt als Puma mit seiner Familie zusammen. Manchmal nimmt die Mutter ihre Kinder mit in die Menschenwelt, verwandelt sich mit ihnen zum Mensch und sie erleben zusammen einen Tag voller Faszination aber auch Gefahr. Trotzdem wünscht sich Carag dieses Leben mehr, als sein Leben als Puma. Er beschließt als Mensch zu leben. Zuerst geht sein Plan auf, doch er bleibt in seiner Pflegefamilie und bei seinen Mitschülern ein Außenseiter. Erst als Carag auf die Clearwater High kommt, eine Schule für Wandler, findet er Freunde und Selbstvertrauen.

Und leider sind nicht, wie ich mal dachte, alle Menschen nett. Einige Leute in der Schule flüstern blöde Bemerkungen über mich, wenn sie denken, dass ich sie nicht hören kann (kann ich leider doch, ihr Flüstern klingt für Wandler-Ohren ziemlich laut). Und die noch schlimmeren Leute sind ungefähr so sympathisch wie ein tollwütiger Pfeifhase. - S. 19

Das Leben eines Woodwalkers in Menschengestalt ist voller Gefahren, denn niemand soll davon erfahren, dass es Tiere gibt, die sich in Menschen verwandelt können. So kommt es auch des Öfteren vor, das Carag in brenzlige Situationen gerät. Außerdem hat er einen Gegenspieler, der ihm Angst und Kummer macht. Die Geschichte spielt in den USA, das Schulsystem ist aber Deutsch. Für meinen Geschmack hätte die Handlung, die hauptsächlich vom Schulalltag geprägt ist, noch etwas mehr an Spannung vertragen können. Leser ab 10 Jahren könnten das aber anders empfinden.

Die Eigenschaften der Tiere werden im Buch sehr natürlich wiedergegeben, ebenso die Gefühle von Carag als Mensch. Der Junge, dessen Leben anders lief, als er sich vorgestellt hatte, gewinnt mit fortschreitender Handlung echte Freunde und viel Selbstvertrauen. Das Buch wird Mädchen und Jungen unterhalten, letztere aber ganz besonders ansprechen. Nach einem spannenden Finale sind zwar noch nicht alle Rätsel gelöst, die Geschichte endet jedoch mit einem positiven, stimmigen Zwischenergebnis. Junge Leser können sich auf die erlebnisreiche Fortsetzung von Carags Geschichte freuen.

Damaris ist ...
sehr glücklich mit Fantasy für junge Leser, der eine eigene Natürlichkeit innewohnt, und die völlig unkitschig daherkommt. Denn abseits von Magie und Zauber geht es bei "Woodwalkers: Carags Verwandlung" um Tiere, die auch in Menschengestalt leben können. Carags Entwicklung gefällt sehr gut. Die Handlung interessiert junge Leser sofort. Sie ist meist spannend und jugendlich humorvoll. Empfehlenswert!


Arena Verlag 2016 - Band 1 - Hardcover, 272 Seiten - 12,99 € [D] - mit Zeichnungen von Claudia Carls - ab 10 Jahren

Dienstag, 19. Juli 2016

[Bilderbuch] "Wieder beste Freunde" von Katja Reider

© Cover Coppenrath Verlag
Eigentlich sind Waschbär Mats und Bär Schimansky richtig dicke Freunde. Eigentlich. Aber jetzt haben sie sich gestritten, und keiner weiß mehr so genau, warum der Streit angefangen hat. Mats und Schimansky reden nicht mehr miteinander, und teilen sich nur noch etwas über ihre Freunde mit. Und genau von diesen kommt dann auch unerwartete Hilfe.


Für Kinder gehört die Situation zum Alltag. Im einen Moment spielen sie noch mit Freund oder Freundin und von jetzt auf gleich heißt es plötzlich: "Du bist nicht mehr mein Freund!". Oft kann keines der Kinder einen richtigen Grund für diese Aussage nennen. Meist ist der Streit auch bald wieder vorbei. Sich zu streiten und zu versöhnen ist für Kinder ein wichtige Erfahrung und ein Lernfeld fürs Leben.

