Mittwoch, 24. August 2016

[Kinderbuch] "Volle Kraft voraus!: Total krasse Ferien" von Kai Lüftner

Mitten in der Ostsee liegen die Inseln Ping und Pong. Hier leben die Milchpiraten, so ungefähr die coolste Bande, die man sich vorstellen kann. Zum Ferienbeginn schmeißen die Oberpiraten Matz und Bruno eine wilde Party. Alle sind gekommen: der starke Tetje, der coole Lewin, Schlaubi und Alleswisser, Hansi der Träumer, die Zwillinge Jona und Jano, und Birk mit der dicken Brille. Sogar Lewins Schwester Swanni, obwohl die ein Mädchen ist und ganz bestimmt kein Milchpirat. Dann fängt der Sommer endlich richtig an: mit dem größten Schlamassel aller Zeiten ... Aaargh mit drei A! (Text- und Coverrechte: arsEdition)


Wie gut, dass wir "Total krasse Ferien" zu Beginn der Sommerferien entdeckt haben. Dafür ist es perfekt (nicht nur des Themas wegen, auch gegen eventuell aufkommende Langeweile). Außerdem ist unser fast 9-jähriger Sohn die perfekte Zielgruppe, und für einen Vorlesespaß immer zu haben.
Die Milchpiraten, eine coole Jungs-Bande, leben auf der Insel Pong. Wie gut, dass gerade die Ferien angefangen haben, denn jetzt haben sie Zeit für alle möglichen Unternehmungen. Das wollen sie mit einer Grillparty bei Bruno feiern - die dann völlig aus dem Ruder läuft ...

Ganz zu Anfang musste ich mich kurz informieren, ob wir bei diesem Buch aus Versehen zu einem Folgeband gegriffen hatten. Dem war nicht so. Die Milchpiraten haben viele Mitglieder, und gleich im ersten Kapitel lernt man auch alle kennen. Gar nicht so einfach (für mich!) die Übersicht zu behalten. Das pfiffige Kind an meiner Seite hatte hier keine Probleme. Zur Not gibt es vorne im Buch eine anschaulich illustrierte Übersicht. Nur, warum schauen denn die beiden Oberpiraten Matz und Bruno zu grummelig? Nach einer kurzen Orientierungsphase nimmt die Geschichte schnell Fahrt auf, und ist dabei überaus turbulent und pfiffig.

Die einzelnen Kapitel wechseln sich mit Tagebucheinträgen des Anführers der Bande, Mats, ab. Mats schreibt umgangssprachlich, sehr humorvoll, aber auch anspruchsvoll, da Kinder seine Einträge in Bezug zur Hauptgeschichte bringen müssen, bzw. damit abgleichen müssen. Die Geschichte ist so lustig erzählt, dass wir während des Vorlesens andauend gegrinst haben. Jedes Bandenmitglied kann man anhand besonderer Merkmale charakterisieren, wir hatten unheimlichen Spaß mit den Jungs (und einem Mädchen ... und Oma Herta ... und Kater Erwin). Die Grillparty gerät immer mehr zum völligen Schlamassel. Man fragt sich ständig, wie und ob die Milchpiraten da wieder glimpflich herauskommen. Natürlich sind die Jungs clever. Ganz ohne Federlassen geht es zwar nicht vonstatten, alles andere wäre aber auch unpassend. Die Geschichte ist abgeschlossen. Am Ende bekommt man einen kleinen Hinweis, dass es eine Folgegeschichte geben wird. Wir freuen uns!

Damaris muss ...
zugeben, dass sie sich etwas einlesen und einen Überblick verschaffen musste, bevor sie die Geschichte in vollem Umfang genießen konnte. Ganz im Gegensatz zum 9-jährigen Sohn, der sofort den Durchblick hatte und die Geschichte einfach nur cool fand. "Volle Kraft voraus!: Total krasse Ferien" hat sehr viele Witz und Eigenart und entwickelt sich zu einer herrlich turbulenten Story, die großen Spaß macht. Nach dem abgeschlossenen Ende können wir eine weitere Geschichte mit den Milchpiraten kaum noch erwarten. Ahoi!

mini 1 - Der Schelm (9) konnte ...
auf viele Aktionen der einzelnen Milchpiraten schon die Reaktion, bzw. den Schlamassel, der darauf folgte, vorhersehen. Das war für ihn unglaublich spannend. Noch größeren Spaß hatte der Schelm, wenn seine Vorhersagen dann zutrafen. Die Bilder fand er klasse!


arsEdition 2016 - Band 1 - Hardcover, 96 Seiten - 9,99 € [D] - mit Illustrationen von Nina Dulleck - ab 8 Jahren

