Donnerstag, 28. Juli 2016

[Kinderbuch] "Pelle von Pimpernell: Der Geisterhund" von Claire Barker

Pelle von Pimpernell hat ein Problem. Seit er ein Geisterhund ist, versucht er vergeblich, wieder Kontakt zu seiner über alles geliebten Menschen-Freundin Winnie aufzunehmen. Seine verrückten Geistertier-Freunde können ihm da leider auch nicht so richtig weiterhelfen. Doch plötzlich geht es um noch viel mehr und Winnie und die Geistertier-Kombo müssen zusammenarbeiten, um dem bösen Geisterjäger Krispin O’Mystery das Handwerk zu legen ... (Text- und Coverrechte: KOSMOS Verlag)


Hund Pelle stirbt. Zum Glück erwacht er als Geist und kann, zusammen mit anderen Tiergeistern, weiter im Haus Sternenblick der Familie von Pimpernell leben. Leider muss er feststellen, dass seine beste Freundin Winnie ihn nicht mehr sieht, er sie in ihrer Trauer nicht trösten und sie nicht mehr richtig beschützen kann. Pelle fasst den Entschluss, das zu ändern. Als die Familie in Schwierigkeiten gerät und Haus Sternenblick droht versteigert zu werden, müssen Pelle und die anderen Geistertiere fest zusammenhalten, um der Familie zu helfen.

Jedes Kind kann es nachvollziehen, was es bedeutet, wenn ein geliebtes Hauttier oder ein Freund plötzlich nicht mehr da ist. So ist Winnies Reaktion, ihre Traurigkeit, völlig verständlich, als ihr Freund, der Familienhund Pelle, stirbt. Dass er als Geist im Haus weiterlebt, kann sie (noch) nicht ahnen. Diese Situation ist sehr liebevoll und warmherzig dargestellt. Leser spüren die Verbindung, die zwischen Winnie und Pelle bestand. Und weil Pelle auch als Geist aktiv wird, können Kinder bald Hoffnung haben, dass beide wieder glücklich werden können.

Neben seiner besonders herzlichen Art ist "Pelle von Pimpernell: Der Geisterhund" herrlich lustig und individuell. Jedes Geistertier hat einen speziellen Charme. Der Zusammenhalt ist großartig, viele Situationen voller Witz und Scharfsinn. Mit der Zeit wird die Handlung immer spannender. Es liegt an Pelle und seinen Freunden, die Familie von Pimpernell vor großem Unglück zu bewahren.
Die vielen detaillierten Zeichnungen im Buch unterstützen die Geschichte, und machen das Lesen für Kinder ab etwa 9 Jahren besonders attraktiv. Nach einem spannenden Finale ist die Geschichte abgeschlossen. Junge Leser werden sich sehr auf eine neues Abenteuer mit Pelle, dem Geisterhund, freuen.

Damaris empfindet ...
"Pelle von Pimpernell: Der Geisterhund" als eine tolle Kombination aus Warmherzigkeit, Humor und Spannung. Die geisterhaften Tierbewohner halten zusammen, und helfen ihrer menschlichen Familie in großer Not. Dadurch macht die Geschichte viel Spaß, und vermittelt gleichzeitig Empathie. Junge Leser (oder Zuhörer) sind fasziniert, auch von den Bildern, schließen die Menschen und Tiere der Familie von Pimpernell sofort ins Herz. Wir wollen noch viel mehr von Pelle lesen!


KOSMOS Verlag 2016 - Band 1 - Hardcover, 256 Seiten - 12,99 € - übersetzt von Manuela Knetsch - mit Illustrationen von Ross Collins - ab 9 Jahren

Dienstag, 26. Juli 2016

[Bilderbuch] "Die drei wilden Räuber Piff, Paff, Puff" von Iris Wewer

© Cover arsEdition
Piff, Paff und Puff sind richtig wilde Räuber. Und sie haben einen tollen Räuberplan. Sie wollen Eier von Oma Käthe klauen und Würste von Otto dem Hund. Und weil Piff, Paff und Puff gute Räuber sind, haben sie auch an alles gedacht. Nur nicht daran, dass beim Klauen so manches schiefgehen kann. Zum Glück sind die drei richtig gut im Weglaufen.


Bilderbücher, die viel Humor haben, manchmal augenzwinkernd daherkommen oder sich nicht ganz so ernst nehmen, gefallen Kindern besonders gut. Hier gibt es viel zu lachen und Kinder spüren es unterbewusst, wenn es Autoren bei Geschichten gelingt, sich in ihre Interessen hineinzufühlen. "Die drei wilden Räuber Piff, Paff und Puff" ist ein gutes Beispiel für ein Bilderbuch voller Humor, in dem sich Kinder wiederfinden können - nicht unmittelbar in der gleichen Situation, aber im Denken und beim Spielen.