Genau in dieser Situation sind Waschbär Mats und Braunbär Schimansky. Sie streiten und wissen nicht mehr genau warum. Trotzdem reden sie nicht mehr miteinander. Das geht so weit, dass sie sich kleine Gemeinheiten über ihre Freunde sagen lassen. Ein Tier trägt die Aussage zum nächsten Tier, so lange, bis sie beim Empfänger ankommt - eine Art "Stille Post" entsteht. Und hier liegt der humorvolle Clou des Buches. Die Nachricht wird natürlich immer mehr verfälscht, und kommt am Ende mit völlig neuer, positiver Bedeutung an. Der Streitgrund ist plötzlich nicht mehr wichtig. So ist der Weg geebnet, um den Streit augenzwinkernd aus der Welt zu räumen.

Illustriert wurde das Buch mit großartigen Zeichnungen, die großflächig jeweils eine Doppelseite bedecken. Kinder schauen sie sich immer wieder gerne an, da die Emotionen der Tiere direkt bei ihnen ankommen, auch wenn sie den Text nicht Wort für Wort kennen. Dieser ist einfach und recht kurz. Es könnte aber durchaus sein, dass kleine Kinder mehrere Anläufe benötigen, um den Humor der Geschichte zu verstehen oder ein bisschen Erklärung brauchen. Sie werden danach auf jeder Seite lachen.

Damaris sieht ...
"Wieder beste Freunde" als Bilderbuch, das mitten aus dem Leben gegriffen ist. Streit gehört dazu, Versöhnung auch. Wenn es dann noch auf so humorvolle und herzliche Art dargestellt wird, nämlich durch eine besondere "Stille Post", wie bei Mats und Schimansky, können Kinder (und Vorleser!) davon nur profitieren. Absolut zu empfehlen!


Coppenrath Verlag 2016 - Hardcover mit Spotlack, 32 Seiten - 12,99 € [D] - Format 25 x 30 cm - illustriert von Henrike Wilson - ab 3 Jahren

Mittwoch, 13. Juli 2016

[Kinderbuch] "Wie man seine absurd analogen Eltern updatet" von Pete Johnson

Luis ist in der Hölle! Nachdem sein Vater einen Erziehungskurs besucht hat, kündigt er eine computer-, fernseh- und internetfreie Auszeit an, in der "die Familie näher zusammenrücken soll". Der blanke Horror! Luis steht eine Woche in der Steinzeit bevor! Doch das Schlimmste kommt erst: Die ganze Schule hält ihn für einen Lügner, weil er allen von seinem tollen Comedy-Fernsehauftritt erzählt hat. Dass ausgerechnet sein Beitrag rausgeschnitten wurde, konnte er doch nicht ahnen. Wie soll man da nicht den Humor verlieren? (Text- und Coverrechte: arsEdition)


Für Kinder, die sich an der Schwelle zum Jugendlichen befinden, im Alltag aber noch verspielt und manchmal unsicher sind, können Kinderbücher mit viel Humor genau das Richtige sein. Diese Geschichten nehmen sich oft selbst nicht so ernst, beinhalten aber einen wahren Kern oder Begebenheiten, die Kindern vertraut sind. "Wie man seine absurd analogen Eltern updatet" passt für ab 10-Jährige perfekt und punktet mit einer Menge Spaß.

Dass das Buch bereits der vierte Band einer Serie ist, merkt man beim Lesen nicht. Hier kann ich mit bestem Gewissen sagen, man kann die Geschichte als Einzeltitel lesen, ohne etwas zu verpassen. Die handelnden Personen sind übersichtlich und schnell vertraut. Hauptprotagonist Luis, 13 Jahre alt, hat einen jüngeren Bruder (der ihn ziemlich nervt) und Eltern (die ihn auch ziemlich nerven). Außerdem hat er eine feste Freundin, die gleichzeitig seine Agentin als aufstrebender Comedy-Star ist. Insgesamt nimmt Luis das Leben leicht, mag seine Familie und sein Umfeld und ist fast immer charmant-lustig. Kompliziert wird die Sache erst, als seine Eltern beschließen eine Smartphone- und Computer-freie Zeit durchzusetzen.

