Montag, 27. April 2015

[Kinderbuch] "Ritter Tobi und der kleine Drache Hoppla" von Frauke Nahrgang

Als Tobi Hoppla zum ersten Mal begegnet, traut er seinen Augen nicht: Dieses niedliche Geschöpf soll ein Drache sein? Drachen sind doch furchterregend, groß und stark. Aber der kleine Drachen sucht keinen Zank und Streit, sondern hätte lieber einen Freund. Ab da erleben Tobi und Hoppla viele Abenteuer zusammen auf und um Burg Funkelstein, beim Turnier, mit anderen Drachen und Möchtegern-Dichtern. (Cover- und Textquelle: cbj Verlag)


Es gibt sehr viele Bücher für Leseanfänger. Mir am sympathischsten sind die, bei denen Kinder humorvoll und nicht zu überfordernd ihr Lesevermögen üben und ausbauen können. Die Bücher über Ritter Tobi gehören zu der Verlagskategorie Schau mal, wer da spricht. "Ritter Tobi und der kleine Drache Hoppla" ist ein Sammelband mit allen vier Abenteuern des kleinen Ritters und seinem Drachen.

Unser Sohn ist in der ersten Klasse und liest inzwischen sehr gerne. Am liebsten natürlich mit mir zusammen. Es klappt schon recht gut, jedoch habe ich festgestellt, dass er bei längeren Texten, die er alleine lesen soll, leicht überfordert und lustlos wird. Die Erstlesebücher Schau mal, wer der spricht sind nach dem Theater- oder Drehbuchprinzip aufgebaut. Pro Kapitel gibt es zwei bis drei Darsteller (z.B. Tobi, Hoppla und Fürst Adalbert). Wir legen fest, wer welche Rolle liest/übernimmt, und dann geht es auch schon los.

Die jeweiligen Kapitel werden in kurzen Sätzen erzählt, bei denen sich die Personen, und somit auch die Leser, abwechseln. Die meisten Wörter sind einfach, es ist aber auch ab und an mal ein längeres, komplizierteres Wort dabei. Macht gar nichts, Kinder sollen das Lesen ja üben, und der erwachsene Mitleser kann hier unterstützen und helfen. Die kurzen Szenen sind abwechslungsreich, spannend und sehr humorvoll geschrieben. Außerdem ist der Drache äußerst niedlich. Unser Sohn lacht oft laut los und versteht die Zusammenhänge komplett. Selbst, wenn eine Szene schon länger zurückliegt und ich nachfrage, kann er mir den Inhalt genau wiedergeben. Musste ich unseren Erstleser bisher eher zum Weiterlesen animieren, hat "Ritter Tobi und der kleine Drache Hoppla" ihn so motiviert, dass er ein Kapitel nach dem anderen lesen will.

Damaris unterstützt ...
das Lesenlernen mit dem größtmöglichen Einsatz. Mit "Ritter Tobi und der kleine Drache Hoppla" haben wir ein wunderbares Exemplar gefunden, dass unseren Erstleser nicht überfordert, sondern ständig motiviert. Das gemeinsame Lesen ist so humorvoll, dass wir immer viel Spaß haben und nicht genug bekommen können. Gleichzeitig sind die Kapitel so spannend, dass auch der Nervenkitzel nicht zu kurz kommt. Die Gemeinschaft beim Lesenlernen ist einfach toll!

mini 1 - Der Schelm (7) hat ...
mit diesem Erstlesebuch seine Fähigkeiten messbar verbessert. Es klappt mittlerweile schon recht flüssig und mit wenigen Fehlern. Er möchte immer den Part des Drachen Hoppla übernehmen. Der freche und lustige Freund von Tobi motiviert ihn bei jedem Kapitel aufs Neue.


cbj Kinder- und Jugendbücher 2015 - Hardcover, 176 Seiten - 9,99 € - Sammelband mit vier Abenteuern - farbig illustriert von Barbara Korthues - ab 6 Jahren

Samstag, 25. April 2015

[Bilderbuch] "Maulwurfstadt" von Torben Kuhlmann

© Cover NordSüd Verlag
Ein Maulwurf zieht unter eine grüne Wiese. Er hat vor hier zu wohnen, sich hier niederzulassen. Zuerst ist er ganz alleine, doch schon bald kommen weitere Maulwürfe hinzu, die ebenfalls unter der grünen Wiese leben wollen. Mit der Zeit verändert sich nicht nur das Leben unter Tage, auch die Wiese sieht bald nicht mehr aus wie zuvor.