In vielen Kindern steckt ein kleiner Räuber, bzw. der Wunsch danach, ein Räuber zu sein. So geht es auch den drei "Helden" des Bilderbuchs, denn Schweinchen Piff, Bär Pfaff und Fuchs Puff sind natürlich keine echten Räuber. Vielmehr spielen sie ein Spiel, stellen sich voller Überzeugung vor wie es wäre, ein Räuber zu sein. Und Räuber, die Hunger haben, stehlen sich die Zutaten für Pfannkuchen einfach zusammen. Wie schnell beim Klauen jedoch etwas schiefgeht, dass müssen die drei am eigenen Leib erfahren. Das wird sehr humorvoll und augenzwinkernd vermittelt. Bis Piff, Pfaff und Puff am Abend keine Räuber mehr sein wollen, gemeinsam den Tag nochmals nachspielen und sich die besten Pfannkuchen selbst backen.

Die Zeichnungen im Buch sind allerliebst und eine Augenweide. Sie zeigen die Welt, wie sie Kindern (und vielen Erwachsenen!) gefällt. Dabei wirken sie einfach, naiv-niedlich und voller humorvoller Details. Die Gefühle der kleinen und großen Darsteller können Kinder sofort nachvollziehen, und das Bilderbuch wirkt mit seiner Gestaltung wie eine große Spielwiese. Herrlich!

Damaris hat ...
sich schon bei der ersten Betrachtung in das Bilderbuch verliebt, die Kinder nach dem ersten Vorlesen. "Die drei wilden Räuber Piff, Paff und Puff" hat eine humorvolle Geschichte, die kindliches Denken und Spiel exakt aufgreift. Besonders gut gefällt der Abschluss, der "Sinn" des Buches. Die farbenfrohen Illustrationen sind liebenswürdig-einfach, mit wunderschönen Details und Besonderheiten. Gehört unbedingt ins Kinderbuchregal!

mini 2 - Die Träumerin (7) und mini 1 - Der Schelm (8) sind ...
noch lange nicht zu alt für Bilderbücher. Völlig fasziniert sind sie vom Buckelberg, dem Zuhause von Piff, Paff und Puff, an dem man sogar eine Strickleiter hochziehen kann.


arsEdition 2016 - Hardcover, 32 Seiten, 12,99 € [D] - Format 29 x 22 cm - Text und Illustrationen von Iris Wewer - ab 4 Jahren

Sonntag, 24. Juli 2016

[Kinderbuch] "Woodwalkers: Carags Verwandlung" von Katja Brandis

Auf den ersten Blick sieht Carag aus wie ein normaler Junge. Doch hinter seinen leuchtenden Augen verbirgt sich ein Geheimnis: Carag ist ein Gestaltwandler. Aufgewachsen als Berglöwe in den Wäldern lebt er erst seit Kurzem in der Menschenwelt. Das neue Leben ist für ihn so fremd wie faszinierend. Doch erst als Carag von der Clearwater High erfährt, einem Internat für Woodwalker wie ihn, verspürt er ein Gefühl von Heimat. In Holly, einem frechen Rothörnchen, und Brandon, einem schüchternen Bison, findet er Freunde. Und die kann Carag gut gebrauchen - denn sein neues Leben steckt voller Gefahren ... (Text-, Cover- und Zitatrechte: Arena Verlag)


Die Vorstellung, sich von einem Tier in einen Menschen verwandeln zu können, ist für Kinder unheimlich faszinierend. Katja Brandis erzählt in ihrem neuesten Roman und Trilogiestart "Woodwalkers: Carags Verwandlung" die Geschichte von einem Puma und gleichzeitig Menschenjungen. Das ist sehr packend und bei aller Fantasy auch herrlich natürlich.

Carag lebt als Puma mit seiner Familie zusammen. Manchmal nimmt die Mutter ihre Kinder mit in die Menschenwelt, verwandelt sich mit ihnen zum Mensch und sie erleben zusammen einen Tag voller Faszination aber auch Gefahr. Trotzdem wünscht sich Carag dieses Leben mehr, als sein Leben als Puma. Er beschließt als Mensch zu leben. Zuerst geht sein Plan auf, doch er bleibt in seiner Pflegefamilie und bei seinen Mitschülern ein Außenseiter. Erst als Carag auf die Clearwater High kommt, eine Schule für Wandler, findet er Freunde und Selbstvertrauen.

Und leider sind nicht, wie ich mal dachte, alle Menschen nett. Einige Leute in der Schule flüstern blöde Bemerkungen über mich, wenn sie denken, dass ich sie nicht hören kann (kann ich leider doch, ihr Flüstern klingt für Wandler-Ohren ziemlich laut). Und die noch schlimmeren Leute sind ungefähr so sympathisch wie ein tollwütiger Pfeifhase. - S. 19

Das Leben eines Woodwalkers in Menschengestalt ist voller Gefahren, denn niemand soll davon erfahren, dass es Tiere gibt, die sich in Menschen verwandelt können. So kommt es auch des Öfteren vor, das Carag in brenzlige Situationen gerät. Außerdem hat er einen Gegenspieler, der ihm Angst und Kummer macht. Die Geschichte spielt in den USA, das Schulsystem ist aber Deutsch. Für meinen Geschmack hätte die Handlung, die hauptsächlich vom Schulalltag geprägt ist, noch etwas mehr an Spannung vertragen können. Leser ab 10 Jahren könnten das aber anders empfinden.