Montag, 22. August 2016

[Kinderbuch] "Der kleine Warumwolf" von Sylvia Englert

Jedes Kind braucht einen Warumwolf!
Finn geht gern zur Schule - wenn nur der langweilige Schulweg nicht wäre. Wie toll ist es da, dass ihm ein kleiner Wolf zuläuft, der ihn jeden Tag begleitet und mit Fragen löchert - er ist nämlich ein Warumwolf! Und Finn ist der perfekte Geschichtenerfinder. So erklärt er seinem neugierigen Freund, wieso die Menschen nur zwei Arme haben, wo die leckersten Fleischbällchenbäume wachsen, und er hat natürlich auch eine Antwort auf die älteste aller Fragen: Warum ist die Banane krumm? (Text-, Cover- und Zitatrechte: Knesebeck Verlag)


Es gibt Kinderbücher, bei denen verraten alleine Cover und Titel, mit welcher Geschichte man rechnen kann. "Der kleine Warumwolf" ist ein perfektes Beispiel dafür, und der Untertitel zeigt dann eindeutig, dass es sich um herrlich verrückte und lustige Vorlesegeschichten handelt. Bücher dieser Art mögen die Kinder gerade am liebsten. So haben wir uns zu dritt freudig ans Vorlesen gemacht, mit dem festen Vorsatz jeden Tag eine Geschichte zu lesen.

Ich kann vorwegnehmen, dass es nicht bei einer Geschichte am Tag blieb. Es wurden eher um die fünf. Das Buch liest sich herrlich, wir wollten nicht stoppen, war darum auch ruckzuck zu Ende gelesen.
Im Mittelpunkt der Geschichten steht die Freundschaft zwischen Finn und dem kleinen Warumwolf. Finn langweilt sich auf seinem Schulweg. Welch ein Glück, dass ihn an einem Tag plötzlich ein kleiner Warumwolf begleitet. Danach sind die beiden unzertrennlich. Der Warumwolf stellt viele, viele Warum-Fragen, und Finn beantwortet diese auf seine eigene, verrückte und lustige Art. Eine bekannte Kinderbuchheldin würde jetzt singen: "Er macht sich die Welt widdewidde wie sie ihm gefällt."

Zufrieden gehen sie nebeneinander her. "Dass es nie Bonbons regnet, liegt daran, dass nur ganz selten die richtig dicken Zuckerwolken vorbeikommen", erklärt Finn. "Die erkennt man daran, dass sie ein bisschen gelb aussehen. Damit sie auch noch anfangen Bonbons zu regnen, muss man sie ordentlich schütteln. [...]" - S. 26

Was haben wir gelacht beim Lesen! Es gab Szenen, da mussten wir so viel kichern, dass ich das Vorlesen unterbrechen musste. Außerdem ist das Miteinander von Finn und dem kleinen Warumwolf so herzlich, dass beide sofort zu Lieblingsfiguren der Kinder wurden.
Eine schöne Besonderheit, ist, dass man die Kapitel theoretisch auch querbeet vorlesen könnte. Zwar ist die erste Geschichte eine Einleitung über das Kennenlernen der beiden Freunde, danach steht jede Geschichte für sich selbst. Nach dem ersten kompletten Vorlesen, können sich Kinder ihre Favoritengeschichten also frei wählen, ohne dass sie aus dem Zusammenhang gerissen sind. Die Länge der einzelnen Kapitel ist super, nicht zu lang und nicht zu kurz, sie eigenen sich auch mal für zwischendurch. Mit den liebevollen und lustigen Zeichnungen wird "Der kleine Warumwolf" zum perfekten Kinderbuch.

Damaris wünscht ...
sich einen kleinen Warumwolf. Dem könnten dann die Kinder alle seine Fragen beantworten, und zwar so, wie sie die Antwort gerne hätten. "Der kleine Warumwolf" ist sehr liebevoll, wunderbar verrückt und so lustig, dass wir in jedem Kapitel laut lachen mussten. Die humorvollen Vorlesegeschichten sind nicht nur spaßig, sie verdeutlichen auch ein herzliches Miteinander. Damit ist das Kinderbuch eine ganz große Empfehlung. Unbedingt (vor)lesen und sich daran erfreuen!

mini 2 - Die Träumerin (7) hat ...
mich nach dem Vorlesen gefragt, ob es noch mehr Bücher mit dem kleinen Warumwolf gibt. Leider noch nicht, aber darauf hoffen kann man doch immer, oder?