Autor und Illustrator Torben Kuhlmanns Buch "Lindbergh - Die abenteuerliche Geschichte einer fliegenden Maus" wurde ein Bestseller. Beim NordSüd Verlag ist nun sein zweites Bilderbuch "Maulwurfstadt" erschienen und dreht sich, wie der Titel schon verrät, um Maulwürfe. Aber nicht auf eine kindliche, naive Weise, sondern durchaus sozialkritisch und mit beeindruckenden Bildern. 

Sie sind superniedlich, die Maulwürfe, die der Autor für seine Geschichte ausgewählt hat. Doch diese stellt sich etwas anders da. Apropos Geschichte - bevor ich das Buch zusammen mit meinen Kindern anschaute, war ich überrascht, dass das Bilderbuch extrem wenig Text enthält. Einzig auf der ersten und letzten Seite beginnt und endet die Geschichte mit einem kurzen Textbaustein. Den Rest erzählen die Bilder.

Während wir das Bilderbuch angeschaut haben, habe ich meine Kinder mit gezielten Fragen (die gar nicht immer nötig waren) zum Erzählen animiert. Im Laufe der Zeit ziehen immer mehr Maulwürfe unter Tage und die Wiese verändert sich. Das Grün verschwindet. Dafür entsteht unter der Wiese eine riesige Stadt. Straßen, Wohnungen, Läden, Züge, Bohrwerkzeuge - das alles lässt der Autorin in seine Bilder einfließen. "Maulwurfstadt" ist durchaus ein sozialkritisches Buch. Es thematisiert Umweltverschmutzung ebenso wie Konsumverhalten und Überbevölkerung. Kinder sind sich dessen beim Anschauen natürlich nicht objektiv bewusst, das Bilderbuch entfaltet bei ihnen jedoch eine ganz eigene, subjektivere Wirkung. Meine beiden waren komplett fasziniert und überwältigt von den imposanten Bildern. Bei einigen entschlüpft ihnen jedes Mal ein beeindrucktes "Wow!"

Damaris ...
hat sie natürlich sofort erkannt, die vielen Feinheiten und bekannten Elemente, die der Autor und Illustrator in die Zeichnungen von "Maulwurfstadt" eingebracht hat. Diese zeigen nicht nur eine faszinierende Maulwurfgeschichte, sie thematisieren auch einen geschichtlichen und sozialkritischen Aspekt. Es ist beachtlich, wie beeindruckend die Bilder auf Kinder (und Vorleser!) wirken, auch wenn sie zumeist komplett ohne Text auskommen. Unbedingt anschauen und sich faszinieren lassen.

"Maulwurfstadt" ist das begehrteste Bilderbuch der Kinder, wenn es darum geht, ein Buch auch mal ohne Vorleser anzuschauen. mini 1 - Der Schelm (7) und mini 2 - Die Träumerin (5) holen sich das Buch oft aus dem Regal und betrachten es alleine, leise vor sich hinmurmelnd und sehr versunken. Oder sie schauen es gemeinsam an und erzählen sich die Geschichte gegenseitig. Absolut toll!


NordSüd Verlag 2015 - Hardcover, 32 Seiten - 14,99 € - Format 22 x 28 cm - ab 5 Jahren

Freitag, 17. April 2015

[Bilderbuch] "Deine Hand in meiner Hand" von Mark Sperring

© Cover und Zitat arsEdition
Gemeinsam gehen die kleine Maus und die große Maus durchs Leben. Hand in Hand erleben sie die Jahreszeiten, machen Entdeckungen und sammeln Erfahrungen. Dabei stellen sie immer wieder fest wie schön es ist nicht alleine zu sein. Sondern einen Freund zu haben, der durchs Leben begleitet und auf den man sich verlassen kann.


Das neue Bilderbuch "Deine Hand in meiner Hand" sprach mich alleine wegen des schlichten Covers und der Farbgestaltung (türkis!) an. Ohne die Geschichte zu kennen haben wir es uns gemütlich gemacht und das Buch zu dritt betrachtet und vorgelesen. Ich konnte ja nicht ahnen, welch herzliches und poetisches Goldstück dieses Bilderbuch ist.

Zuerst einmal ist da die wunderschöne Gestaltung von Illustratorin Britta Teckentrup. Diese ist sehr besonders und sticht sofort ins Auge. Vergleichen könnte man den Stil vielleicht mit den Bilderbüchern von Leo Lionni ("Swimmy" oder "Frederick"). Die Illustrationen von Britta Teckentrup sind aber viel bunter und bestechen durch einen stimmigen Stilmix, z.B. Schablonen und Schwammtechnik. Die Bilder sind so schön, dass man sie sich sofort an die Wand hängen möchte. Dazu sind die beiden Mäuse und ihre Erlebnisse einfach sehr goldig anzusehen.