"Wie man seine absurd analogen Eltern updatet" ist von Ich-Erzähler Luis in Tagebuchform verfasst. Die Kapitel sind nochmals in einzelne, kurze Abschnitte unterteilt und fördern die Lesemotivation ungemein. Die Geschichte enthält so viele lustige Szenen und haufenweise Situationskomik, dass die Mundwinkel beim Lesen ständig nach oben zeigen - sogar bei erwachsenen Lesern, jenseits der Zielgruppe. So macht das Lesen Spaß! Trotzdem wird ein freundliches Familienmiteinander kommuniziert, das zeigt, dass freundlich umgesetzte Regeln durchaus ihren Sinn haben. Bei allem Witz und Humor ist der wahre Kern der Geschichte gut zu erkennen, und macht es möglich, dass junge Leser ihren eigenen medialen Konsum hinterfragen.

Damaris findet ...
wenn man ein Kinderbuch mit permanentem Schmunzeln und Vergnügen lesen kann, dann wurde hier wohl alles richtig gemacht. So geschehen bei "Wie man seine absurd analogen Eltern updatet", ein Buch, das auch innerhalb seiner Serie als eigenständige Geschichte gelesen werden kann. Das Buch garantiert nicht nur dahinfliegende Seiten und viel Spaß, es hat zudem eine positive und wahre Grundaussage, die Kinder zum Reflektieren ihres Computer- und TV-Konsums anregen kann.


arsEdition 2016 - Band 4 - Hardcover, 192 Seiten - 9,99 € [D] - aus dem Englischen von Christine Spindler - ab 10 Jahren

Freitag, 8. Juli 2016

[Bilderbuch] "Ein Jahr im Wald" von Emilia Dziubak

© Cover arsEdition
Im Wald leben viele verschiedenen Tiere. Manche wohnen sogar unter der Erde. Doch was machen sie das ganze Jahr über? Wo schlafen sie? Was fressen sie gerne? Auch der Förster liebt den Wald und passt auf, dass alles seine Ordnung hat. Normalerweise kommt er mit jedem Tier gut aus, doch es ist ein Frechdachs im Wald, der dem Förster die ganze Zeit Streiche spielt.


Wimmelbücher machen Spaß! Nicht nur Kindern, nein, selbst Erwachsene können sich an den detailreichen Bildern oft nicht sattsehen. "Ein Jahr im Wald" ist Wimmelspaß für die ganze Familie ... und noch viel mehr. Illustratorin Emilia Dziubak wurde bereits zum zweiten Mal für einen Wettbewerb um das schönste Buch des Jahres nominiert. Zurecht! "Ein Jahr im Wald" gehört zu den allerschönsten Wimmel- und Entdeckungsbüchern, die ich kenne.

Das beginnt bereits auf den ersten Innenseiten. Alle Tiere des Waldes (samt Förster), die im Buch zu finden sind, stellen sich hier selbst vor. Und das auf sehr informative und auch humorvolle Art. Wenn man beim Betrachten der Jahresbilder ein Tier entdeckt, über das man mehr erfahren möchte, kann man schnell zum Anfang zurückblättern, um Namen und Besonderheiten zu erfahren.
Die ganze Handlung spielt sich ohne Text und auf einer einzigen Waldlichtung ab. Jedem Jahresmonat ist eine Doppelseite gewidmet. So ist es auf der Lichtung entweder schneebedeckt, regnerisch, sonnig, sternenklar, stürmisch, frühlingsmild oder sogar etwas weihnachtlich. Besonders schön ist, dass sogar die Tageszeit variiert.

Es ist unglaublich, was es auf den einzelnen, großflächigen Seiten zu entdecken gibt. Hier wimmelt es von Tieren, Vögeln, Insekten und menschlichen Waldbesuchern. Manche Szenen erzählen über das Jahr eine richtige kleine Geschichte, andere sind einfach interessant anzuschauen. Die Illustrationen sind sehr liebevoll und persönlich, dennoch realistisch, gehalten. Sehr süß ist, dass man als Betrachter manchmal weiß, an was das Tier gerade "denkt", zum Beispiel das Eichhörnchen an eine Nuss. Das wird durch eine kleine Gedankenblase über dem Waldbewohner deutlich, sehr dezent und herzlich.
Den Buchabschluss bildet ein Erdlabyrinth auf den letzten beiden Seiten. Kinder können die jeweiligen Tiere durch das Labyrinth zu ihrem Partner oder zum Lieblingsessen führen. Das ist sehr humorvoll umgesetzt.