Knesebeck Verlag 2016 - Hardcover, 112 Seiten - 12,95 € [D] - mit Illustrationen von Sabine Dully - ab 5 Jahren

Mittwoch, 17. August 2016

[Kinderbuch] "Nachtvogel oder Die Geheimnisse von Sidwell" von Alice Hoffman

Als Twig mit ihrer Mutter in dem idyllischen Städtchen Sidwell ankommt, ist sie nicht die einzige Person auf dem Rücksitz. Von ihrem Bruder darf jedoch nie jemand etwas erfahren, genauso wenig wie von dem Fluch, der auf ihrer Familie lastet. Deshalb macht Twig sich so unsichtbar wie möglich und entdeckt dabei jede Menge Geheimnisse in Sidwell: Dinge verschwinden, seltsame Graffiti tauchen auf ... Ob das alles mit dem geflügelten Ungeheuer zu tun hat, das sich in mondhellen Nächten über ihrem Haus in die Lüfte schwingt? (Text-, Cover- und Zitatrechte: FISCHER Sauerländer)


Sollen die Leute reden, was sie wollen. Sie kennen schließlich nicht die ganze Geschichte. Und wenn wir weiter achtsam sind, werden diese Klatschmäuler sie auch nie erfahren.
Als wir aus New York kamen, war ich nämlich nicht die einzige Person auf dem Rücksitz.
Und genau deshalb trafen wir im Dunkeln ein. - S. 15


Autorin Alice Hoffman ist mit ihren Kinder- und Erwachsenenromanen erfolgreich. In über 20 Sprachen wurden diese übersetzt. Jetzt ist sie mit "Nachtvogel oder Die Geheimnisse von Sidwell" zurück, einem sensibel-poetischen und leicht düsteren Kinderroman über das Anderssein, viele Geheimnisse und die Bedeutung echter Freundschaft.

Twig hat mir ihrer Familie in New York gewohnt. Nun ist sie mit ihrer Mutter zurück in Sidwell. Der Grund ist ein brisantes Familiengeheimnis, ein Fluch, von dem niemand erfahren darf. Schon gar nicht das fröhliche Nachbarsmädchen Julia, das unbedingt Twigs beste Freundin sein will. Twig ist sich sicher, von niemandem so richtig wahrgenommen zu werden, dabei hätte sie gerne jemandem, mit dem sie ihre Geheimnisse teilen kann. Stattdessen entdeckt sie seltsame Dinge, die im Städtchen Sidwell vor sich gehen.

Ich glaube, an diesem Abend fühlte ich mich zum ersten Mal einsam, und von da an trug ich dieses Gefühl in mir - ein Geheimnis, das ich niemals offenbaren würde. Seit damals weinte ich nicht mehr, wenn ich enttäuscht wurde, sondern häufte alle Kränkungen in mir zu einem Turm aus abgestürzten Sternen an, den niemand sehen konnte, obwohl er in meinem Inneren in grellem Licht erstrahlte. - S. 20

"Nachtvogel oder Die Geheimnisse von Sidwell" hat einen unglaublichen Charme. Schon nach dem ersten Kapitel wäre ich gerne hingereist, in den (fiktiven) Ort mit der Apfelplantage und dem verwinkelten Farmhaus von Twigs Familie, dem Gemischtwarenladen und dem kleinen Tourist-Center. Gleichzeitig umgibt das Buch aber auch ein poetisches Mysterium, eine geheimnisvolle, phantastische Stimmung. Gemeinsam mit den Charakteren begibt man sich auf Spurensuche. Die schüchterne Twig tat mir leid. Sie trägt eine große Last, ein Familiengeheimnis, das sie sehr einschränkt, weil sie sich niemand mitteilen kann. Selbst eine Freundin, oder nähere Bekanntschaften, sind nicht erlaubt, aus Angst vor den Konsequenzen, sollte jemand von dem Fluch erfahren. Dabei trägt Twig das Herz am rechten Fleck und ist ein sehr freundliches und selbstloses Mädchen.

Der bildliche Erzählstil und die Geschichte, die von vielen Metaphern getragen wird, sind sehr besonders und für junge Leser etwas anspruchsvoll. Somit ist das Buch nicht nur ab 10 Jahren, sondern auch für Jugendliche und All Age-Leser geeignet. Der Roman lebt von einer unterschwelligen (An)Spannung, bevor sich diese am Ende nochmals deutlich steigert. Mit einer positiven Grundaussage, und guten Zukunftsaussicht für die Protagonisten, wird das Buch zu Ende gebracht.

Damaris mag ...
Bücher, bei denen man nicht nur eine bedeutungsvolle Geschichte verfolgt, sondern auch zwischen den Zeilen viel herauslesen kann. "Nachtvogel oder Die Geheimnisse von Sidwell" hat eine liebenswerte Hauptprotagonistin und eine charmant-düstere Atmosphäre mit phantastischen Elementen. Die Geschichte besitzt einiges an Tragik und zeigt dabei, wie wichtig echte Freundschaft ist und das es völlig okay ist, anders zu sein. Lesenswert!