Deine Hand in meiner Hand,
genauso soll es sein.
Mit deiner Hand in meiner Hand
sind wir nie allein. - S. 6

Der kurze Text auf jeder Seite ist in Reimform verfasst. Das englische Original hätte nicht besser übersetzt werden können. Die Reime sind allerliebst und so einfach, dass selbst jüngere Kinder sie gut verstehen und bald auch mitsprechen können. Es wurde sehr viel Wert darauf gelegt, dass die Reime einen plausiblen Sinn und eine herzliche Geschichte ergeben. Schön, dass sie sich nicht einfach nur reimen, wie das oft bei Übersetzungen der Fall ist. So entsteht während des Vorlesens eine Art entspannte Ruhe und ein wohlig warmes Gefühl im Bauch.

Damaris ...
ist ein Türkis-Fan, das ist kein Geheimnis. Doch ganz unabhängig vom Cover sollte dieses wunderschöne und warmherzige Bilderbuch kein Geheimtipp bleiben. Die grafische Gestaltung ist exzellent, der kurze Reimtext ergibt eine vollständige Geschichte und ist dabei allerliebst und zartfühlend. Unbedingt fürs Kinderbuchregal merken!

mini 2 - Die Träumerin (5) ...
identifiziert sich oft mit Bilderbuchcharakteren. Mitten im Buch platzte sie plötzlich heraus: "Mama, ich will die kleine Maus sein." Sie hat das Buch, natürlich besonders die Mäuse, sofort ins Herz geschlossen.

mini 1 - Der Schelm (7) ...
ist für dieses Bilderbuch noch lange nicht zu alt. Gerade zwischendurch oder als Gute-Nacht-Geschichte kann er sich sehr gut auf den kurzen Reimtext einlassen. Schon beim ersten Vorlesen hat er die Endung der 4-zeiligen Reime mitgesprochen.


arsEdition 2015 - Hardcover, 32 Seiten - 12,95 € - durchgehend farbig illustriert von Britta Teckentrup - Format 25 x 25 cm - ab 4 Jahren

Donnerstag, 9. April 2015

[Bilderbuch] "Der kleine Cowboy und der große Wurf" von Ulrike Fischer

© Cover Magellan Verlag
Der kleine Ben möchte ein echter Cowboy werden. Cowboys können Lasso werfen - und das übt Ben auch ganz fleißig. Er kann schon ganz viel. Spuren lesen, Pfeile schnitzen und Reime ohne Stottern aufsagen. Nur das mit dem Lasso will noch nicht so recht klappen. Da passieren ihm immer solche Missgeschicke, dass es der Mama schnell zu viel wird. Ben soll Tante Nelly helfen, die ihn mit Broten zu den richtigen Cowboys schickt. Diese zeigen Ben wie das mit dem Lassowerfen geht. Und früher als er denkt, kann Ben seine neuen Künste ausprobieren. Ausgerechnet am gefährlichen Banditen Red John.


Bisher hatten wir in unserer Familie noch kein Bilderbuch, in dem es um ein klassisches Wild West-Thema geht. Obwohl die Kinder durch Sachbücher und Fasnacht mit dem Thema Cowboy vertraut sind, war dieses Bilderbuch für sie eine ganz neue Erfahrung. Cowboybilderbücher gibt es nämlich nur ganz wenige. Die Bilder sind sehr niedlich und witzig, der umfangreichere Text ist auch für etwas größere Kinder geeignet. Kleinen Kinder sollte man die Geschichte eher erzählen, statt sie wortgetreu abzulesen.

Kinder brauchen Identifikationsfiguren. Der kleine Held der Geschichte, Ben, ist ein Charakter, mit dem sich die kleinen Zuhörer sofort identifizieren können. Er kann schon so vieles, will aber am liebsten auch schon so groß sein wie die richtigen Cowboys. Unterstützt wird er dabei von seiner Freundin, dem Pferdchen Penny-Pony. Leider ist es mit seinen Lassokünsten nicht gut bestellt. Er richtet mit seinem Lasso mehr Unheil als Nutzen an. Doch auch für den kleinen Ben und Penny-Pony kommt eine Gelegenheit zu zeigen, was in ihnen steckt.

"Der kleine Cowboy und der große Wurf" hat drei große Hauptmerkmale: Humor, Spannung und Wissen. Das Bilderbuch ist sehr lustig, die Kinder müssen bei großen und kleinen Missgeschicken, die Ben während der Geschichte passieren, viel kichern und lachen. Die Geschichte nimmt sich selbst nicht ganz so ernst, sogar der gefährliche Räuber Red John bringt die Kinder zum Grinsen. Trotzdem wird ein Spannungsbogen erzeugt, dem sich die Kinder nicht entziehen können und aus dem Ben als Held hervorgeht. Nebenbei wird den Kindern - mit einer Mischung aus Tatsachen und lustigen Western-Klischees - Wissen vermittelt, was die Arbeit eines Cowboys, Sheriff, usw. ist.