Damaris ist ...
permanent am Schwärmen, wenn sie sich mit diesem Buch beschäftigt. "Ein Jahr im Wald" ist das perfekte Bilder- und Wimmelbuch. Die Gestaltung ist herausragend! Die einzelnen Seiten wurden sehr realistisch, mit enorm detailliertem Stil und viel Humor, umgesetzt. Sich für eine schönste Waldszene zu entscheiden, ist unmöglich. Ein Lieblingsbilderbuch und ein Muss fürs Kinderbuchregal!

mini 1 - Der Schelm (8) wird ...
bald 9 Jahre alt und schnappt sich "Ein Jahr im Wald", wann immer er Zeit dazu findet. Alleine das ist bemerkenswert. Er schaut es sich mit seinen Schwestern an oder beschäftigt sich ganz ausgiebig alleine damit. Jedes Mal entdeckt er wieder etwas Neues.


arsEdition 2016 - Hardcover, 32 Seiten - 12,99 € [D] - Format 32 x 24 cm - illustriert von Emilia Dziubak - ab 3 Jahren

Mittwoch, 6. Juli 2016

[Kinderbuch] "Hier kommt Oma" von Stefan Boonen

Zähne putzen? Nö. Frische Socken? Bah, nein!
An einem Wochenende mit Oma ist alles möglich. Zum Frühstück gibt es Froschsuppe und Wurmpudding. Zum Mittag die wildesten Spiele. Oma hat tausend verrückte Ideen. Wer traut sich vom Wackelbaum zu springen? Wer kommt dem riesigen Waldschwein auf die Spur? Dem strengen Förster Herrn Schild geht das alles zu weit. Aber er kann die trubelige Bande nicht aufhalten, denn: Hier kommt Oma! (Text- und Coverrechte: Arena Verlag)


Dass man bei Oma oft mehr darf als Zuhause, ist ein ungeschriebenes Gesetz. Länger fernsehen zum Beispiel, essen, was man mag und natürlich viel länger aufbleiben. Das ist auch völlig okay, denn schließlich ist es die Oma, da sind Ausnahmen erlaubt. Doch das, was die Oma in "Hier kommt Oma" veranstaltet, treibt die Sache auf die Spitze - auf eine völlig skurrile, humorvolle Art und Weise.

Es ist Freitag, und freitags holt Oma manchmal ihre zehn Enkel in einem alten Klapperbus ab. Dann kann das Wochenende starten. Oma wohnt in einem Haus im Wald (das aussieht wie ein Drache!), hier darf man alles machen, was sonst verboten ist. Denn um Förster-Regeln schert sich Oma nicht, und Schimpfworte machten ihr auch nichts aus.
Betrachtet man die Geschichte nur in dieser Zusammenfassung, so wirkt sie völlig antiautoritär. Aber aus Kindersicht ist Oma einfach cool. Diese Oma erlaubt viel, sagt dennoch ihre Meinung, und nimmt sich sehr viel Zeit für ihre Enkel. Rituale und Regeln gibt es trotzdem, die werden von den Enkeln (wenn auch nicht immer ganz konventionell) respektiert. Und wenn eines der Kinder Sorgen hat oder nicht schlafen kann, dann setzt sich Oma mit ihm aufs Dach zum Reden und Kuscheln. Hier kommt sie durch, die liebevolle und fürsorgliche Seite der Oma. Ein Besuch bei Opas Grab ist, neben all dem Spaß, ebenfalls Pflicht.

Empfohlen wird das Buch ab 8 Jahren. Und ja, es ist unkonventionell, wild und sprachlich provokant, nimmt sich dabei nicht ganz so ernst. Jedoch können Kinder dieses Alters sehr gut einschätzen, dass es sich um eine fiktive Geschichte handelt - und die macht einfach großen Spaß.
Die Bilder von MELVIN sind wundervoll, richtig einzigartig! Der Stil ist unruhig und wirkt kritzelig, das hat etwas von besonderer Kunst. Dabei ist "Hier kommt Oma" im Comic-Stil gehalten. Text und Bilder müssen beim Lesen in Kontext gesetzt werden, das heißt, man benötigt die Bilder, um die Geschichte zu verstehen. Viel zu schnell ist der Besuch bei Oma vorbei. Zum Glück lädt die Gestaltung Kinder immer wieder dazu ein, das Buch zu betrachten und zu lesen ... und über die Witze zu lachen.