FISCHER Sauerländer 2016 - Hardcover, 208 Seiten - 12,99 € [D] - übersetzt aus dem Amerikanischen von Sibylle Schmidt - ab 10 Jahren

Dienstag, 16. August 2016

[Kinderbuch] "Titus und der verwunschene Wald" von Theodor Serapion

Schreck und Schauder: Die verwunschenen Wälder rund um die Märchenakademie in Grimmelsbergen bergen viele Geheimnisse. Titus Haselschein, Schüler dieser Märchenakademie, ist nicht gerade begeistert, als er in seinem dritten Lehrjahr ausziehen muss, um in den Wäldern viele spannende Abenteuer zu erleben. Und benotet werden seine Erlebnisse auch noch! Gut, dass er mit der Elfe Rabea Wintergrün eine Verbündete findet, allerdings eine ziemlich freche und streitlustige. Gemeinsam ziehen sie los und treffen auf viele bekannte Märchenfiguren. Warum hat Rapunzel kurze Haare? Ist der Böse Wolf vielleicht gar nicht mehr böse? Und was führt eigentlich das Rumpelstilzchen schon wieder im Schilde? Für Titus und Rabea beginnt eine aufregende Reise, nach der nichts mehr so ist, wie es vorher war. (Text- und Coverrechte: Märchenakademie)


Märchen gehören zu jeder Kindheit. Hoffentlich. Denn sie bilden den Grundstock jeglichen Erzählens, die Basis aller spannenden und berührenden Geschichten. Von der Märchenakademie erschien jetzt ein ganz besonderes Märchenbuch. Schüler Titus steht kurz vor seinem Abschluss und muss dafür in die Wälder rund um die Schule ausziehen, um dort spannende Abenteuer mit den Helden (und Antihelden) bekannter Märchen zu erleben. Was Titus dort alles erlebt, hätte er sich nie träumen lassen.

Als ich "Titus und der verwunschene Wald" zum ersten Mal in den Händen hielt, war ich entzückt. Das rechteckige Format ist wunderbar gewählt, die Ausführung hochwertig. Ich kann jetzt schon vorwegnehmen, dass die Illustrationen, mit den ausgesuchten Farben, von Mirjam Zels die Geschichte nicht besser präsentieren könnten. Sie sind wirklich märchenhaft und bezaubern Kinder sofort. Man findet immer wieder kleine Zeichnungen zwischen dem Text oder mehrfach eine besonders aussagekräftige Szene der Geschichte auf einer ganzen Seite oder Doppelseite. Hier muss man einfach verweilen, um die Bilder ganz genau zu betrachten.

Titus Haselscheins Aufgaben als Lehrling der Märchenakademie, und sein Abenteuer in den Wäldern, werden in acht ausführlichen Kapitel erzählt. In jedes Kapitel wird ein bekanntes Märchen, bzw. Teile daraus, eingeflochten und für Titus' Geschichte neu interpretiert und weitergedacht. Besonders viel Spaß macht die Geschichte, wenn man die verwendeten Märchen kennt. Das war bei mir der Fall, ich war teilweise einfach nur erstaunt, was sich der Autor ausgedacht hat. Die Geschichte an sich ist modern ausgelegt, hat aber die ausgewählte Sprache und den Charme altertümlicher Märchen. Das ist zuweilen etwas anspruchsvoll. Hier werden Kinder sich vielleicht hineinhören oder einlesen müssen.

Bei seinem Abenteuer ist Titus nicht alleine unterwegs. Er bekommt mehr oder weniger (unfreiwillige) Hilfe von einer Elfe, was für viel Erheiterung sorgt. Viele Dialoge und Begebenheiten sind äußerst spritzig und humorvoll. Neben der Spannung steht hier der Lesespaß an erster Stelle. Eine schöne Besonderheit ist die Interaktion des Erzählers mit den Lesern, aber auch mit Titus selbst. Das bewirkt ein schönes Gemeinschaftsgefühl während des Lesens.

Damaris mochte ...
"Titus und der verwunschene Wald" von ersten Augenblick an. Die Geschichte ist einzigartig, total lustig und überrascht am laufenden Band. Modern und sprachlich exzellent, hat das Buch den Charme alter Märchen - man kann es immer wieder lesen, ohne sich zu langweilen. Titus ist ein liebenswerter Held mit Identifikationscharakter, der nicht besser zur Geschichte passen könnte. Einen Preis hat die herausragende Gestaltung verdient. Gemeinsam mit der Geschichte macht sie das Buch zu einer idealen Lese- und Vorleseempfehlung für Kinder ab etwa 8 Jahren.


Märchenakademie 2016 - Hardcover, 160 Seiten - 14,95 € [D] - mit farbigen Illustrationen von Mirjam Zels - ab 8 Jahren