Damaris mag ...
den kleinen Ben total gerne. Mehr aber noch Penny-Pony, die Ben das ganze Buch über begleitet und die beiden zu einem einzigartigen Gespann macht. "Der kleine Cowboy und der große Wurf" trifft mit seinem Lasso mitten ins Herz. Die Mischung aus Humor, Spannung und allem Grundwissen, dass Kindern das Thema "Wilder Westen" näherbringt, ist hervorragend gelungen.

Man könnte meinen, dass Cowboys nur etwas für Jungs sind. Und es stimmt, mini 1 - Der Schelm (7) ist sehr angetan vom kleinen Ben und seinen gefährlich-lustigen Erlebnissen. Doch auch mini 2 - Die Träumerin (5) möchte das Buch immer und immer wieder vorgelesen bekommen. Wie die Mama ist sie ein kleiner Pferdefan und liebt Penny-Pony. Ihr fällt sogar auf, dass Penny-Pony am Ende sehr begeistert vom Pferd des Banditen John ist. Über dem Ponykopf schwebt nämlich ein kleines Herzchen.


Magellan Verlag 2015 - Hardcover, 32 Seiten - 13,95 € [D] - mit Illustrationen von Stefanie Jeschke - Format 30 x 33 cm - ab ca. 3 Jahren

Dienstag, 7. April 2015

Neues im Kinderbuchregal - Februar/März 2015

Ostern ist vorbei, und der Osterhase ist auch in unserem Garten vorbeigehoppelt - und hat keine Kinderbücher mitgebracht! Wahrscheinlich haben die einfach nicht ins Nest gepasst. Trotzdem darf sich unser Kinderbuchregal über einige neue Bücher freuen. Wir haben fast alle schon vorgelesen, viele hier auch schon vorgestellt. Es vergeht kaum ein Tag, an dem der Schelm und die Träumerin nicht zum Buchregal laufen. Die Püppi ist mit ihren zwölf Wochen noch zu klein, bei ihr steht noch das Schlafen an erster Stelle.


Quelle arsEdition
Die kleine Hummel Bommel ist eines der herzlichsten Bilderbücher, die in der letzten Zeit erschienen sind. Britta Sabbag und Maite Kelly waren für Text und Song (den gibt's zum Buch als Download) verantwortlich, Joëlle Tourlonias hat die wunderbaren Bilder gezeichnet. Wir stellen das Buch bald ganz genau vor.
In einer ganz besonderen Technik sind die Bilder von Deine Hand in meiner Hand gehalten. Der Text wird in Reimform wiedergegeben. Ein ganz süßes Buch!


Quelle FISCHER Sauerländer, Leseworte Verlag
Jeden Abend lesen wir eine Geschichte aus Raffi und seine tierischen Freunde: Abenteuer auf dem Bauernhof vor. Die Geschichten haben genau die richtige Länge. Außerdem gibt es tolle Mitmachaufgaben und Fragen am Ende jeder Geschichte, die helfen, mit den Kindern ins Gespräch zu kommen.
Wenn die Kinder Noch mal! aus dem Regal holen, komme ich um ein mehrmaliges Vorlesen nicht herum. Hier ist der Name Programm! Ein sehr besonderes und einprägsames Bilderbuch.
Eine absolut tolle Entdeckung ist Wild, ein Bilderbuch über ein im Wald aufgewachsenen Mädchen, dass plötzlich in der Menschenwelt zurechtkommen soll - das aber gar nicht will. Für mich reiht sich das Buch in die Reihe der absoluten Klassiker, z.B. "Wo die wilden Kerle wohnen", ein.


Quelle FISCHER Sauerländer, Magellan Verlag
Jahreszeitenbücher hatten wir schon als Kinder. Entdecke die Jahreszeiten gefällt mir besonders gut, weil es sehr natürlich ist und eine große, jahresbezogene Bandbreite abdeckt. Das vermittelte Wissen ist super.
Der kleine Cowboy und der große Wurf vereint niedliche und klassischen Western-Klischees (Cowboys, Lasso, Sheriff, Banditen, ...) mit einer lustigen und spannenden Geschichte. Es ist nicht nur ein Buch für Jungen, die Träumerin findet es klasse!


Du hast Fragen zu einem oder mehreren unserer Kinderbuchregal-Schätze? Oder du möchtest etwas noch genauer wissen? Dann zögere nicht mir zu schreiben ...