Damaris hatte ...
mit "Hier kommt Oma" mal wieder ein Kinderbuch in der Hand, das anders ist und von gängigen Konventionen und Erwartungen abweicht. Das Buch ist die übertriebene Version einer Oma, die für jeden Spaß und Streich zu haben ist, und die Zeit mit ihren Enkeln auf eine spröde-liebevolle Art verbringt. Das ist sehr besonders und sorgt für viel Kichern bei den jungen Lesern. Mutig sein und ausprobieren!

mini 1 - Der Schelm (8) und mini 2 - Die Träumerin (6) waren ...
während des ersten Vorlesens und beim Betrachten der Bilder total fasziniert (und manchmal etwas irritiert). Eine Oma und Enkel dieses Kalibers kennen sie einfach nicht. Haben sie anfangs noch nicht richtig gewusst, ob sie bei einigen umgangssprachlichen Ausdrücken lachen sollen, wird mittlerweile lauthals gekichert.


Arena Verlag 2016 - Hardcover, 88 Seiten - 9,99 € [D] - mit Illustrationen von MELVIN - übersetzt von Verena Kiefer - ab 8 Jahren

Dienstag, 5. Juli 2016

[Bilderbuch] "Alles Natur - Meine kleine Eule" von Britta Teckentrup

© Cover arsEdition
Wenn es Nacht wird und andere Tierkinder schlafen gehen, dann wacht die kleine Eule auf. Heute freut sie sich besonders, denn sie macht mit ihren Eltern einen Ausflug durch den Wald. Was es da wohl zu entdecken gibt? Sind vielleicht noch andere Tiere wach?


Alles Natur ist eine feine Buchreihe von arsEdition. Die Bücher werden in Deutschland hergestellt, sind aus 100% Recyclingpapier und mit Ökofarben gedruckt. Perfekt für kleine Kinderhände. "Meine kleine Eule" passt sehr gut in dieses Buchkonzept. Denn die Geschichte spielt in der Natur, im Wald. Die kleinen Betrachter und Zuhörer begleiten ein Eulenkind auf einem nächtlichen Ausflug.

Normalerweise gehen Kinder abends ins Bett. Nicht so die kleine Eule. Sie wird zu dieser Zeit wach und entdeckt, dass im Wald noch nicht für jedes Tier die Schlafenszeit gekommen ist. Zusammen mit ihrer Familie besucht die kleine Eule einige anderee Tiere und entdeckt Planzen des Waldes. Und weil es Nacht ist, wird die Eulenfamilie von Mond und Sternen begleitet.

Dass das Bilderbuch auf Natur-, bzw. Recyclingmaterial mit bräunlichem Farbton gedruckt ist, kommt dieser Gutenacht- und Entdeckungsgeschichte besonders zugute. Die Bilder sind in warmen, beruhigenden Erdfarben gehalten, decken gut und besitzen eine schöne Leuchtkraft. Illustratorin und Autorin Britta Teckentrup hat das Buch wunderschön illustriert und mit einer altersgerechten Geschichte bereichert. Diese hat einen einfachen, sehr freundlichen Text, den schon kleine Kinder gut den Bildern zuordnen können. Und am Ende, wenn der Morgen graut, heißt es dann auch für die kleine Eule: Jetzt ist Schlafenszeit.

Damaris findet ...
dass bei "Alles Natur - Meine kleine Eule" einfach alles stimmt. Das Natur-Konzept, das die verantwortungsvolle Produktion und Farbgestaltung beinhaltet, ist wichtig und vorbildlich. Dazu passt die Farbgebung der reizenden Illustrationen. Die Geschichte selbst ist allerliebst, ruhig und sehr freundlich. Unbedingt merken!

mini 3 - Die Püppi (1) ist ...
mit ihren 18 Monaten die perfekte Zielgruppe für "Meine kleine Eule". Beim Vorlesen und Anschauen ist sie ganz ruhig, und sehr fasziniert von den herzlichen Tieren.


arsEdition 2016 - Pappbilderbuch, 16 Seiten - 7,99 € [D] - Format 17 x 17 cm - aus 100% Recyclingpapier, mit Ökofarben gedruckt - ab 18 Monaten