Die Eigenschaften der Tiere werden im Buch sehr natürlich wiedergegeben, ebenso die Gefühle von Carag als Mensch. Der Junge, dessen Leben anders lief, als er sich vorgestellt hatte, gewinnt mit fortschreitender Handlung echte Freunde und viel Selbstvertrauen. Das Buch wird Mädchen und Jungen unterhalten, letztere aber ganz besonders ansprechen. Nach einem spannenden Finale sind zwar noch nicht alle Rätsel gelöst, die Geschichte endet jedoch mit einem positiven, stimmigen Zwischenergebnis. Junge Leser können sich auf die erlebnisreiche Fortsetzung von Carags Geschichte freuen.

Damaris ist ...
sehr glücklich mit Fantasy für junge Leser, der eine eigene Natürlichkeit innewohnt, und die völlig unkitschig daherkommt. Denn abseits von Magie und Zauber geht es bei "Woodwalkers: Carags Verwandlung" um Tiere, die auch in Menschengestalt leben können. Carags Entwicklung gefällt sehr gut. Die Handlung interessiert junge Leser sofort. Sie ist meist spannend und jugendlich humorvoll. Empfehlenswert!


Arena Verlag 2016 - Band 1 - Hardcover, 272 Seiten - 12,99 € [D] - mit Zeichnungen von Claudia Carls - ab 10 Jahren

Dienstag, 19. Juli 2016

[Bilderbuch] "Wieder beste Freunde" von Katja Reider

© Cover Coppenrath Verlag
Eigentlich sind Waschbär Mats und Bär Schimansky richtig dicke Freunde. Eigentlich. Aber jetzt haben sie sich gestritten, und keiner weiß mehr so genau, warum der Streit angefangen hat. Mats und Schimansky reden nicht mehr miteinander, und teilen sich nur noch etwas über ihre Freunde mit. Und genau von diesen kommt dann auch unerwartete Hilfe.


Für Kinder gehört die Situation zum Alltag. Im einen Moment spielen sie noch mit Freund oder Freundin und von jetzt auf gleich heißt es plötzlich: "Du bist nicht mehr mein Freund!". Oft kann keines der Kinder einen richtigen Grund für diese Aussage nennen. Meist ist der Streit auch bald wieder vorbei. Sich zu streiten und zu versöhnen ist für Kinder ein wichtige Erfahrung und ein Lernfeld fürs Leben.

Genau in dieser Situation sind Waschbär Mats und Braunbär Schimansky. Sie streiten und wissen nicht mehr genau warum. Trotzdem reden sie nicht mehr miteinander. Das geht so weit, dass sie sich kleine Gemeinheiten über ihre Freunde sagen lassen. Ein Tier trägt die Aussage zum nächsten Tier, so lange, bis sie beim Empfänger ankommt - eine Art "Stille Post" entsteht. Und hier liegt der humorvolle Clou des Buches. Die Nachricht wird natürlich immer mehr verfälscht, und kommt am Ende mit völlig neuer, positiver Bedeutung an. Der Streitgrund ist plötzlich nicht mehr wichtig. So ist der Weg geebnet, um den Streit augenzwinkernd aus der Welt zu räumen.

Illustriert wurde das Buch mit großartigen Zeichnungen, die großflächig jeweils eine Doppelseite bedecken. Kinder schauen sie sich immer wieder gerne an, da die Emotionen der Tiere direkt bei ihnen ankommen, auch wenn sie den Text nicht Wort für Wort kennen. Dieser ist einfach und recht kurz. Es könnte aber durchaus sein, dass kleine Kinder mehrere Anläufe benötigen, um den Humor der Geschichte zu verstehen oder ein bisschen Erklärung brauchen. Sie werden danach auf jeder Seite lachen.

Damaris sieht ...
"Wieder beste Freunde" als Bilderbuch, das mitten aus dem Leben gegriffen ist. Streit gehört dazu, Versöhnung auch. Wenn es dann noch auf so humorvolle und herzliche Art dargestellt wird, nämlich durch eine besondere "Stille Post", wie bei Mats und Schimansky, können Kinder (und Vorleser!) davon nur profitieren. Absolut zu empfehlen!


Coppenrath Verlag 2016 - Hardcover mit Spotlack, 32 Seiten - 12,99 € - Format 25 x 30 cm - illustriert von Henrike Wilson - ab 3 Jahren